Polizei-Aktion: Tipps gegen Taschendiebstahl

Polizei-Aktion: Tipps gegen Taschendiebstahl

In einer landesweiten Aktionswoche sensibilisieren die Polizeibehörden Passanten. Am Mittwoch sind die Beamten am Neumarkt.

Krefeld. 732 Taschendiebstähle im Jahr 2014, im vergangenen Jahr waren es 588, und eine Bilanz in dieser Größenordnung erwartet die Krefelder Polizei auch für 2016. Es sind nicht alarmierend viele Fälle, doch eine andere Zahl macht klar, warum die Behörden in dieser Woche landesweit die Aktion „Augen auf und Tasche zu!“ starten. Die Aufklärungsquote, sagt Karin Kretzer, Polizeipressesprecherin in Krefeld, liege bei ein bis zwei Prozent.

Polizisten in Uniform sprechen die Passanten am Montag auf dem Neumarkt gezielt an: wenn sie Handtasche oder Rucksack auf dem Rücken tragen, Geldbörsen offen im Rollatorkorb oder im Kinderwagen liegen lassen oder sich ablenken lassen.

Viele sind dankbar für den Anstoß. „Ich finde die Aktion toll“, sagt Tanja Angerstein. Sie selbst macht es Dieben grundsätzlich nicht leicht. „Ich trage meine Tasche immer vor dem Bauch und achte darauf, dass der Reißverschluss nach vorne zeigt.“ Das rät der Bezirksbeamte Andreas Lischke am Montag. „Menschen jeden Alters. Sie sind dankbar für unsere Hinweise“, sagt Lischke, der mit acht Kollegen am Neumarkt ist.

Oft bemerken die Opfer erst mit großer Zeitverzögerung, dass sie bestohlen worden sind. „Wenn sie nach Hause kommen und Portemonnaie oder Handy vermissen“, erläutert Kretzer. Erst im Nachhinein fällt den Betroffenen dann ein, dass sie an einer Bushaltestelle angerempelt wurden, auf der Rolltreppe einen Stoß in den Rücken bekamen oder eng gedrängt in einer Schlange vor der Eisdiele standen. Es sind Situationen wie diese, die die Diebe nutzen. „Handtaschendiebe“, sagt Jutta Möhring vom Kriminalkommissariat Prävention und Opferschutz, „brauchen Körperkontakt.“ Mit Drängel- und Rempeltricks sorgen die Profis für Verwirrung, greifen Portemonnaies und Handys aus Hand- und Hosentaschen und geben sie sofort an einen Komplizen. Nicht selten ist ein Dritter eingebunden, der das Diebesgut weitertransportiert.

„Gut organisierte Banden reisen an, schlagen zu und reisen direkt weiter“, erläutert Möhrings Kollege Robert Lax. Auch das mache die Aufklärung schwierig. „Wir haben keinen Ansatzpunkt.“

In Discos und Kneipen führt das „Antanzen“ oft zum Erfolg. Ein Griff in die hintere Hosentasche — und der erfolgreiche Dieb tanzt wieder von dannen. „Manche bekleckern Fremde und bemühen sich übereifrig, den Schaden wiedergutzumachen, andere lenken die Aufmerksamkeit der Opfer mit Klemmbrettern oder Stadtplänen ab“, sagt Julia Möhring.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Ansgar Heveling, der sich am Montag vor Ort umschaute, machte alles richtig: Geld und Papiere trage er in verschlossenen Innentaschen und an verschiedenen Stellen. „Ideal“, lobten die Opferschützer.