Wenn im Alter der Spaß am Kreativen geweckt wird

Lebensabend: Kreativ – auch in hohem Alter

Die Bewohner des „Haus im Park“ in Uerdingen gestalten Skulpturen in verschiedenen Formen und Farben unter fachlicher Anleitung der Künstlerin Yvonne Wilczynski.

Zehn ältere Meister standen am Dienstag im Mittelpunkt einer Ausstellungseröffnung im Uerdinger Seniorenheim „Haus im Park“. Die Männer und Frauen zwischen 76 und 92 Jahren haben teilweise Neuland betreten, indem sie sich an bildende Kunst herangetraut und kleine Skulpturen geschaffen haben. Friedenstauben, Glückskäfer, Anker oder vierblättriges Kleeblatt sind entstanden. Sie schimmern nun gold- oder silberfarben auf ihren Halterungen und sind Zeichen für Glück.

„Ich bin einfach drangegangen“, erzählt Heinz Gompertz (89). „Wir haben geschliffen, die Kanten gebrochen, gestrichen und schließlich vergoldet oder versilbert.“ In seinem Berufsleben war er als Maler und Anstreicher unterwegs. „Da ich jedoch gerne geangelt habe, sind bei mir Fisch und Anker entstanden.“

„Viele Teilnehmer wissen gar nicht, was in ihnen steckt“

Michal-Peter Benger (88) sagt heute, dass er wohl den Beruf verfehlt hat. „Ich war Landwirt, habe aber hier so viel Spaß an der künstlerischen Arbeit gehabt, dass ich mir vorstellen könnte, auch als Maler erfolgreich geworden zu sein“, erklärt er und lacht. Kleeblatt und Käfer hat er geschaffen. Sonne, Mond und Sterne aus eigener Hand werden fortan das Zimmer von Grete Gläser (90) schmücken. Nicht zuletzt ist die Ausstellung mit „Kunst des Himmels“ überschrieben. „Ich habe zum ersten, aber nicht zum letzten Mal mitgemacht. Mit Anleitung war es nicht so schwer.“ Die Hilfestellung leistete die Künstlerin und Gerontotherapeutin Yvonne Wilczynski. Sie ist mit ihren zehn motovierten Künstlern sehr zufrieden. „Viele Teilnehmer wissen gar nicht, was in ihnen steckt. Stück für Stück legen wir künstlerische Talente frei. In den vergangenen Monaten hatten wir großen Spaß“, erklärt sie.

Bei der Arbeit der Senioren gehe es nicht nur um die fertigen Werke, sondern auch um die Schaffensphase. Oft heiße es zuerst: „Kann ich das?“ Dann gehe es los und alle hätten Erfolg. Wilczynski: „Ihr Selbstwertgefühl wächst, sie stehen im Mittelpunkt und erleben das Interesse der Mitbewohner.“

„Die Plätze in den Kunstkursen sind bei uns immer sehr begehrt“

Häufig unterstützen sich die Senioren gegenseitig und gleichen so verschiedene Handicaps aus – seien es die schwächer werdenden Augen oder die motorisch nicht mehr ganz so sicheren Hände. Die Leiterin des Sozialdienstes, Annette Frenken, ergänzt: „Die Plätze in den Kunstkursen sind bei uns immer sehr begehrt. Für unsere Bewohner ist dieses Projekt eine große Bereicherung.“ Einrichtungsleiter Stephan Kluthausen fordert die älteren Bewohner auf: „Es ist eine gelungene Aktion. Bleiben Sie am Ball.“

Der Chemiepark-Betreiber Currenta unterstützt als Kunstpate die Senioren im „Haus im Park“. Mario Bernards, Leiter Politik- und Bürgerdialog des Chemieparks, sagt: „Die Freude und der Stolz, den die Senior-Künstler aus ihren Gemälden und Skulpturen ziehen, ist die beste Bestätigung, die man sich für so ein Projekt wünschen kann.“

Einige der kleinen Kunstwerke werden nun eine zeitlang im Bürgerbüro des Chemieparks am historischen Uerdinger Markt zu sehen sein. Es sei keine Frage, sagt Mario Bernards: „Das Projekt wird fortgesetzt.“

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