Tausende Bäume in Krefeld sind bedroht

Dürre : Tausende Bäume in Krefeld sind bedroht

Überall in Krefeld werden Dürre-Folgen sichtbar. Allein im Kaiser-Friedrich-Hain sind drei große Exemplare abgestorben.

Die Bäume im Kaiser-Friedrich-Hain und den anderen Parks in Krefeld leiden unter der anhaltenden Dürreperiode ebenso wie die Straßen- und Waldbäume. Trotz der vereinzelten Regenfälle in den letzten Wochen, haben die vergangenen beiden Sommer Krefelds Bäumen stark zugesetzt. „Überall im Stadtbild ist derzeit zu sehen, dass auch die Altbäume nach der langen Trockenheit an ihre Grenzen kommen“, sagt Stadtsprecherin Angelika Peters. Etliche Bäume sterben ab oder sind schon tot, Tausende sind bedroht. Wie die Stadt mit ihrem grünen Erbe umgeht, was sie tut, um ihre Bäume zu erhalten und ob das ausreicht, hat unsere Zeitung bei Verwaltung und Kommunalbetrieb erfragt.

Krefelds grünes Erbe

Außerhalb der Krefelder Wälder stehen im Stadtgebiet knapp 75 000 Bäume, das grüne Erbe einer einst sehr wohlhabenden Stadt. Zahlreiche Kastanien, Linden, Buchen und Platanen sind in den vergangenen 120 Jahren zu stattlichen Exemplaren und vielerorts zu Alleen herangewachsen. Legt man bei jedem Baum einen fiskalischen Wert von 1500 Euro zugrunde (unabhängig von Alter, Größe und Umfang) kommt unter dem Strich eine Summe von 112,5 Millionen Euro heraus. „Alleine schon von ihrer Menge her können alle diese Bäume nicht bewässert werden“, sagt Angelika Peters. Deshalb bitte der Kommunalbetrieb gerade in extremen Hitzeperioden für Straßenbäume immer wieder um private Wasserspenden.

Folgen der Dürreperiode

Anfang September ist ein großer Ast einer alten Eiche im Kaiser-Friedrich-Hain in Folge der anhaltenden Trockenheit abgebrochen und zu Boden gestürzt. Zu Schaden gekommen ist erfreulicherweise niemand. Drei weitere große Bäume, darunter eine Buche, sind laut Fachverwaltung in diesem Sommer alleine hier abgestorben. Noch vor fünf Jahren war die Parkanlage zwischen Steckendorfer- und Philadelphiastraße für 465 000 Euro grundsaniert worden, 80 Prozent davon mit Fördermitteln aus dem Programm Stadtumbau West. „Auch mit tief reichenden Pfahlwurzeln erreichen die Bäume oft nicht mehr das Grundwasser, Flachwurzler sind noch stärker betroffen“, erklärt Angelika Peters das wachsende Problem. In Folge werfen Bäume große Mengen Laub ab und in den Kronen vertrocknen die Äste. Einerseits schützten sich auf diese Weise die Bäume, andererseits seien sie durch ungewohnt hohe Temperaturen und die Dürre geschwächt und damit angreifbar für tierische und bakterielle Schädlinge.

Baumkontrolleure sind unterwegs

Das ganze Ausmaß der Dürreschäden wird erst in den nächsten Monaten erkennbar werden. Im Rahmen der regelmäßigen Baumkontrollen würden die Trockenschäden an den Bäumen derzeit ermittelt. „Aktuell werden nur akute Schäden behoben beziehungsweise abgearbeitet“, sagt Angelika Peters. Sobald eine Gesamtübersicht vorliegt, werden entsprechende Pflegemaßnahmen wie auch die notwendigen Fällungen gezielt vom Kommunalbetrieb vorgenommen oder an Fremdunternehmen vergeben.

Was akut getan wird

Jungbäume, Gehölze und Stauden stehen laut des Kommunalbetriebs vor noch weitaus größeren Problemen als die Bäume. Unter ihren Kronen bleibe fast kein Wasser übrig für nicht so tief wurzelnde Stauden und Gehölze. Es geben im Kaiser-Friedrich-Hain laut der zuständigen Mitarbeiter immer mehr Azaleen auf.

Vor allem die nachgepflanzten Jungbäume benötigen besonders viel Wasser. Die Exemplare aus den letzten vier Jahren werden laut Kommunalbetrieb regelmäßig alle zwei Wochen mit jeweils circa 200 Liter Wasser versorgt. Einige Bäume an anderer Stelle wurden, je nach der aktuellen Situation, mit Wassersäcken bestückt, die im Turnus von zwei Wochen befüllt werden. Dennoch sind aufmerksamen Beobachtern viele Säcke im Stadtgebiet aufgefallen, die in der heißen August-Phase über Wochen leer geblieben sind. Zusätzliches, benötigtes Equipment und weitere Mitarbeiter fehlen in Krefeld. „Aufträge zur Bewässerung werden deshalb auch an Fremdunternehmen erteilt“, erklärt der Kommunalbetrieb. Zehn zusätzliche Wässerungsdurchgänge seien für die Urlaubszeit beauftragt worden, die restlichen vier erfolgen noch. Peters: „Krefeld soll auch weiterhin als Grüne Stadt wahrgenommen werden.“

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