Studenten haben Ideen für Nutzung von St. Josef

Kirche : Überraschende Ideen für St. Josef

Eine Eishalle, ein Kontaktzentrum oder ein Markt: Gemeinsam mit Studierenden der Hochschule Niederrhein versucht die Gemeinde Papst Johannes XXIII., Nutzungsalternativen für den Kirchenraum zu finden.

„Josef, was geht? Was brauchst du? Eine Markthalle? Ein Kontaktzentrum? Und was siehst du eigentlich, wenn du in deinem Viertel stehst?“ Diese Fragen stellen sich aktuell die Gemeinde St. Josef um Pfarrer Heiner Schmitz sowie Professor Nicolas Beucker vom Fachbereich Design der Hochschule Niederrhein (HS) und zehn seiner Kursteilnehmer. Da die Kirche seit vier Jahren vom Bistum Aachen nicht mehr finanziert wird, suchen die Beteiligten nun Nutzungsalternativen für den riesigen Kirchenraum. Die Alternativen sollen einen tieferen Sinn erfüllen, gleichzeitig aber auch Geld einbringen.

„Überall in Deutschland werden Kirchen geschlossen oder abgerissen. Natürlich hätten wir uns direkt mit einer großen Ausschreibung für Investoren an die Öffentlichkeit wenden können. Doch uns war es wichtig, dass wir erst innerhalb der Gemeinde nach Lösungen und Ansätzen suchen“, erklärt Pfarrer Schmitz die Beweggründe. „Wir wollten überlegen, wie man den großen Raum, an dem viele Menschen hängen, weiterhin gewinnbringend nutzen kann.“ Schließlich gehe es darum, was St. Josef und das Viertel brauchen. Hierzu müssten soziale sowie demografische Strukturen einbezogen werden.

Erst einmal geht es zu Ortsbesichtigungen

Über einen Bekannten entstand der Kontakt zu Beucker, der sich mit dem Thema Quartiersentwicklung bestens auskennt und für die Idee direkt Feuer und Flamme war. Genau wie seine Studenten. Damit die ein besseres Verständnis von St. Josef und seiner Nachbarschaft bekommen, ging es für die zehn jungen Menschen erst einmal zu Ortsbesichtigungen. An zwei Tagen trafen sie sich zudem mit „wichtigen Multiplikatoren“ im Viertel, wie Nicolas Beucker erklärt.

Dabei wurden erste Ideen gesammelt, die während der vergangenen Wochen Gestalt angenommen haben. „Es handelt sich dabei lediglich um Ansätze, die noch nicht spruchreif sind, irgendwann aber auf professioneller Ebene realisiert werden müssen“, sagt er. Darunter finden sich Konzepte für einen Markt der Kulturen, ein Kontaktzentrum für Menschen, die nicht wissen, wo sie hin sollen oder allein sind, einen Kulturbetrieb für Veranstaltungen, die Nutzung als Co-Working-Space für Start-ups und die Entstehung einer Eishalle – denn Krefeld sei ja immerhin eine Eishockey-Stadt. Mit all diesen Ideen, so sind sich die Studierenden sicher, könnten finanzielle Mittel generiert werden.

Kleine Ausstellung
mit den Ergebnissen

Während einer nach dem anderen sein Konzept vorstellt, hören Pfarrer Schmitz und zwei Mitglieder aus der Gemeinde gebannt zu. „Die ganzen Ansätze sind so überraschend vielfältig“, sagt Katharina Lütkebohle, die den Blick von außen spannend findet. „Vor allem die Eishalle hat was. Darauf wäre ich nie gekommen.“ Auch Schmitz ist von den unterschiedlichen Ideen angetan. Und wer weiß, vielleicht entwickle sich um St. Josef auch etwas, das für die Stadt an Bedeutung gewinnen könnte?

„Möglich“, räumt Professor Nicolas Beucker ein. „Aus diesem Projekt werden sich sicher noch viele Diskussionen ergeben.“

Spätestens bis Ende März, wenn die Ergebnisse in einer kleinen Ausstellung in der Kirche gezeigt und zur öffentlichen Diskussion gestellt werden. Bis dahin haben die Studierenden aber noch Zeit, sich Gedanken um Josef zu machen und ihre Konzepte zu überarbeiten.