„Unser Platz in der Gesellschaft“

Behinderte Menschen gestalten Stühle für eine Kunstaktion.

Krefeld. Welche für Sorgen und Probleme belasten einen behinderten Menschen im Alltag? Wie empfinden sie ihre eigene Integration in die Gesellschaft? Diese Fragen wollen behinderte Menschen in Krefeld beantworten. Dazu nehmen einige von ihnen an der Kunstaktion "Stuhl frei. Nehmen sie bitte Platz" der Behindertenseelsorge im Bistum Aachen teil.

Bei dem Projekt können einzelne Personen oder Gruppen einen Stuhl gestalten und damit zum Ausdruck bringen, welchen Platz sie in der Gesellschaft und der Kirche einnehmen - oder gerne einnehmen möchten. Vier Stühle werden in der Dr. Ulrich-Lange-Stiftung in Traar bearbeitet.

Kristin Oldal hat mit ihrem Lebensgefährten Rainer Wulff einen Stuhl gestaltet, der ihre Träume symbolisiert. "Die Sonne und das Herz sind Symbole für meine Sehnsucht nach Glück und einem selbständigen Zusammenleben mit Rainer", sagt Oldal. Der Stuhl soll mit einer Gardine geschmückt das gemeinsame Heim darstellen.

Im ganzen Bistum Aachen werden 280 Stühle von 80 Gruppen gestaltet. 30 Stühle davon in Krefeld. "Es geht darum, dass die Behinderten kreativ tätig werden können. Die Aktion soll aber auch eine Integration in der Gesellschaft schaffen", erklärt Diözesanbeauftragte Gabriele Laumen.

Zu dem Zweck werden die Stühle auch Anfang des nächsten Jahres in der St. Dionysiuskirche ausgestellt werden. Uwe Ortmanns hat seinen Stuhl dem Glauben und seinem Laufverein gewidmet. "Der Glaube an sich selbst und an Gott versetzt Berge. Der Stuhl ist aber noch nicht fertig, da kommen noch Laufschuhe unten dran", sagt Ortmanns.

Er und auch Manuela Tilmes, die ebenfalls einen Stuhl gestaltet hat, spielen Theater. "Wir werden die Stühle in unseren nächsten Stücken mit einbringen", so Jochen Kamps, ein Mitarbeiter der Wohnanlage. Integration ist den Künstlern wichtig. "Ich mag es nicht, wenn mich alle so anglotzen, das nervt", sagt Jan Billecke, der seinen Stuhl ganz nach seinen Lieblingstieren, Katzen, gestaltet hat. "Wenn ich meine Katze Merlin bei mir habe, bin ich einfach glücklich."

Durch die Stühle sollen sich Gespräche entwickeln. Die Gesellschaft soll Behinderte kennen lernen und besser verstehen. "Es muss sich noch ganz viel im Umgang mit behinderten Menschen verändern", sagt Laumen. Bis Ende des Jahres können die Stühle noch fertig gestellt werden, bevor die offizielle Ausstellung in der St. Dionysiuskirche folgt.

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