Vermittlung per Hotline: Streitfrage Facharzttermine

Vermittlung per Hotline: Streitfrage Facharzttermine

Die neue Vermittlung zum richtigen Arzt via Hotline wird kontrovers bewertet.

Krefeld. Gibt es ein Aufatmen bei den Kassenpatienten oder ist die neue Vermittlung doch nicht der Weisheit letzter Schluss? Laut dem neuen Gesetz, genau seit dem 25. Januar dieses Jahres, hat die Termin-Servicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein die Aufgabe, gesetzlich Krankenversicherte bei der Vermittlung eines Facharzttermins zu unterstützen.

Vier Wochen soll es jetzt dauern, bis der Weg frei ist zu Orthopäden oder Kardiologen beispielsweise. Es gibt durchaus kritische Stimmen zum neuen System. Um es zuerst mit Zahlen auszudrücken: „In der ersten Woche nach dem offiziellen Starttermin sind bei der Termin-Servicestelle in Düsseldorf insgesamt 820 Anrufe von Patientinnen und Patienten aus dem Bereich der KV Nordrhein eingegangen“, berichtet Christopher Schneider, stellvertretender Pressesprecher der Vereinigung. „Woher die Anrufer im Einzelnen kamen, können wir noch nicht sagen.“

Die Servicestelle habe in der ersten Einsatzwoche alle Anfragen beantwortet und rund 260 Facharzttermine innerhalb der gesetzlich vorgegebenen Vier-Wochen-Frist vermitteln können, erklärt der Sprecher. Es sei das Ziel gewesen, dass die Servicestelle von Anfang an gut funktioniert, heißt es bei der KV weiter. „Das ändert allerdings nichts daran, dass wir ein solch aufwendiges Verfahren für unangemessen halten.“

Kritik kommt auch von den Ärzten. Dr. Knut Krausbauer, Allgemeinmediziner und stellvertretender Vorsitzender der Kreisstelle Krefeld der Kassenärztlichen Vereinigung Krefeld, sagt: „Es ist völlig illusorisch, dass es klappen wird.“ Der Mediziner nennt ein Beispiel: „Ein Patient kommt mit Herzschmerzen in die Hausarzt-Praxis. Das EKG zeigt, dass die Beschwerden von den Rippen kommen und kein dringender Handlungsbedarf vorliegt. Das sollte der Patient akzeptieren. Trotzdem wird er fordern, dass ein ,A‘, das ,sofort‘ bedeutet, auf die Überweisung geschrieben wird.“ Mit ihr kann der Kranke dann die Servicestelle anrufen.

Krausbauer befürchtet zweierlei: „Zum einen wird der Patient immer einen Arzt finden, der die Dringlichkeit bescheinigt, wenn auch nur um Ruhe zu haben. Zum anderen geht dieser freie Termin dann vielleicht für einen wirklich Kranken, der dringend untersucht werden muss, verloren.“ Denn Krausbauer ist sicher: „Wenn wir Ärzte sehen, dass jemand wirklich dringend an den Facharzt verwiesen werden muss, dann haben wir Kollegen das stets und sofort untereinander geregelt. Diese Patienten mussten nie warten. Anderes zu behaupten ist völlig daneben.“

Dagegen steht die DAK-Gesundheit. Die Krankenkasse pflegt bereits seit einiger Zeit einen telefonischen Arzt-Terminservice. „Im Jahr 2015 nutzten in NRW 4366 Versicherte dieses Angebot. 34 Prozent der Anrufer meldeten sich wegen eines Termins beim Radiologen. In den vergangenen fünf Jahren stieg die Nachfrage beim Terminservice insgesamt um rund 150 Prozent“, heißt es.

95 Prozent der Anrufer bekämen bei ihnen innerhalb von einer Woche Termine. Dass die Servicestelle der KV bei der Vergabe keine Wunschtermine bei ausgewählten Ärztinnen und Ärzten vereinbaren kann, ist so. Hier befürchtet Krausbauer, dass diejenigen Ärzte freie Termine melden, die vielleicht nicht ausgelastet sind.

Schneider ergänzt: „Dass weder ein bestimmter Arzt noch ein passender Termin über ihre Hotline gewünscht werden kann, hat Ernüchterung gezeigt. Eine weite Anfahrt zu einem Arzt, der also nicht in der Region praktiziere, sei zu überlegen. Wir können die Ärzte nicht zwingen, freie Termine zu melden.“ Und zum Abschluss sagt auch er: „Die kollegiale Vermittlung hat immer geklappt.“

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