Umwelt: „Wir müssen dem Gewässer ein neues Profil geben“

Umwelt : „Wir müssen den Niepkuhlen ein neues Profil geben“

Der im Mai scheidende Umwelt-Fachbereichsleiter Bernhard Plenker spricht über die Problem des Gewässers und eine Rinne als mögliche Lösung.

Das Schauerwetter hält Bernhard Plenker nicht auf. Der Fachbereichsleiter für Umwelt und Verbraucherschutz kommt mit dem Fahrrad zu seinem Büro an die Elbestraße. Der Regen war im vergangenen Jahr ein rares Gut am Niederrhein. Das sah man vor allem an den Niepkuhlen, die teilweise trocken fielen und den 65-Jährigen seit Monaten beschäftigen. Lösungen sind gefragt. Darüber sprach der Hülser mit der WZ, zwei Monate vor seinem Abschied in den Ruhestand.

Herr Plenker, was ist das Problem in diesem Gebiet der Niepkuhlen?

Plenker: Es ist vielschichtig. Das ist das eigentliche Problem. Seit Jahrzehnten verlandet dieser Gewässerzug. Eines der Probleme ist, dass die Niepkuhlen im vergangenen Sommer trocken gefallen sind. Es war warm und es gab zu wenig Niederschlag. Der zweite Punkt ist die Grundwasserabsenkung durch die LEG (Landesentwicklungsgesellschaft, d. Red.), die voraussichtlich um den Jahreswechsel 2019/20 eingestellt wird. Dieses Wasser wird in die Niepkuhlen geleitet. Es wird zukünftig wegfallen. Im Winter hatten wir noch 220 Kubikmeter pro Stunde, die eingeleitet wurden, bis zum Jahresende reduzierte sich das auf 65 Kubikmeter. Der Bereich an der Niepkuhlen-Brücke ist im Sommer trockengefallen trotz der Einleitung.

Wodurch hat sich die Lage im vergangenen Jahr verschärft?

Plenker (zeigt eine Verlaufskurve der Niederschläge der vergangenen Jahre): Wir hatten im Vorjahr zunächst durchschnittliche Niederschlagsmengen. Ab Mai kam dann fast gar nichts mehr. Und es war langanhaltend heiß. Das führte dazu, dass der Grundwasserspiegel gesunken ist und weniger Wasser eingeleitet wurde. Dazu kommt die Verdunstung. Seit 1851, dem Beginn unserer Aufzeichnungen, haben wir ansteigende Niederschlagsmengen registriert. Das aber zeigte sich im vergangenen Jahr nicht. Wir liegen im Schnitt bei etwas über 700 Millimeter. In 2018 waren es so ungefähr 580, je nachdem, wo man misst. Dieses Problem gab es in den 1970ern und 1990er Jahren schon einmal. Da gab es die Diskussion über die Entschlammung der Niepkuhlen. Da war das Thema schon einmal virulent über mehrere Jahre.

Wie ist die aktuelle Lage?

Plenker: Es fehlen immer noch so 40 bis 50 Zentimeter beim Grundwasserspiegel. Die haben wir noch nicht aufgeholt. Es hat aber in den letzten Wochen und Monaten gut geregnet.

Auf einem Informationsabend brachten sie kürzlich die Idee einer Rinne als Lösung ins Spiel.

Plenker: Wir haben die Verpflichtung, aus dem Wasserhaushaltsgesetz und der EU-Wasserrahmenrichtlinie heraus einen guten ökologischen Zustand des Gewässers zu erzeugen. Die Ansprüche sind: Die Durchgängigkeit des Gewässers, dauerhafter Wasserführung, etc. Im Winter steht das Grundwasser über der Schlammschicht, im letzten Sommer darunter. Wir müssen dem Gewässer ein neues Profil geben. Dafür müssen wir auch Schlamm abbaggern und den auf Poldern ablagern, weil die Entsorgung extrem teuer wird. Dadurch würde das Gewässer eine andere Gestalt bekommen. Das bedingt aber erstens ein Genehmigungsverfahren. Gleichzeitig kostet das Geld. Wir bräuchten Fördermittel der EU, des Bundes und Landes. Zuerst muss ein Konzept erstellt werden. Das Ganze dauert dann eben auch seine Zeit.

Welche Bedeutung hat das Gebiet für Krefeld?

Plenker: Die Niepkuhlen sind ein Landschafts- und Naturschutzgebiet, das auch zur Freizeitgestaltung dient und das Wohnumfeld gestaltet. Die Verberger und Traarer identifizieren sich mit ihren Niepkuhlen. Aus der Geschichte heraus wissen wir, dass sich die Niepkuhlen ständig verändern. Man muss davon ausgehen, dass auch zukünftig Veränderungen eintreten. Man muss sie daher zukunftsfähig machen.

Wie ist die Tierwelt betroffen?

Plenker: Es ist ein Gebiet insbesondere für Wasservögel und auch der Amphibien und Fische. Wir haben dort auch Rote-Listen-Arten. Diese Lebensräume müssen wir erhalten, daher müssen wir dauerhaft Wasser haben, auch im Sommer, damit sich die Tierwelt zurückziehen kann. Durch Umgestaltung könnten wir auch Bereiche anlegen, die wechselfeucht sind. Das Ziel ist, dass die Rinne eben dauerhaft Wasser führt.

Welche Probleme bringt die Umgestaltung mit?

Plenker: Wenn wir es so machen würden, würde sich das Bild in Bereichen, wo die Niepkuhlen breit sind, verändern. Neben dem dauerhaft wasserführenden Bereich der Rinne gäbe es auch wechselfeuchte Bereiche, im Winter also nass, im Sommer trocken. Das Gebiet würde dann eine andere Gestalt bekommen. Das ist nicht einfach mal ein Verwaltungshandeln. Da lege ich schon Wert drauf, dass das im Dialog mit Politik und den Bürgern erfolgt.

Am 31. Mai gehen Sie in den Ruhestand. Was werden Sie in Ihrer freien Zeit machen?

Plenker: Ich werde mich auch weiterhin ehrenamtlich engagieren. Ich bin ja auch Vorsitzender des Fördervereins des Krefelder Umweltzentrums. Dann werde ich mich vermehrt um meine Familie kümmern. Ich treibe viel Sport, lese viel und reise gerne. Ich bin ein Läufer und begeisterter Fahrradfahrer. Marathonläufe werde ich aber nicht mehr machen. Meine Reiseziele sind in der Regel Frankreich und Deutschland. Vacance en France. Wir sind gerne in der Provence, im Süden, aber auch am Atlantik, der Bretagne. Was das Lesen betrifft, interessiert mich deutsche und französische Gegenwartsliteratur.

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