Vogel des Jahres 2019 bereitet in Krefeld Sorgen

Vogel des Jahres : Der Kiebitz ist in Krefeld ein Sorgenkind

Den Vogel findet man immer seltener: 2002 gab es noch 70 Brutpaare in der Stadt, 2015 waren es nur noch 18.

„Der Aufmerksamkeit von Toni Geurden verdanken wir, dass unsere Sorge um den bedrohten Kiebitz nicht noch größer ist“, sagt Jochen Schages von der Biologischen Station am Talring. Zusammen mit seiner Kollegin Veronika Huisman-Fiegen von der Nordrhein-Westfälischen Ornithologengesellschaft (NWO) und dem Landwirt steht er an diesem klaren Morgen auf dem Bränkesweg, Ecke Tönisvorster Straße, in Benrad. Ihr Blick geht hinüber zu dem großen Acker, auf dem Geurden im frühen Frühjahr Kartoffeln anpflanzte. Dabei entdeckte er ein Gelege, wo der Kiebitz schon Eier gelegt hat.

In Abstimmung mit Schages hat er das Nest zur Seite gelegt, die Bearbeitung fortgesetzt und das Nest wieder an den alten Standort zurückgelegt. Schages: „Das macht dem Kiebitz nichts aus und als Nest genügen ihm ein paar dünne Ästchen und etwas Gras und Heu.“

Der Kiebitz, Vogel des Jahres 2019, gehört zur Familie der Regenpfeifer. Er brütet typischerweise in Marschwiesen, Vordeichflächen und offenen Weidelandschaften. Am Niederrhein und auch in Krefeld bevorzugt er weite freie Flächen.

Eine Kartierung aus dem Jahr 2002 weist 70, die gleiche Karte für 2015 nur noch 18 Brutpaare in Krefeld aus. Die Brutzeit beträgt 26 bis 29 Tage und es werden in der Regel vier Eier abgelegt. Das Nest wird von beiden Elterntieren durch eindrucksvolle Luftangriffe vehement verteidigt. Die Krähen werden ihnen gefährlich, ebenso wie der Fuchs.

Es bedarf der Absprache
mit den Landwirten

Die Jungvögel sind Nestflüchter, das heißt, sie verlassen direkt nach dem Schlüpfen ihr Nest, können aber erst mit 30 oder 40 Tagen fliegen. Veronika Huisman-Fiege: „Mein Herz steht fast still, wenn ich die Jungvögel über die nahe Straße hüpfen sehe“.

In Krefeld gibt es noch drei Standorte, nämlich in Benrad, im Fischelner Süden und am Elfrather See. Der letztgenannte auf den Inseln muss alljährlich vom Buschwerk freigehalten werden. Ansonsten ist er „ein Fünfsterne-Brutplatz“, da der Fuchs hier keine Chance hat. Doch er wird wohl auf kurz oder lang für die Kiebitze zu eng. Ansonsten bedarf es der Absprache mit den Landwirten. Die sind jedoch oft vertraglich beispielsweise an den Kartoffelanbau gebunden. Als die kleine Gruppe sich vor Ort informiert, kommt Bauer Thomas Wessels mit seinem großen Frontlader vorbei. Er hat in der Nähe ebenfalls ein Gelege entdeckt und lässt sich erklären, wie er das Nest retten kann. Dabei ist ihm wie auch Toni Geurden bewusst, dass durch Folien abgedeckte Felder und Netze dem Vogel den Brutraum nehmen. Auch Windräder beeinflussen das Verhalten des unter Naturschutz stehenden Kiebitz.

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