Machtlos gegen Farbattacken

Das Haus von Agnes Esser wurde schon dreimal beschmiert.

Krefeld. Als ihr Ehemann am Freitagmorgen die Zeitung reinholen will, hört Agnes Esser den Aufschrei: „Agnes, es ist schon wieder passiert.“ Bereits zum dritten Mal wurde ihr Haus mit Farbe beschmiert. Diesmal ist sie rot. Agnes Esser ist gereizt. „Die Haustür hatten wir gerade erst frisch gestrichen und waren froh, dass sie wieder anständig aussah“, erklärt sie. Der erste Farbanschlag passierte am 9. August. Ebenfalls mit Farbe, allerdings mit weißer, wurde die Haustür beschmiert.

Foto: DJ

Am 26. September war dann die Hauswand dran und am Freitag wieder die frisch gestrichene Haustür. „Ich kann mir denken, wer das macht, aber beweisen kann ich es nicht“, sagt sie. Und genau da liegt das Problem. Ohne Beweise kann die Polizei zwar den Vermutungen der Opfer nachgehen, aber die Chancen stehen schlecht. „Man kann da schon was gegen tun, aber selbst wenn man einen Pinsel mit Farbe findet, wird das schwer zuzuordnen sein“, sagt Polizeisprecher Wolfgang Weidner.

Für das Ehepaar ist das sehr unbefriedigend. „Die Polizei kommt zwar direkt, aber danach verläuft die Anzeige gegen Unbekannt im Sand“, sagt Esser. Sie hat schon einen Bewegungsmelder aufgehängt und eine Kameraattrappe aufgestellt. „Ich habe auch schon überlegt, eine echte im Hauseingang aufzuhängen, aber da muss man sich mit dem Internet auskennen.“ Das dürfte sie aber auch gar nicht, da sie im Haus zwei Wohnungen vermietet hat. „Auch der Hauseingang ist öffentlicher Raum, damit würde sie sich strafbar machen“, erklärt Weidner.

Agnes Esser hatte sogar schon in Erwägung gezogen, eine Belohnung über 500 Euro für Hinweise auszusetzen. „So etwas zermürbt einen. Mein Mann hatte vor einem Jahr eine Herz-OP. Ihm geht das besonders nahe.“

Nicht nur psychisch ist das eine Belastung, die Beseitigung der Schäden kostet auch einiges. Für alle drei Schäden, schätzt Esser, kommt etwa eine Summe um die 5000 Euro zusammen. „Das zahlt die Versicherung abzüglich der Selbstbeteiligung, aber wir sind im Jahr nur bis zu 5000 Euro versichert. Die Beseitigung des nächsten Farbangriffs in diesem Jahr müssten wir selbst zahlen.“

Hoffnung, dass das ganze ein Ende hat, hat sie nicht. „Das wird hundertprozentig wieder passieren.“ Frustrierend sei das, weil sie sich nicht wehren könnten. „Bei Streitigkeiten macht es Sinn, das Gespräch mit einem Schiedsmann zu suchen, um sich gütlich zu einigen“, sagt Weidner. Ansonsten seien Fotos und Zeugenhinweise für die weitere Ermittlung hilfreich.

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