Streit um Blattlausplage im Rathaus entbrannt

Streit um Blattlausplage im Rathaus entbrannt

Der Hülser Bezirksvorsteher Hans Butzen fordert die Stadt auf, die betroffene Familie mit dem Insektenproblem nicht alleine zu lassen. Fachbereichsleiter schießt zurück.

Hüls. Der eine will helfen, der andere soll Lösungen finden. Aus dem Fall der Blattlaus-Invasion im Garten von Roswitha und Hans-Peter Schmitz ist ein Politikum geworden. Immer noch müssen die Hülser täglich tausende Insekten von ihren Gartenmöbeln fegen, um sich überhaupt in ihrer Ruheoase aufhalten zu können.

Bezirksvorsteher Hans Butzen findet, dass dieser Zustand nicht zumutbar sei und hat sich deshalb in mehreren Schreiben an Helmut Döpcke gewandt, den Leiter des Kommunalbetriebs. „Die physische und auch die psychische Belastung von Herrn und Frau Schmitz ist enorm. Hier muss es eine andere Lösung geben als abzuwarten, bis sich dieser enorme Befall auf natürliche Weise reguliert“, heißt es in seinem Schreiben.

Die Stadt hatte zuvor erklärt, dass „leider auch nach umfangreichen Recherchen kein probates Mittel gefunden werden konnte, dessen Einsatz nicht nur rechtlich zulässig, sondern auch fachlich vertretbar wäre, um dem Blattlausbefall kurzfristig wirksam Herr zu werden“. Demnach müssten die Betroffenen einfach abwarten, bis die Plage vorbei sei.

Butzen ist über das Verhalten des Kommunalbetriebs mächtig verärgert. „Für mich ist es unerklärlich und nicht tolerabel, dass bei einem solch massiven Blattlausbefall der Kommunalbetrieb Krefeld die Familie Schmitz mit diesem riesigen Problem alleine lässt. Wohlbemerkt, es handelt sich um vier Straßenbäume (Robinien/Scheinakazien), die vor Jahren viel zu nah an die Grundstücksgrenze der Familie Schmitz gepflanzt wurden und deren Kronen nun nahezu den ganzen Garten und die seitliche und hintere Front des Hauses bedecken“, kritisiert Butzen.

Die Antwort von Helmut Döpcke lässt nicht lange auf sich warten. Der Leiter des Kommunalbetriebs kritisiert seinerseits, dass Butzen in Gesprächen mit den Betroffenen eine Erwartungshaltung geschaffen hätte, die so nicht zu halten sei, und sagt: „Allen Beteiligten ist doch bewusst, dass nur durch ein radikales Zurückschneiden beziehungsweise vollständiges Entfernen der Bäume das ,Problem’ zu lösen ist.“ Das mediale Echo will sich der Leiter des Kommunalbetriebs gar nicht vorstellen.

Der Bezirksvorsteher kann das Verhalten der Verwaltung nicht nachvollziehen und nennt die Antwort Döpckes „wenig bürgerorientiert. So nach dem Motto: Was schert uns das manifeste Problem der Familie Schmitz; wir halten unsere hausgemachten Regeln ein.“ Butzen verspricht, Wege zu finden, der Familie auf andere Art und Weise zu helfen.

Wie schwierig das werden könnte, zeigt ein Blick nach München. Dort hatten unzählige Blattläuse im Sommer 2013 die Akazien auf dem Viktualienmarkt befallen und damals ebenfalls für eine echte Plage gesorgt. „Die Leute haben die Läuse überall — im Essen, im Trinken, im Haar. Mit Schirmen versuchen wir, zumindest etwas Schutz zu ermöglichen, aber Beschwerden gibt‘s trotzdem“, beschrieb eine Wirtin die Situation.

Die Lösung damals: Die Feuerwehr wurde alarmiert, die kleinen Tierchen einfach abzuspülen. Mit dem hohen Wasserdruck aus den Feuerwehrschläuchen wurden die Unterseiten der Blätter regelrecht abgeduscht, damit sich die Läuse nicht weiter einnisten können. Es scheint geholfen, seitdem ist kein neuer Blattlausbefall am Viktualienmarkt bekannt.

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