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Umstrittener Vorschlag in Krefeld: Büros im Fischelner Rathaus?

Sanierungsprojekt : Büros im Fischelner Rathaus?

Die Pläne für den Umbau des denkmalgeschützten Gebäudes liegen vor – und enthalten einen umstrittenen Vorschlag.

Die Fischelner Bürger warten seit gut 20 Jahren darauf, dass man ihr Rathaus möglichst problemlos auch mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen besuchen kann. Dieses Warten wird voraussichtlich in etwas mehr als einem Jahr enden. Das geht aus den Umbauplänen hervor, den das Architekturbüro Littgen jetzt in der Bezirksvertretung vorgestellt hat. Sie sehen neben der Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes einen Aufzug auf der Rückseite vor. Und sie enthalten den Vorschlag, Teile des Rathauses als Büros zu vermieten.

Die Idee, die Räume in der ersten Etage gegenüber dem Ratssaal zum Beispiel an eine Anwaltskanzlei oder eine Arztpraxis zu vergeben, ist eine Option, die die Architekten gerne aufzeigen möchten, um den Bezirkspolitikern eine Einnahmemöglichkeit zu zeigen. In der Bezirksvertretung stieß die Idee auf einigen Widerspruch. In den Wortmeldungen tauchten andere Vorschläge auf, etwa eine Beratungsstelle oder Räume für die Vereine des Stadtteils.

Unabhängig davon, wie sich die Fischelner Politiker in dieser Frage schließlich entscheiden, ist der Zeitplan für den Umbau folgender: Nachdem der Bauantrag eingereicht wurde, wird sich der Bauausschuss am 16. Januar mit den Plänen und den gestiegenen Kosten beschäftigen. Da SPD und CDU in der Haushaltsberatung zusätzliche Gelder für den Umbau vorgesehen haben, ist davon auszugehen, dass es im Ausschuss eine Mehrheit gibt. Die Baugenehmigung könnte dann etwa im März vorliegen, die Ausschreibung bis Mai. Die Vergabe würde bei normalem Verlauf im Sommer erfolgen, die Arbeiten etwa im September starten. Die Architekten gehen davon aus, dass es ab Baubeginn sechs bis acht Monate dauert, bis alles erledigt ist. Demnach wäre das Fischelner Rathaus im Frühjahr 2020 saniert und barrierefrei – oder zumindest barriere-arm.

Aufzug bringt Besucher künftig bis ins Dachgeschoss

Besucher mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen gelangen auf der Rückseite des Rathauses über eine Rampe ins Gebäude und von dort zu einem Aufzug. Er bringt die Besucher auf alle Ebenen, auch ins Dachgeschoss. Barrierefrei wird das Rathaus auch nach dem Umbau insofern nicht sein, als dass die Architekten immer Rücksicht auf den Denkmalschutz nehmen müssen, wenn sie Barrieren beseitigen oder den Ist-Zustand verbessern. Daher passt der Begriff barriere-arm besser.

Obere Denkmalbehörde lehnt Antrag auf Außentreppe ab

Der Denkmalschutz ist auch eng damit verbunden, dass die Kosten auf mehr als 500 000 Euro gestiegen sind: Im Frühjahr 2018 war in Abstimmung mit Bauaufsicht, Feuerwehr und der Unteren  Denkmalschutzbehörde ein Brandschutzkonzept erarbeitet worden. Dabei wurde ersichtlich, dass das Gebäude einen zweiten Rettungsweg benötigt. Die Idee war zunächst, dafür eine Außentreppe zu bauen und das Haupttreppenhaus sowie die Außentreppe mit Rauchschutztüren zu versehen. Dann allerdings lernten die Beteiligten, warum es eine Untere und eine Obere Denkmalbehörde gibt. Die Obere lehnte den Antrag für die Außentreppe ab und forderte stattdessen, dass auch der zweite Rettungsweg innerhalb des Gebäudes zu schaffen sei. Der neue Plan mit einer Stahltreppe, die zum Innenhof führt, liegt nun vor.

Eine weitere wichtige Neuerung ist für das Erdgeschoss vorgesehen: Da das Konzept auf mehr Besucher im Rathaus setzt, entsteht ebenerdig ein WC, das ebenfalls so barrierefrei wie möglich sein soll. Die weitere Verteilung: Die Bezirksverwaltung bleibt an ihrem vertrauten Platz, die Polizei wird in die leerstehenden Räume umziehen, in denen in der Vergangenheit die Sparkasse beheimatet war. Ein Geschoss tiefer kann der Heimatverein weiter seine Räume nutzen, außerdem ist dort die Technik untergebracht.

In der ersten Etage liegen der Ratssaal und die umstrittenen Räume. Unter dem Dach hat das Comitee Crefelder Carneval sein Archiv. Teile des Dachgeschosses bleiben als Speicher erhalten, dort kann etwa die Bezirksverwaltung ihre Akten lagern. SPD und CDU in der Fischelner Bezirksvertretung haben zum Rathaus jeweils einen zusätzlichen Antrag eingebracht. Die Sozialdemokraten möchten die Verwaltung beauftragen, weitere Fördermöglichkeiten für den barrierefreien Umbau auszuloten. Dafür kommt das Bund-Länder-Investitionspaket „Soziale Integration im Quartier“ in Betracht.

Die Christdemokraten wollen eine grün-weiße Fischeln-Fahne anschaffen. Sie soll gleichberechtigt neben der Krefelder Fahne im Ratssaal hängen. Die CDU begründet ihren Antrag unter anderem damit, dass die Fahne die Pläne für den neuen Ratssaal gut ergänze, wenn dieser als Trausaal hergerichtet wird und neue Möbel erhält. Außerdem würde der Beschluss gut zum 90. Jahrestag der Eingemeindung passen.