Gedenksteine: Stolpersteine am Tag der Befreiung

Gedenksteine : Stolpersteine am Tag der Befreiung

14 weitere Gedenksteine für Verfolgte und Opfer des Hitler-Regimes werden am 8. Mai in Uerdingen, Bockum und am Nordwall verlegt.

Stadtteile. An einem erinnerungschweren Datum steht eine weitere Runde der Verlegung von Stolpersteinen an. Am 8. Mai, dem Tag der Befreiung vom Hitler-Faschismus, wird der Kölner Künstler Gunter Demnig in Uerdingen, in Bockum und am Nordwall weitere 14 Steine verlegen, mit denen an Verfolgte und Opfer des Nazi-Regimes erinnert werden soll.

Am 8. Mai 1945, vor 72 Jahren, kapitulierte die deutsche Wehrmacht bedingungslos vor den Truppen der Anti-Hitler-Koalition. Für die Organisation und inhaltliche Gestaltung rund um die Gedenksteine kümmert sich seit Jahren der 1992 gegründete Verein Villa Merländer, der auch die Arbeit der NS-Dokumentationsstätte unterstützt, die in der Villa an der Friedrich-Ebert-Straße 42 untergebracht ist. Die meisten Lebensgeschichten, die hinter den Steinen stehen, sind auf der Internetseite des Villa Merländer-Vereins nachzulesen.

Neu verlegt werden am 8. Mai vor dem Haus Bahnhofstraße 48 in Uerdingen drei Gedenksteine für die Familie Herz. Anna, Elisabeth und Hermann Herz wurden von den Nazis 1942 deportiert und in den Konzentrationslagern (KZ) Izbica und Teblinka ermordet. Außerdem werden dort Steine für Antonie und Alfred Coppel verlegt, die in Stutthof und Dachau ermordet wurden. Ein weiterer Stolperstein erinnert an Hedwig Herz, der 1939 die Flucht nach England gelang. An der Niederstraße 38 werden künftig zwei Gedenksteine an Hermann und Jeanette Goldschmidt erinnern. Hermann Goldschmidt wurde 1943 im KZ Theresienstadt ermordet, Jeanette Goldschmidt verstarb entrechtet und gedemütigt am 22. Oktober 1939. Vor dem Haus Hohenzollernstraße 79 werden zwei Steine für Hermann und Sophie Müller gelegt. Beide wurden 1943 im KZ Sobibor ermordet.

Vor dem Haus Nummer 46 an der Hohenzollernstraße sind zwei Gedenksteine für Leopold und Rosa Spanier geplant. Beide wurden nach ihrer Flucht vor den Nazis nach Holland im KZ Sobibor 1943 ermordet. Vor dem Haus Nummer 24 wird ein Stolperstein für Ernst Ascher verlegt, der 1944 im KZ Auschwitz ermordet wurde. Den vorläufig letzten Stein setzt Gunter Demnig am Nordwall Nummer 80 für Auguste Hertz, die 1942 im KZ Theresienstadt ermordet wurde. Die Verlegung wird vom Gymnasium Fabritianum begleitet. Am 18. Dezember 2006, am 16. Februar 2007 und am 16. Dezember 2011 wurden die ersten Steine von Demnig installiert.

Am 11. Juni 2015 verlegte der Bildhauer Demnig weitere 20 Stolpersteine an insgesamt fünf Stellen in der Stadt. Damit gab es in Krefeld 84 solcher Gedenksteine für Opfer des Nazi-Terrors. Im Februar 2016 wurden erneut 20 Gedenksteine in Krefeld verlegt. Seit der Niederlage des deutschen Faschismus 1945 wird über das Gedenken an seine Opfer gestritten.

Vor rund 14 Jahren begannen in Krefeld die Diskussionen um die Verlegung von Stolpersteinen. Die Idee, Stolpersteine auch nach Krefeld zu holen, stammt aus der Rheinischen Schule für Körperbehinderte Krefeld (Gerd Jansen-Schule). Eine Klasse beteiligte sich im Herbst 2003 an dem Wettbewerb der Bundeszentrale für Politische Bildung innerhalb des Themenkreises „Spuren des Nationalsozialismus“. Sie beschäftigten sich mit dem Schicksal von Richard und Karl Merländer. Die Schüler schlugen Stolpersteine zur Erinnerung an diese beiden vor. Nach Einwänden des Vorstandes der jüdischen Gemeinde im Sommer 2004 beschloss der Stadtrat überraschend am 3. November 2005 die Ablehnung des Projektes. Darauf bildete sich eine Initiative, die die Möglichkeiten eines Bürgerentscheids ins Spiel brachte.

Diese Initiative wurde im Wesentlichen von Schülern und Lehrern der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule (KTG) getragen. Sie konnten dem Oberbürgermeister in kurzer Zeit rund 14 000 Unterstützer-Unterschriften vorlegen. Weit mehr als für das Bürgerbegehren nötig war. Auf dieser Basis schlossen Initiative und Stadt einen Kompromiss: In Krefeld konnten Stolpersteine nunmehr verlegt werden, wenn die Hauseigentümer sich nicht ausdrücklich dagegen aussprachen und auch nahe Verwandte der Opfer keine Einwände hatten. Der damalige Oberbürgermeister Gregor Kathstede hat in seiner Ansprache zum Holocaust-Gedenktag vor sechs Jahren gemahnt: „Es ist lebenswichtig, Erinnerungen wach zu halten.“

Insgesamt wurden bisher in Krefeld mehr als 100 dieser Gedenksteine gelegt, die an das Schicksal jüdischer Familien, aber auch an politisch Verfolgte wie Sozialdemokraten, Kommunisten, Gewerkschafter und Minderheiten wie Sinti und Roma, Homosexuelle oder geistig oder körperlich Behinderte erinnern.

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