Montagsmaler: Der schönste Start in die Woche

Montagsmaler: Der schönste Start in die Woche

Seit acht Jahren trifft sich eine Gruppe von Hobbymalern im Burchartzhof. Gecoacht wird das Team von einem Künstler aus Krefeld.

Krefeld-Bockum. Sorgfältig streicht Lieselotte Sänger mit ihrem Pinsel die kleinen orange farbenen Blüten entlang. Nur noch ein paar kleine Änderungen und das Werk ist vollbracht. Die Blumenpracht erstrahlt auf weißem Papier in einem ganz besonderen Glanz.

Stolz legt Lieselotte Sänger ihren Pinsel zurück ins Etui und lehnt sich zufrieden zurück. Mit ihren 91 Jahren ist sie die älteste Hobbymalerin im Club der Montagsmaler aus Bockum. Jeden Montag trifft sich die Gruppe von drei Männern und sieben Frauen zwischen 52 und 91 Jahren im Burchartzhof direkt an der Getrudiskirche.

„Ich bin von Anfang an dabei und habe noch nie so eine Harmonie erlebt, wie hier“, sagt Sänger begeistert. Seit acht Jahren macht sich die Seniorin jeden Montag mit Rollator, Pinsel und Papier auf den Weg zu ihren „Kunst-Freunden“. Bei schlechtem Wetter wird sie von einem der Hobbymaler abgeholt.

„Ich komme jeden Montag, selbst wenn mir die Knochen weh tun. Der Kurs ist besser als jede Pille“, sagt die Rentnerin, die seit 30 Jahren verwitwet ist. „Ich habe schon immer sehr gerne gemalt, früher hatten wir aber nie Geld dafür.“

Mittlerweile ist ihr Repertoire an Bildern so groß, dass sie ihre gesamte Familie mit ihren Malereien beglückt. „Wenn ich irgendwo eingeladen bin, gucke ich vorher in meinem Vorrat, ob ein Bild dabei ist, das ich verschenken kann.“

Sänger selbst wünscht sich zum Geburtstag am liebsten neue Pinsel. „Für einen richtig guten Pinsel zahlt man ja schon mal 30 Euro.“

Dieter Küppers, ein Landschaftsmaler, hatte die Gruppe lange trainiert und ihnen die Freude am Aquarell vermittelt. Vor ein paar Jahren ist er gestorben. Daraufhin hat Heinz Rankers, der Vorsitzende des Kunstkreises Kempen, seine Aufgabe übernommen.

Jeden Montag zwischen 10 und 12 Uhr besucht Rankers die „sich selbst organisierende Gemeinschaft“ in ihren Räumlichkeiten und gibt wertvolle Tips. Hans Scheuvens, der sich um die Organisation des Teams kümmert und selbst begeistert Aquarelle malt, ist für die professionelle Unterstützung dankbar. „In der Regel bekommen wir eine Vorlage, nach der wir malen. So kann man die Unterschiede zwischen den Hobbymalern am besten erkennen.“ Die Montagsmaler seien in all den Jahren des Bestehens zu einer echten „Seelenverwandschaft“ geworden. „Wir halten einfach zusammen. Wenn einer aus der Gruppe Geburtstag hat, wird gesungen.“

Anfang des nächsten Jahres wollen die Hobbymaler ihre Werke im Haus Greiffenhorst austellen, um sch zu präsentieren. Die letzte Ausstellung dort war 2009.

Manche Bilder werden dabei sogar verkauft. So wie die Werke von Klaus Kollenbach. Der 75-Jährige ist bei den Montagsmalern von Anfang an dabei und seitdem bekennender Landschaftsmaler, der kräftige Farben benutzt. „Das ist einfach meine Handschrift. So langsam will ich mich aber mit neuen Motiven beschäftigen“, sagt der Bockumer. Zur Zeit malt er an der Silhouette einer dunkelhaarigen Frau. „Ich habe früher nie gewusst, dass ich malen kann.“ Heute schmücken seine Bilder die Wohnzimmer anderer Menschen.