Untreue: Helios feuert den Chef der Ausbildung

Untreue: Helios feuert den Chef der Ausbildung

Der 53-Jährige soll Honorare für erfundene Seminare eingesteckt haben.

Krefeld. Skandal um den langjährigen Leiter der Helios-Ausbildungszentren in Wuppertal und Krefeld. Wie ein HeliosSprecher auf WZ-Nachfrage bestätigt, ist Jochen S. bereits Anfang Juli fristlos entlassen worden. Helios hat gegen den 53-Jährigen Strafanzeige erstattet. Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen. Der Vorwurf: Untreue.

Laut Helios haben interne Untersuchungen ergeben, dass S.bei der Abrechnung von Dozenten-Honoraren in die eigene Tasche gewirtschaftet haben soll. Nach WZ-Informationen soll sich der Schaden auf mehr als 700000Euro belaufen. S. soll die entsprechenden Seminare und auch die Namen der Referenten zum Teil frei erfunden haben.

Laut Helios hat der in Wuppertal geborene promovierte Medizinpädagoge - er hat unter anderem einen Lehrstuhl an der Fachhochschule für Gesundheit in Gera inne - gegenüber der Geschäftsführung Teile der Vorwürfe eingeräumt. Von den Vorgängen sei ausschließlich das Bildungszentrum in Wuppertal betroffen, hieß es gestern.

Dort werden im Jahr unter anderem mehr als 150Gesundheitspfleger und Kinderkrankenschwestern ausgebildet. In Krefeld gibt es 380 Ausbildungsplätze. S. ist auch Leiter des im vergangenen Jahr eingeweihten Helios-Bildungszentrums in Krefeld gewesen - bis zu seiner Entlassung im Juli.

Bei der Einweihung hatte S. darauf hingewiesen, dass sich "die Anforderungen an das Personal jährlich durch neue Apparaturen und durch Weiterentwicklung in Diagnostik und Therapie verändern". Entsprechend groß ist das Weiterbildungsangebot gewesen, das nicht nur für die Beschäftigten, sondern auch für Interessenten außerhalb der Helios-Kliniken vorgehalten worden ist. Nach WZ-Informationen hat dieser Umfang so manchen im Klinikum Krefeld stutzig gemacht.

Ein Sprecher der Helios-Kliniken-Gruppe hat Auswirkungen des Skandals auf andere Helios-Bereiche gestern ausgeschlossen. Gegenüber der Staatsanwaltschaft soll S. bislang geschwiegen haben. Die Ermittlungen dauern an.

Wie bei dem von Helios eingeführten Kosten-Controlling eine solche Summe veruntreut werden konnte, wird sicherlich auch den Aufsichtsrat in Krefeld interessieren. Doch die für gestern vorgesehene Sitzung ist von der Geschäftsführung im Auftrag von Oberbürgermeister Gregor Kathstede als Aufsichtsratsvorsitzenden "mangels beratungsbedürftiger Tagesordnungspunkte" abgesagt worden.