Unternehmen stellen wieder von Schienen- auf Schiffverkehr um

Schifffahrt : Das Wasser im Rhein steigt wieder

Nach dem Rekord-Niedrigwasser der vergangenen Monate ist Entspannung in Sicht. Der Pegel liegt inzwischen bei 3,80 Meter. Unternehmen stellen wieder von Schienen- auf Schiffverkehr um.

Seit Oktober hat die Industrie in der Region auf Regen gehofft, nun sind ihre Stoßgebete erhört worden. Das Wasser, wie Hafenmeister Peter Plarre es formuliert, ist wieder da – dank der Niederschläge, die vergangene Woche aus Süddeutschland über den Niederrhein gezogen sind. Das bedeutet, dass viele Schiffe wieder mit voller Ladung fahren können. „Das haben sie auch während des niedrigen Pegels getan“, erklärt Plarre. Denn der Rhein sei nach wie vor schiffbar gewesen.

Allerdings bestand die Gefahr, dass sich die Schiffe festfahren könnten, führt er weiter aus – ein Risiko, das kaum jemand eingegangen sei. Da der Pegel aber aktuell bei 3,80 Meter liegt, entspanne sich die Situation allmählich, hält er fest.

Unternehmen im Chemiepark sind auf Notfälle vorbereitet

Das sieht auch Timo Krupp so. „Da die Schiffe wieder höher beladen werden können, ist es möglich, weniger Schiffe einzusetzen und Lieferungen wieder Schritt für Schritt von Schiene und Straße auf das Wasser zu verlegen“, sagt der Currenta-Pressesprecher. Einschränkungen in der Produktion gebe es wenig bis keine, da die Unternehmen im Chemiepark auf solche Situationen vorbereitet seien, die jeweilige Entwicklung beobachteten und die Prozesse entsprechend anpassten. Darunter auch Lanxess, das aufgrund des Niedrigwasser seine Lieferungen ebenfalls auf Schienen sowie Straßen verlagern musste. Allerdings konnten sämtliche Lieferungen sichergestellt werden, auch wenn das „mit hohem Aufwand“ verbunden gewesen ist, wie Unternehmenssprecher Frank Grodzki erklärt.

Im Vergleich zu den 130 Zentimetern, die noch vor ein paar Monaten für Falten auf der Stirn sorgt haben, eine erfreuliche Entwicklung für die Unternehmen. Auch für den Öl- und Gasriesen Shell, der noch vor ungefähr zwei Wochen die Produktion in den Raffinerien Godorf und Wesseling drosseln musste. Nach Aussage von Pressesprecherin Cornelia Wolber war von einer angespannten Versorgungslage die Rede. 40 Prozent der Produkte aus den Ölverarbeitungsstätten im Rheinland werden über den Wasserweg abtransportiert.

Um einen möglichen Kraftstoff-Kollaps an Tankstellen zu verhindern, hatte das Unternehmen Reserven freigegeben. „Auch wenn das Wasser ansteigt, bleibt abzusehen, ob diese „Erholung dauerhaft anhält“, sagt Wolber. „Nach dieser ungewöhnlichen langen Periode niedriger Wasserstände werde noch etwas Zeit benötigt, bis die gesamte Versorgungskette wieder im Normalzustand arbeitet und die Tankläger – insbesondere im Einzugsbereich des Rheins – ausreichend mit Ware aufgefüllt sind.“

Binnenschiffer
weisen auf Sanierungsstau hin

Während sich der Alltag bei vielen Unternehmen langsam einpendelt, nehmen Binnenschiffer das Niedrigwasser zum Anlass, um auf den Sanierungsstau bei den Wasserstraßen hinzuweisen. Die Verbesserung der Infrastruktur dürfe nicht mehr auf die lange Bank geschoben werden, stellt Fabian Spieß vom Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) gegenüber der Deutschen Presseagentur klar.

Wenn die Verkehrswende hin zu dem nachhaltigen Verkehrsträger wirklich gewünscht sei, müssten Fahrrinnen vertieft, Schleusen instandgehalten und verlängert sowie Engpässe beseitigt werden.

Dies sieht auch die Industrie- und Handelskammer Mittlerer Niederrhein so, die in einer Mitteilung das Niedrigwasser des Rheins als große Belastung für die Wirtschaft in der Region beschreibt. In diesem Zusammenhang erinnert IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz an das Projekt „Abladeverbesserung und Sohlenstabilisierung am Rhein zwischen Duisburg und Stürzelberg“ im Bundesverkehrswegeplan.

Ziel sei eine dauerhafte Abladetiefe von 2,80 Metern in diesem Abschnitt. „Diese Maßnahme ist als sogenannter Vordringlicher Bedarf eingestuft und könnte somit unverzüglich umgesetzt werden“, betont Steinmetz. In einem Brief an Landesverkehrsminister Hendrik Wüst hat die IHK auf den besonderen Priorisierungsbedarf dieser Maßnahme hingewiesen.

Bereits seit April 2018 wird der sogenannte Kleinwasserzuschlag auf Binnenschifftransporte erhoben. „Dieser Betrag ist erforderlich, weil die Schiffe nicht mehr voll beladen werden können und dementsprechend mehr Fahrzeuge eingesetzt werden müssen“, erläutert Steinmetz.