Stille Örtchen schweben in den Zoo ein

Stille Örtchen schweben in den Zoo ein

Jahrzehntelang waren die Toiletten eine Qual. Zwei neue Container auf Schraubfundamenten beenden den Notstand.

Krefeld. Auf 53 Meter ist der Arm des Schweri-Autokrans ausgefahren. Am Haken hängt — ein Klo, eines für Behinderte. Besser: Ein Container, verschalt mit Lärchenbrettern und made in St. Tönis. Gut 20 Meter hoch geht es vom Tieflader auf der Violstraße über die Bäume des Zoos auf die vorbereitete Fläche hinter der Bollerwagen-Station. Eine halbe Stunde später wird Container Nummer zwei ebenfalls zentimetergenau auf den Schraubfundamenten abgesetzt. Denn um den jahrzehntelangen Toilettennotstand im Zoo zu beenden, hat Architekt Christian Kraus („Büro für urbanes Gestalten“) auf innovative Technik gesetzt.

Zoo-Sprecherin Petra Schwinn läuft aufgeregt mit der Kamera hin und her, als der Toiletten-Container das Fliegen lernt. Sie wäre sogar mit der Toilette in die Luft gegangen, verrät sie, wenn es denn nicht verboten wäre. Für den 200-Tonnen-Autokran sind die vier Tonnen pro Örtchen ein Klacks.

Mit Spannung verfolgt auch Peter Kloth, Handelsvertreter für modernen Fundamentbau ohne Betonplatten aus Neersen, das Absetzen der Container. „Der Boden hier war problematisch“, sagt er. Deshalb sei ein Bodengutachten erforderlich geworden. Zwei Meter lang sind die Schraubfundamente, die auch in gefrorenem Boden versenkt werden können. „Sogar komplette Gewerbehallen stehen auf diesen Fundamenten“, ist Kloth stolz auf das, was er für die Firma Krinner vertreibt.

Die Toiletten-Container selbst stammen von der Firma Schunk & Co. im Gewerbegebiet am Tempelsweg in St. Tönis. Dort wird freilich vieles mehr als Örtchen angefertigt, mobile Großschaltkästen für die Industrie etwa und andere Räume, die versetzt werden können.

Zoo-Tierarzt und Kurator freuen sich während des Aufbaues über den Toiletten-Standort gleich hinter dem Eingang. Denn nach längerer Anfahrt mit Auto, Bus oder Bahn drängt es viele, vor allem kleine, Zoobesucher erst mal auf die Toilette.

Bislang mussten sie bis in die Nähe des Seelöwenbeckens oder der Schneeleoparden laufen, und ein Vergnügen war das Verweilen auf den alten Toiletten auch nicht. Immerhin sind sie vorletztes Jahr neu gestrichen worden. Die neuen mit Babywickelplatz und Behinderten-Toilette kosten 95 000 Euro und gehören zum Gesamtpaket „Umgestaltung des Eingangsbereichs“, das mit 300 000 Euro veranschlagt ist.

Bei der Planung achtete der Zoo-Architekt auf konsequente Energie- und Wassereinsparung: Die Spülkästen werden mit Brunnenwasser gespeist, die Wärme kommt aus der neuen Gasheizung des Bauernhauses, in dem die Verwaltung der gemeinnützigen Zoo GmbH untergebracht ist. Gleichzeitig wird die Bollerwagenstation vergrößert (für 18 Karren) und ein Dehtor eingerichtet, durch das Besucher auch zu abendlicher Stunde den Zoo verlassen können.

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