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Architektur: Theaterplatz und Seidenweberhaus: Stadt soll ihr Gesicht nicht verlieren

Architektur : Theaterplatz und Seidenweberhaus: Stadt soll ihr Gesicht nicht verlieren

Carolin Krebber stellt im Rathaus ihre Ideen für Theaterplatz und Seidenweberhaus vor.

Krefeld. Beim Thema Seidenweberhaus und Theaterplatz ist von einer Sommerpause in diesem Jahr nichts zu spüren. Nachdem der mögliche Investor Gerald Wagener seinen Hut in den Ring geworfen hat und den Neubau einer Veranstaltungshalle mit Hotel anbietet — ohne Wettbewerb und europaweite Ausschreibung — hat am Montag die junge Architektin Carolin Krebber ihren Vorschlagsentwurf für die Umgestaltung des Theaterplatzes der Stadt vorgestellt. Dazu war sie bei Planungsamtsleiter Norbert Hudde zwei Stunden zu Gast.

Die Verwaltung prüft derzeit laut eines Ratsbeschlusses vom vergangenen Dezember und der Vorschläge des Bürgerbeteiligungsverfahrens die Vor- und Nachteile sowie Kosten für folgende Varianten: Abbruch Seidenweberhaus (SWH) und Neubau auf dem Theaterplatz, Abbruch SWH und Neubau einer Veranstaltungshalle im Mies-van-der-Rohe-Business-Park oder alternativ am Willy-Brandt-Platz sowie Erhalt und Sanierung des SWH und der Tiefgarage.

„Ich selber habe keinerlei Ambitionen, einen Auftrag zu bekommen“, sagt die 26-jährige Krefelderin. Als Mitarbeiterin des renommierten Münchener Architektenbüros Allmann Sattler Wappner habe es sie vielmehr gereizt, für ihre Master-Abschlussprojektarbeit eine Entwurfsplanung für den Theaterplatz samt Seidenweberhaus zu erarbeiten.

„Während ein Investor zahlenbasiert arbeitet, gehe ich städteplanerisch ran“, sagt sie selbstbewusst. Ihr Blick gilt der Entwicklung der Innenstadt. „In vielen Punkten sind wir gleicher Meinung“, fasst Carolin Krebber das Gespräch mit den Vertretern des Planungsamtes zusammen. „Eigentlich müsste man mit einer Verkehrsneuplanung anfangen und die Verkehrsführung über St.-Anton-Straße wie auch die Straßenbahnführung neu überdenken.“

Da das alte Hauptpostgebäude auf dem Ostwall nicht mehr von der Deutschen Post genutzt wird, böten sich neue Möglichkeiten der Verkehrsführung. In ihrer Masterarbeit lenkt Carolin Krebber den Verkehr über Nordwall und Ostwall in die City. „Die Einfahrt in die Stadt soll mit einem verkehrsberuhigten Teilstück der St.-Anton-Straße ja nicht verwehrt werden, sondern nur die Durchfahrt.“

Bislang durchschneide die St.-Anton-Straße den nördlichen Teil der Innenstadt von dem restlichen. Das möchte sie aufheben. Für das Seidenweberhaus schwebt ihr eine Nutzung als Standort für Hochschule, Kreative, Künstler und Stadtmarketing vor.

Am 12. September wird Carolin Krebber ihre Ideen für den Theaterplatz den Fraktionen CDU und SPD und anschließend den Bürgern in einer öffentlichen Veranstaltung in der Volkshochschule vorstellen. Dabei bekommt sie in Krefeld tatkräftige Unterstützung von ihrem Chef Amandus Sattler. „Die Städte verlieren zusehends ihr Gesicht. Die Folge ist identitätslose Architektur, weil Investoren das Bauwesen für sich entdeckt haben“, zitiert sie Sattler. Die Folge sei die Box-Bauweise, weil sie preisgünstiger sei durch billigere Materialien und einfache, glatte Fassaden.

Damit Städte auch künftig weiter qualitätsvoll bauen können, seien städtebauliche Wettbewerbe vonnöten, wie das Deutsche Gesetz sie auch vorsieht.