Temposchwellen spalten Krefelder

Temposchwellen spalten Krefelder

Vor 30 Jahren sind die „Krefelder Kissen“ in der Stadt zum ersten Mal erprobt worden. Der Bau ging über die Jahre langsam zurück, doch an einigen Stellen gibt es sie immer noch.

Stadtteile. Kissen, das klingt nach sanftem Schlaf auf weichem Untergrund. Bei den Krefelder Kissen ist das anders: Die wecken diejenigen auf, die am Lenkrad vor sich hinträumen und zu schnell unterwegs sind — von Rasern mal ganz abgesehen. Vor 30 Jahren erstmals in Krefeld im Rahmen eines Versuchsprojekts erprobt, haben die Bremsschwellen es in viele deutsche Städte geschafft.

In der Stadt Ratingen gibt es die „Tempo-Kontrolleure“ zum Beispiel oder, etwas abgewandelt, in Osnabrück. Sogar in einem Omnibus-Simulator-Spiel in einer fiktiven Stadt sind sie zu finden.

Reale Exemplare wurden in Krefeld laut Aussage der Stadt zwischen Ende 1999 bis 2012 als Verkehrsberuhigung in Tempo-30-Zonen 155-fach installiert — damals mit 80 Prozent Fördergeldern des Landes. Seitdem ging der Bau laut Stadt „aufgrund der angespannten Haushaltslage stark zurück“. Die in den vergangenen sechs Jahren entstandenen 25 Krefelder Kissen wurden komplett durch Eigenmittel finanziert.

Aber ganz vorbei ist es mit dem vor 30 Jahren noch hochinnovativen Konstrukt nicht: Die jüngsten errichteten „Hubbel“ befinden sich seit Anfang 2018 auf dem Reitweg in Traar. Vorher hatte es Verkehrszählungen, Geschwindigkeitsmessungen und den politischen Beschluss der zuständigen Bezirksvertretung Ost gegeben. Die Kissen bestehen aus einem Kranz von Rampensteinen, ausgefüllt mit Asphalt. „Nur bei besonderen Gefahrenstellen, Unfallschwerpunkten und an sicherheitsrelevanten Bereichen werden noch Krefelder Kissen eingebaut“, sagt Stadtpressesprecher Dirk Senger. „Dafür stehen dem Fachbereich Tiefbau nur begrenzt Haushaltsmittel zur Verfügung.“ Die Anträge aus den Bezirksvertretungen mit dem Wunsch nach solchen Maßnahmen seien „stark zurückgegangen“.

Aus Sicht der Stadt sind die Krefelder Kissen ein Erfolg gewesen. „Die Resonanz war nach dem Einbau immer positiv. Das Geschwindigkeitsniveau wurde dadurch in den Tempo-30-Zonen deutlich gesenkt und die Anzahl der Verkehrsunfälle nahm ab“, so Senger. Da, wo sich solche Unfälle mit Kindern ereigneten, wurden zusätzlich noch Krefelder Kissen eingebaut — in Abstimmung mit dem Arbeitskreis Verkehrssicherheit für Kinder mit der Polizei und dem Ordnungsamt.

„Die Kissen haben sich bewährt“, sagt Polizeisprecherin Karin Kretzer. „Wir begrüßen grundsätzlich alles, was das Temponiveau senkt, das ist legitim und gut.“

Aber es gibt auch kritische Stimmen — zum Beispiel vom Bürgerverein Inrath, wo man die Erhebungen unter anderem an der Inrather Straße nach dem ehemaligen Krefelder SPD-Ratsherrn und Initiator, Professor Dieter Fischer, auch „Fischerschwellen“ nennt. Kritische Stimmen aus dem Bürgerverein gibt es so lange wie die Idee des Runterbremsens durch die Kissen.

„Am Inrath dürfte man dort, wo sie sind, eigentlich 30 Stundenkilometer fahren. Aber wenn man das täte, dann hätte man einen Schaden am Auto“, sagt Rolf Hirschegger, Vorsitzender des Bürgervereins Inrath. „Wenn man etwas Temporeduzierendes macht, dann doch so, dass es auf 30 reduziert und nicht auf Schritttempo“, lautet seine Einschätzung. Auch der Erste Vorsitzende der Krefelder-Kreis Viersener Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC), Andreas Domanski, sieht mancherorts Einschränkungen für Radfahrer. „Es ist wichtig, dass Radfahrende die Kissen beziehungsweise Aufpflasterungen in 30er-Zonen mit einer angemessenen Geschwindigkeit von 15/20 Stundenkilometern gut passieren können. Aber manche Krefelder Kissen, die Ende der 80er-Jahre eingebaut wurden, erfüllen diese Anforderungen nur teilweise“, sagt Domanski auch im Namen der Initiative „Fahr Rad! Aktionskreis Krefeld“.

Der in Krefeld gewählte Rampenwinkel sei „relativ steil und an vielen Kissen kann man mit dem Rad nicht seitlich vorbeifahren, weil der Bereich durch parkende Kraftfahrzeuge blockiert wird“, so Domanski. Beispiele gebe es an der Gerberstraße, Reinartzstraße, Lerchenfeldstraße und am Vom-Bruck-Platz. Auch bei der Aufpflasterung ganzer Kreuzungsbereiche wie zum Beispiel auf der Inrather Straße sei die Neigung gleich steil und dadurch „wenig fahrradfreundlich“.

Problematisch sei das Verhalten von Autofahrern, die die Kissen zum Beispiel auf der Gerberstraße versuchten, „einhüftig“ zu befahren und dafür den Gegenrichtungs-Radstreifen nutzten, sagt Domanski. Grundsätzlich kämen die Kissen den Radfahrern und Fußgängern zugute. In ungünstigen Konstellationen könnten jedoch Sicherheitsprobleme entstehen.

Mehr von Westdeutsche Zeitung