Suche nach Verfasser von „Hitler-Brief“ eingestellt

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Ein gefälschter Abschiebebescheid hatte eine syrische Flüchtlingsfamilie in Angst und Schrecken versetzt.

Dieses Schriftstück hatte der Familie von Yassir Khalil (Name von der Redaktion geändert) schlaflose Nächte bereitet. Im November des vergangenen Jahres findet der syrische Familienvater in seinem Briefkasten einen Abschiebebescheid. „Ich habe gedacht, wir müssen zurück nach Syrien“, sagt er unserer Zeitung. Zurück in sein zerstörtes Heimatland. Zurück in die zerbombte Stadt Rakka.

Familie Khalil wird aufgefordert, Deutschland zu verlassen Der Asylantrag der Familie soll abgelehnt worden sein, heißt es in dem Brief. Die Khalils werden aufgefordert, Deutschland bis zum 12. Januar 2018 zu verlassen. Ansonsten drohe ihnen Abschiebehaft. Der angebliche Absender: das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge mit Sitz der Außenstelle in Düsseldorf. In seiner Verzweiflung wendet sich Khalil an einen Flüchtlingsbetreuer, dem das Schreiben sofort komisch vorkommt. Um sicherzugehen, dass seine Vermutung stimmt, lässt er das Schreiben von Angelika Poddig überprüfen. Die Mitarbeiterin von Flüchtlingskoordinator Hansgeorg Rehbein kann kaum glauben, was sie liest. „So etwas habe ich noch nie erlebt. Die Fälschung ist offensichtlich“, sagt sie. Der Brief ist dazu noch unterschrieben mit A. Reltih — der Nachname rückwärts gelesen heißt Hitler.

Die Unterschrift macht den Khalils damals enorme Angst. „Ich weiß nicht, wer so etwas tut“, sagt Yassir Khalil, der Angst um seine Familie hat. „Wir schließen nachts jetzt die Türen ab, schlafen alle in einem Raum. Ich lasse meine Kinder nicht mehr unbeaufsichtigt nach draußen“, erklärt der besorgte Familienvater. „Ich habe Angst, dass ihnen irgendwelche Leute etwas antun.“

Der Staatsschutz nimmt im November die Ermittlungen auf und stellt insgesamt drei Schreiben, die im November im Briefkasten der Familie Khalil lagen, sicher. In anderen Briefen wurde die Familie als „Kanackenpack“ bezeichnet und aufgefordert: „Haut ab!“.

Ermittelt wurde von den Beamten wegen des Verdachts der Volksverhetzung, Beleidigung und Urkundenfälschung. Die Suche nach dem anonymen Verfasser blieb aber erfolglos. Oberstaatsanwalt Axel Stahl sagt: „Die Ermittlungen wurden eingestellt, weil der Urheber nicht auszumachen ist.“

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