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Übergang vom Frauenhaus in die eigene Wohnung

Frauenhaus : Selbstständigkeit in Wohnung üben

Frauenhaus sucht Immobilie für ihr neues Projekt „Second-Stage“. Dadurch kann mehr Frauen geholfen werden.

Wenn von physischer oder emotionaler Gewalt betroffene Frauen mit ihren Kindern im Krefelder Frauenhaus Zuflucht suchen, sind sie oftmals stark traumatisiert. Sie brauchen erst einmal ein paar Wochen, um zur Ruhe zu kommen. Für eine gewissen Zeit werden sie von den pädagogischen Fachkräften intensiv betreut und begleitet. „Dabei geht es nicht nur um die wichtige psychosoziale Hilfe, sondern auch um konkrete Hilfe zur Selbsthilfe: Anmeldung in der neuen Stadt, Eröffnung eines eigenen Kontos und – wenn sie stabilisiert sind – um die schwierige Suche nach bezahlbarem Wohnraum“, erzählt Tanja Himer. Doch das ist inzwischen wegen des leergefegten Wohnungsmarktes ein ernsthaftes Problem. Das neue „Second-Stage-Projekt“ des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) will Abhilfe schaffen.

In den Niederlanden ist das Projekt schon erprobt

Das Konzept stammt aus den Niederlanden. Als Pilotprojekt hat es sich dort bewährt. Übersetzt heißt der Name soviel wie „die zweite Etappe“ auf dem Ziel zu einem eigenständigen Leben in Frieden. Der SkF sucht dazu derzeit eine drei bis vier Zimmer große Wohnung zur Miete in der Nähe des Frauenhauses für drei Frauen mit Kindern oder vier Frauen ohne Kinder. „Eine Meldeadresse in einer ausgelagerten Wohnung des Frauenhauses ermöglicht den Frauen die Anmeldung in einem Kindergarten in Krefeld und den Migrantinnen die Anmeldung zum Sprachkurs, was sonst frühestens mit Anmeldung in einer eigenen Wohnung möglich wäre“, sagt Tanja Himer.

Diese Frauen-Wohngemeinschaft bietet einen langsamen Übergang in die Selbständigkeit. „Viele Frauen sind vorher sehr abhängig von ihrem Partner und der gemeinsamen Wohnung gewesen, sie müssen das erst für sich wieder lernen“, schildert Himer.

Die 29-jährige Sabine W. (Name der Redaktion bekannt) ist eine solche Frau. Mit ihren drei Kindern im Alter von ein bis sechs Jahren ist sie ins Frauenhaus geflohen. „Trotz großer Bemühungen war es nach einer ersten Phase der Stabilisierung in zwei Monaten nicht gelungen, für sie eine Wohnung zu finden“, erzählt Tanja Himer. Alleinerziehend, mit drei kleinen Kindern und ohne festes Einkommen – da schreckten viele Vermieter zurück. Um andererseits aber die Kinder in Kindergarten und Schule anmelden zu können, bedarf es einer Meldeadresse. Mit Hilfe der Mitarbeiterinnen des Frauenhauses ist es inzwischen gelungen, eine passende Wohnung zu finden.

Durch Wohngemeinschaft mehr Frauen helfen können

Das ist auch für das Team des Frauenhauses wichtig. Denn je schneller ihre Klientinnen in eine neue Bleibe umziehen können, umso schneller wird Platz im Frauenhaus für weitere hilfesuchende Frauen frei. Deren Zahl nimmt laut Tanja Himer seit fünf Jahren auffallend zu, nicht nur in Krefeld. „Wir sind gut vernetzt und bringen teilweise auch Frauen in ganz Nordrhein-Westfalen unter, wenn wir keinen Platz haben oder hier Schutzsuchenden zu ihrer eigenen Sicherheit weiter weg untergebracht werden müssen.“

Die Zuflucht suchenden Frauen werden immer jünger

Auch die Zielgruppe hat sich im Laufe der Jahre verändert. Himer sagt: „Auffällig viele junge Frauen im Alter von 18 bis 25 Jahren suchen inzwischen bei uns Schutz.“ Das Alter reicht aber auch bis 50. Die Herkunft der Frauen ist sehr unterschiedlich: afrikanisch, orientalisch, viele mit deutschem Pass und Migrationshintergrund, aber auch deutsche Frauen. Allerdings immer seltener. „Die haben andere Hilfsmöglichkeiten, die sie selber aufsuchen können“, sagt Himer. Die Verständigung werde deshalb immer komplexer, „gesprochen“ wird mit Händen und Füßen. „Wir haben einen kleinen Dolmetscherpool aus Ehrenamtlichen. Auch die Frauen untereinander helfen sich untereinander“, sagt Himer und ist froh über diese wichtige Unterstützung.

Doch nicht nur die Zahl hat zugenommen, auch die Probleme der Frauen seien komplexer geworden. „Zu uns kommen vermehrt Frauen nach häuslicher Gewalt, die Schulden oder Erziehungsprobleme, asylrechtliche Fragestellungen oder Krankheitsbilder haben.“

Um all diese Frauen zu stabilisieren, ist die Frauen-Wohngemeinschaft ein wichtiger Schritt. Mögliche Vermieter können sich an Tanja Himer vom Sozialdienst katholischer Frauen wenden unter Telefon 02151 63370.