Kommentar: Stoff für schlechte Krimis

Kommentar : Stoff für schlechte Krimis

Der Prüfbericht über den städtischen Umgang mit dem Eros-Center an der Mevissenstraße liest sich wie das Drehbuch eines drittklassigen Krimis in irgendeiner Bananenrepublik aus dem letzten Jahrhundert.

Klar, die Achtziger sind die Zeit mit den lustigen Frisuren und fast schon nicht mehr wahr. Aber eben nur fast. Dieses Husarenstück zwischen Verwaltungsfilz, Stümperei, Obrigkeitshörigkeit und Schmiergeld kleben Stadtverwaltung und Politik bis heute wie ein fester, reifer Pickel auf der Stirn. Bloß nicht drankommen, sonst platzt er.

Es ist ganz offensichtlich die Angst vor Schadenersatzansprüchen, die lähmt. Bereits 1984 warnte der damalige Oberstadtdirektor davor, das Problem des ungenehmigten Etablissements aktiv anzugehen. Aus genau jenem Grund. Andere, wie der besagte ehemalige Kulturdezernent freuten sich über die Großzügigkeit des Bordellbetreibers, der ein kulturbeflissener Mensch zu sein scheint. Dem Bericht zufolge gab es zudem „,mündliche Weisung von oben“, das Bordell hübsch in Ruhe zu lassen. Eine Weisung, die bis heute gilt, und das ist der eigentliche Hammer.

Dabei geht es gar nicht um das Genre. Ob Bordell, Tierhandlung oder Hutladen, das ist völlig egal. Dass sich in Krefeld, das gerade den Umbau in eine moderne, marktorientierte Verwaltung wagt, ein derartiger Zustand über 30 Jahre bis heute zudecken lässt, ist peinlich und ärgerlich zugleich.

Die Staatsanwaltschaft hat es mit verjährten Vorgängen zu tun, niemand wird sich wirklich verantworten müssen. Die heutigen Verantwortlichen der Kufa haben plötzlich Schatten an der Wand, können aber gar nichts dafür. Bedanken dürfen sich alle Betroffenen beim System, diese Bordell-Posse ist eine satte Mannschaftsleistung, die drei CDU- und ein SPD-Bürgermeister sowie etliche Mitwisser getragen haben.

OB Meyer hat jetzt zwar den Ärger. Er ist allerdings der erste Verwaltungschef seit Erfindung dieses Deals, der den Mumm und das Interesse hat, die Karten auf den Tisch zu legen. Dies gestützt von der Politik. Im nächsten Schritt sollte verstärkt in Mitarbeiter zur Korruptionsbekämpfung investiert werden.

Es gibt da nämlich so einen Fall, in dem spendable Kulturfreunde ein Freudenhaus unter den Augen von Generationen als Wohnheim führen dürfen. Möglich, dass Krefeld noch mehr Stoff bietet, aus dem drittklassige Krimis gemacht werden.

Mehr von Westdeutsche Zeitung