Krefeld feiert Turnmutter Cilly Knaust

Mit dem 1956 gegründeten MTV Krefeld begann die Erfolgsgeschichte der 80-Jährigen.

Krefeld-Traar. Was für Deutschland der Turnvater Friedrich Jahn, ist für Krefeld die Turnmutter Cilly Knaust. Das wissen vor allem die Sportlerinnen und Sportler des MTV Krefeld, den sie 1956 gründete.

Begonnen hat die Erfolgsgeschichte als Turn- und Sportverein für Mädchen, dann folgten erst die Mütter, später die Jungen und zuletzt die Männer. Heute ist der Verein mit seinen vielen Anlagen und dem Vereinsheim an der Eibe der Treffpunkt mehrerer Generationen. Die rüstige Dame hat vor einigen Tagen die Achtzig vollendet und steckt immer noch voller Tatendrang.

Bei einem Empfang im Stadtwaldhaus, wo der Rheinische Turnerbund für sie eine Feier ausrichtete, genoss sie es, im Mittelpunkt zu stehen. Der Verband hatte auch allen Grund, seiner Präsidentin und späteren Ehrenpräsidentin für ihren Einsatz zu danken. Dazu war es ein Wiedersehensfest mit vielen Weggefährtinnen und -gefährten.

Die herausragende Turnerin Sabine Blumtritt aus Krefeld, die fast alle Titel dieser Welt errang und später zum Showtanz wechselte, erfreute die Festversammlung mit ihren Darbietungen. Die "Karriere" von Cilly, wie die meisten Freunde sie nennen, begann um 1948/49, als die Besatzungsmächte wieder Sportvereine zuließen. Cilly trat in den Turnverein Gut-Heil ein, turnte im Lyceum an der Moerser Straße und hatte früh den Wunsch, Sport zu studieren. Ihre Eltern waren zuerst gar nicht erfreut, denn man ging davon aus, dass Mädchen damals schnell heiraten und dann "nur" den Haushalt führen mussten. Aber es kam anders, Cilly fand im damaligen Sportamtsleiter Otto Stregel einen Förderer und ging nach Köln an die Sporthochschule, wo sie ihr Diplom machte.

Während ihres Studiums trainierte sie schon früh Kinder und Jugendliche. Doch weil die Methoden in den Nachkriegsjahren noch recht verstaubt waren, gründete sie 1956 den Mädel-Turn-Verein. Dessen sportliche Leiterin blieb sie 49 Jahre lang. "Mein Engagement hat mich auch vom Heiraten abgehalten", erzählt sie. "Erst hat meine Mutter die Bewerber verscheucht, später gab es keine Abende und Wochenenden, an denen ich nicht sportlich unterwegs war."

Ihre erste Anstellung bekam sie als Sportlehrerin an der privaten Marienschule. Dort fand sie eine verständnisvolle Leitung und konnte sich sogar für den Bau einer Turnhalle stark machen.

Sie erinnert sich, dass Mädchen damals keine langen Hosen tragen durften. Sie selbst war die einzige, die eine Ausnahmegenehmigung hatte: "Fräulein Knaust darf im Trainingsanzug durch die Schule gehen" hieß es in einem Aushang.

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