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Telefonseelsorge in Krefeld: Lösungen finden für Ängste und Sorgen

Telefonseelsorge in Krefeld : Lösungen finden für Ängste, Sorgen oder Probleme

Immer mehr Menschen melden sich bei der Telefonseelsorge in Krefeld, weil sie einsam sind oder depressiv. Wer diese Anrufer betreuen möchte, muss dafür einiges mitbringen.

Ein Gespräch kann helfen, Lösungen für Ängste, Sorgen oder Probleme zu finden, wenn man alleine nicht mehr weiter weiß. Die Krefelder Telefonseelsorge bietet seit mehr als 50 Jahren ihre Dienste für Menschen an, die in Not sind und das Bedürfnis haben, sich jemandem anzuvertrauen.

„Wir beobachten vornehmlich durch Corona verschärfte Themen wie Einsamkeit, Depressionen oder Panikstörungen“, erzählt Andrea Arndt, Diplom-Sozialpädagogin und Leiterin der Telefonseelsorge. „Allerdings waren diese dann meist schon vorher latent vorhanden und haben sich durch Corona verstärkt.“ Vermehrt seien momentan auch Streitereien mit dem Partner oder in der Familie Inhalt der Gespräche. Denn gerade in den vergangenen Monaten haben Menschen oft mehr Zeit miteinander verbracht als zuvor, was zu Konflikten führen kann.

Die verbreitete Meinung, dass sich nur einsame Personen an die Telefonseelsorge wenden, stimmt daher nicht. „Unsere Anrufer haben oft durchaus ein soziales Umfeld, jedoch möchten sie das, was sie zu sagen haben, niemandem erzählen, den sie persönlich kennen.“ Die Wahrung der Anonymität ist einer der Grundsätze der Telefonseelsorge. Kein Anrufer muss seinen Namen nennen. Außerdem unterliegen die Mitarbeiter der Schweigepflicht. „Ein fremder Gesprächspartner ist manchmal hilfreicher als jemand, den man persönlich kennt“, weiß Andrea Arndt.

Bei der Telefonseelsorge sind  zurzeit  54 aktive ehrenamtliche Berater im Einsatz. Um ein Gesprächsangebot 24 Stunden am Tag und an 365 Tagen im Jahr gewährleisten zu können, bildet die Telefonseelsorge jedes Jahr weitere Ehrenamtliche aus. „Es gibt immer wieder Mitarbeiter, die aus persönlichen Gründen irgendwann aufhören“, erzählt die Leiterin. „Aus beruflichen oder altersbedingten Gründen, oder weil sich die Lebensumstände geändert haben. Deshalb suchen wir dringend neue Ehrenamtliche.“

Zu Beginn des nächsten Jahres findet ein neuer Ausbildungskurs statt. Interessierte können sich bis zum 10. November bewerben. Bei einem Auswahltag, an dem sie auf haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter treffen, erhalten sie erste Informationen über die Ausbildung und die Tätigkeit. Die Ausbildung erfolgt über zwei Jahre und besteht aus einem theoretischen und einem praktischen Teil.

Bestandteile der theoretischen Phase sind die Biographiearbeit, Methoden der Gesprächsführung und sachbezogene Themenkomplexe über Tod und Trauer, Suizid und psychische Erkrankungen. „Bei der Biographiearbeit wird der eigene Lebensweg angeschaut“, erklärt Andrea Arndt. „Es ist wichtig für die Arbeit am Telefon, wenn die Berater selber schon Krisen durchlaufen haben.“ Die Reflexion der eigenen Person spielt bei der Ausbildung eine große Rolle. Fragen nach eigenen Erfahrungen, dem Umgang mit ihnen und der Fähigkeit sie zu bewältigen sind zentrale Themen des Kurses.

Einfühlsamer Umgang
mit Anrufern will gelernt sein

Die Teilnehmer lernen den richtigen und einfühlsamen Umgang mit Anrufern und Gesprächsthemen. Die Inhalte der Module werden einmal im Monat an einem Wochenendtag vermittelt und finden ganztägig in Krefeld statt. Zusätzlich gibt es zwei Seminarwochenenden in einem Tagungshaus.

Das zweite Ausbildungsjahr gliedert sich in eine Hospitanz- und eine Praktikumsphase, in der die Auszubildenden zunächst bei Gesprächen dabei sind und zuhören und später erste eigene Gespräche mit Unterstützung ihrer Mentoren führen. Wer an der Arbeit als Telefonseelsorger interessiert ist, muss einige Voraussetzungen erfüllen. „Man muss sehr gut zuhören können“, so Andrea Arndt. „Und man sollte schon eigene Krisen erlebt haben und psychisch stabil sein. Denn die Themen am Telefon sind so vielfältig, wie es die Menschen sind.“ Wichtig seinen außerdem eine solide Grundhaltung sowie eine gewisse Toleranz. Nach der Ausbildung verpflichten sich die Ehrenamtlichen zu 15 Stunden Telefondienst im Monat und zu vier Nachtdiensten im Jahr. Hinzu kommen Supervisionen, bei denen die geführten Gespräche noch einmal reflektiert werden. Außerdem werden Fortbildungen angeboten, bei denen die Berater neue Kenntnisse erlangen. „Unser Anliegen ist es, dass sich die Ehrenamtlichen gut vorbereitet und gut ausgebildet fühlen“, so Andrea Arndt.