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"Unser Haus" des Fördervereins Freizeit Behinderter wird 40 Jahre alt

Miteinander leben : „Unser Haus” – für ein selbstbestimmtes Leben mit Handicap

17 Menschen mit unterschiedlichen Handicaps führen unter dem Dach der Einrichtung ein weitgehend selbstständiges Leben.

Eva Zimmermann lebt seit elf Jahren in der besonderen Wohnform „Unser Haus“ des Fördervereins Freizeit Behinderter (FFB). Die 59-Jährige ist gerne dort, denn da ist sie nicht alleine und hat sowohl Freizeiten als auch Pflichten.

„Zu den Freiheiten gehört der Gang in die Stadt“, berichtet sie. „Pflichten sind, bei den Mahlzeiten zu helfen.“ Jetzt hat sie dort auch einen guten Freund gewonnen. Die Einrichtung „Unser Haus“ feiert in diesem Jahr ihr 40-jähriges Bestehen.

„Es begann alles ganz unscheinbar. die Ratsfrau Ursula Völkel wusste, das mit behinderten Menschen wenig gemacht wird“, berichtet Renate Franzen vom Geschäftsführenden Vorstand im pädagogischen Bereich vom FFB. „Sie ging dann zu Besuchen in die Psychiatrien, unterhielt sich mit den Bewohnern und holte sie zu Ausflügen zum Hülser Berg und in den Zoo ab. Später wollte sie die Leute dort ganz herausholen.“

Die psychisch Erkrankten sollten Normalität und Eigenständigkeit erfahren. „Schließlich blicken die meisten auf unauffällige Lebenswege: Einige waren verheiratet und haben Kinder, haben studiert oder waren beruflich erfolgreich, bis eine psychische Erkrankung ihr bisheriges Leben aus den Angeln hob“, erklärt Franzen.

Der Plan wurde Realität, die ehemalige Offizierskaserne der Engländer an der Haydnstraße 4 wurde angemietet. 1980 bezogen die ersten Bewohner, 14 Menschen mit unterschiedlichen psychischen Erkrankungen, die zuvor größtenteils in Psychiatrien untergebracht waren, ihr neues Zuhause. „Der Name war und ist Programm: Für die Mieter ist die Haydnstraße ,ihr’ Haus und Zuhause. Ein Ort, wo sie sich sicher fühlen, psychisch stabilisieren und selbstbestimmt leben können.“

Ein neues Zuhause in
Einzel- statt Doppelzimmern

Um dieser Leitlinie treu bleiben zu können, gab es im Laufe der Jahre immer wieder Verbesserungen. Aus Doppel- wurden Einzelzimmer und 2008 baute der FFB einen zweiten Standort an der Dahlienstraße 55.

„Er ist im Gegensatz zu der ehemaligen Offiziersvilla an der Haydnstraße barrierefrei und bietet Menschen ein Zuhause, die neben einer psychischen auch eine geistige Behinderung haben.“

Heute führen insgesamt 17 Menschen in „Unser Haus“ ein weitgehend selbstständiges Leben. Unterstützt werden sie durch rund um die Uhr präsentes Fachpersonal. Vielfältige kreative und alltagspraktische Angebote wie Entspannungsübungen und Kunst- und Musik-Nachmittage sorgen für Abwechslung im Tagesplan. Die Ausflüge sind geblieben. So zu Trödelmärkten oder in Museen, wenn es die Pandemie zulässt.

Da die Einrichtung darauf ausgerichtet ist, den männlichen und weiblichen Mietern auf Dauer ein Zuhause zu bieten, ist die Fluktuation niedrig. Es gibt eine Warteliste. Viele leben seit den 80-er Jahren in „Unser Haus“. Besonders emotional ist es deshalb, wenn doch Menschen ausziehen, wie zuletzt eine Frau, die es nach 30 Jahren geschafft hat, ins betreute Wohnen umziehen zu können.