Unruhe in Krefelds Stadtverwaltung wegen Ausgliederung

Anstalt öffentlichen Rechts : Kontroverse um Kommunalbetrieb

Personalrat sieht Probleme an Schnittstellen, Leitung eher in ungerechter Kritik.

Das Politikum Kommunalbetrieb sorgt weiter für Unruhe in der städtischen Belegschaft. Seit 1. Juli gilt die neue Unternehmenssatzung für die aus der Kernverwaltung ausgegliederte Anstalt öffentlichen Rechts. Es sind konträre Perspektiven, aus denen der Gesamtpersonalrat der Stadt Krefeld und die Leitung des Kommunalbetriebs Krefeld (KBK) auf die jüngste Entwicklung beurteilen, unterschiedlicher könnte die Wahrnehmungen kaum sein. Während sich Heribert Boosen vom Personalrat „sehr unzufrieden und besorgt“ zeigt, eklatante Schnittstellenprobleme ausmacht, geben sich KBK-Boss Helmut Döpcke und Sprecher Lothar Lessmann mehr als zufrieden. Sie sprechen von ungerechtfertigter, aufgebauschter Kritik.

Bald zentrale Anlaufstelle
für Bürgerfragen

Boosen schimpft: „Die Schnittstellen sind nicht vernünftig koordiniert, die Zuständigkeiten nicht klar, da bleibt oft Arbeit für die Stadt liegen, die für den KBK ist.“ Insgesamt findet Boosen den Übergang „nicht professionell vorbereitet“, nimmt aber auch die Mitarbeiter in die Pflicht. „Es gab ja Führungskräfte, die gegen die Anstalt öffentlichen Rechts waren und ihre Hausaufgaben möglicherweise nicht vernünftig erledigt haben.“ Das will Döpcke nicht so stehen lassen. „Wir haben ein komplett neues Unternehmen gegründet, es wäre überraschend, wenn alles perfekt laufen würde.“ Auch über Zuständigkeiten müsse man nicht diskutieren. „Wer was zu tun hat, ist in der neuen Satzung definiert. Und wenn es doch mal Fragen gibt, ist das nicht weiter schlimm. Das hält die Kommunikation zwischen Verwaltungs- und KBK-Mitarbeitern aufrecht, das sind weiterhin Kollegen.“

Im Hamburg-Mannheimer-Haus, so Döpcke, würden bis Ende des Jahres alle Bereiche zusammengeführt, sodass die Dezentralisierung mit Standorten an der Mevissenstraße, der Elbestraße, an der St.-Töniser-Straße und an der Uerdinger Straße bald ein Ende fände. „Jetzt sind wir hier mit rund 80 Mitarbeitern, bald sind es 100. Insgesamt arbeiten beim Kommunalbetrieb dann 350 Mitarbeiter plus 50, die vom Kanalbau hinzukommen.“ Früher, meint Lothar Lesmman, hätten sich die Bereiche Tiefbau um den Bordstein gekümmert, Grünflächen um den Rasen, Friedhof um die Hecke und die GSAK um die Straße. „Heute leisten wir alles aus einer Hand.“

Um das transparenter zu machen, solle es im Erdgeschoss am Ostwall, im ehemaligen Front-Office der Barmer, bald eine zentrale Anlaufstelle für Krefelder Bürger geben, in der alle Fragen rund um den Kommunalbetrieb beantwortet werden.

Döpcke stört, dass „Probleme gern herbeigeredet werden“ und spielt auf die öffentliche Beschwerde eines Krefelder Mittelständlers an, der Kommunalbetrieb würde seine Rechnungen zu spät zahlen. „Das war mitten in der Umzugsphase. Diese Firma hatte zeitgleich neun Rechnungen an uns gestellt, acht davon wurden fristgerecht bezahlt. Dann wird so ein Fass aufgemacht, das ist ärgerlich, denn es diskreditiert die gute Arbeit vieler Menschen.“ Gleichwohl sieht Döpcke noch Entwicklungsbedarf bei der Belegschaft. „Das ist aber auch völlig normal. Die Mitarbeiter müssen und werden lernen, in anderen Prozessen zu denken. Formalrechtlich ist das Handelsgesetzbuch maßgeblich mit Quartalsberichten, Wirtschaftsplan etc.“ Das könne man nicht von oben herab verordnen.

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