Sturm bringt Halle zum Beben

Sturm bringt Halle zum Beben

Fans und prominente Gäste sorgten im König-Palast für tolle Stimmung.

Krefeld. Dieser Abend hat alles, was ein Drama ausmacht: Prominente Darsteller, erstklassige Musik und jede Menge Spannung. Der König-Palast befindet sich im Ausnahmezustand. Es fegt wahrhaft der Sturm durch die Halle: Scharfe Pfiffe folgen auf donnernden Jubel. Ein Blitzlichtgewitter geht los, als der Titelverteidiger die Halle betritt. Krefeld rastet komplett aus — der Boxkampf kann beginnen.

Foto: Strücken,Lothar

Vergleichsweise ruhig fängt der Samstagabend hingegen an: Bei Einlass um 17.30 Uhr trauen sich nur wenige Menschen in die Halle. Als um 18 Uhr die Veranstaltung mit dem ersten Boxkampf anfängt, schauen nur vereinzelte Interessierte zu. Dementsprechend ist die Temperatur in der noch leeren Halle — eher kühl. Von einem glamourösen Box-Abend ist noch nichts zu merken.

Foto: Strücken,Lothar

Im Foyer wartet Christian Follmer auf seinen Vater: „Ich habe meinen Vater mit den Karten überrascht, es ist unser erster Live-Kampf“, sagt er. Dann trifft der 80-Jährige gut gelaunt ein: „Ich habe den Boxsport in Krefeld schon immer verfolgt, früher wurde noch für 50 Pfennig in der Königsburg geboxt“, erzählt Manfred Follmer. Vater und Sohn freuen sich schon auf den bevorstehenden Kampf, fast 70 Euro hat Christian für eine Karte bezahlt: „Aber dafür haben wir gute Plätze, relativ weit vorne.“

Im Laufe des Abends füllt sich der König-Palast stetig. Die mehr als 8000 Besucher haben sich dem Anlass entsprechend schick gemacht: Fast ausnahmslos tragen die Damen hohe Schuhe, dazu elegante Kleider oder Hosen mit Blazer. Bei den Herren dominieren Hemden mit Sakko. Schnell werden noch Getränke geholt, bevor es auf den Platz geht. Im VIP-Eingang werden die zahlungskräftigen Besucher mit Klaviermusik und Sekt begrüßt.

Die Moderatoren Matthias Killing und Andrea Kaiser stehen schon für die Kameraeinstellungen probe. Als kurz vor 22 Uhr das Promipaar Geiß die Halle betritt, geht das Blitzlichtgewitter los: Jeder möchte ein Foto von dem Kult-Paar. „Wir sind sehr gut befreundet mit Felix Sturm und sind froh, ihn hier unterstützen zu können. Wir hoffen auf einen Sieg“ , sagt Carmen Geiß. Das Paar bringt definitiv Glanz in diese Veranstaltung.

Aber auch Promis wie Lily Becker, NHL-Eishockeystar Christian Ehrhoff, „Got to Dance“-Jurorin Nikita Thomson, Kickboxweltmeisterin Julia Irmen, Daniel Pietta von den Krefeld Pinguinen und Geschäftsmann Gerald Wagener sind hochkarätige Gäste am Ring.

Endlich ist es dann soweit: Das Fernsehen wird live zugeschaltet und genau das ist das Stichwort, worauf das bisher eher müde Krefelder Publikum gewartet hat. Tosender Applaus beherrscht den König-Palast. „Ich glaube natürlich an Felix“, sagt Stargast Mario Basler in die Kamera. Mando Diao präsentieren ihre neue Single „Black Saturday“ und heizen dem Publikum gehörig ein.

Dann kommt eine Werbepause und in der Halle herrscht Stille: Kein Programmpunkt, nur ein langatmiges Warten auf den Hauptkampf — die Ruhe von dem Sturm sozusagen.

Hunderte Scheinwerfer beleuchten den Eingang, unter lauten Pfiffen und Buh-Rufen tänzelt dann Soliman mit breitem Grinsen im Gesicht zum Ring.

Jetzt ist Sturm dran. Kaugummikauend betritt er den Ring, Krefeld rastet völlig aus. Die gesamte Halle steht hinter dem Titelverteidiger. Besonders viele Landsmänner sind für den Boxer mit bosnischen Wurzeln gekommen: Der Kampf wird begleitet von bosnischen Fangesängen. Vor allem Frauen fiebern bei diesem Kampf mit: „Udri ga!“ („Schlag ihn“) schreit Emina Sirco. Sie kann sich kaum auf ihrem Platz halten: „Ich komme auch aus Bosnien und will natürlich, dass Felix gewinnt. Am liebsten würde ich auch in den Ring steigen“, sagt die 34-Jährige, während sie die bosnische Fahne schwenkt.

Dementsprechend groß ist die Enttäuschung, als nach zwölf Runden das Ergebnis verkündet wird. Fassungslos strömen die Menschen aus dem König-Palast. Auf dem Heimweg wird diskutiert: „Schade, man möchte live natürlich einen Sieg für Felix sehen, aber es war auf jeden Fall eine gute Veranstaltung“, sagt Steffen Vass aus Duisburg. Die anschließende VIP-Party bietet ein angemessenes Ende für diesen hochkarätigen Krefelder Box-Abend. Der Andrang dort ist groß, allerdings sind die erhoffen VIPs nicht zu sehen.

Mehr von Westdeutsche Zeitung