Traar : Feuchtigkeit nagt an Egelsbergmühle

Das 200 Jahre alte Gebäude auf dem Egelsberg ist stärker in Mitleidenschaft gezogen, als es bislang alle Seiten eingeschätzt haben.

Krefeld. Es hätte so einfach sein können. Als der Bürgerverein Traar zum 1. Januar dieses Jahres als neuer Mieter die Mühle am Egelsberg übernommen hat, ging der Vorstand noch von einem Sanierungsbedarf von insgesamt rund 90 000 Euro aus. Ein Teilbetrag von 20 000 Euro ist im Haushalt der Stadt dafür etatisiert. „Noch in den nächsten 14 Tagen werden die zweckgebundenen Mittel für die erste Maßnahme ausgezahlt“, sagt Walter Kienen, 2. Vorsitzender des Bürgervereins. Diese Summe ist aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Ein in den vergangenen Monaten in Auftrag gegebenes bauphysikalisches Gutachten weist auf Schäden hin, die in die Hunderttausende gehen.

Untersucht worden ist von einem Krefelder Gutachter der Zustand des Mauerwerks, ob Pilzbefall vorliegt und in welchem Zustand das Balkenwerk der mehr als 200 Jahre alten Mühle ist. Der Grünspan auf der einst weißen Außenhülle ist noch das Geringste. „Bei der Feuchtemessung mit Hilfe von Kernbohrungen ist ein Prozentsatz von 97 festgestellt worden. Daher kommen die großen Schäden am Mauerwerk“, erklärt Kienen.

Die Mühle hat laut Kienen zwei Probleme. Zum einen die aufsteigende Feuchtigkeit. Es gibt keine Horizontalschicht als Isolierung zum Erdreich. Früher sei bei solchen Industriebauten darauf verzichtet worden. Deshalb hat die Mühle nun seit Inbetriebnahme im Jahr 1802 Erdkontakt gehabt und das Mauerwerk irgendwann Feuchtigkeit aufgesogen.

Das zweite Problem sei die Dachhaube. Die ist so aufgesetzt, dass das Mauerwerk im oberen Drittel bei Regen nichts abbekommt. Darunter fließt das Wasser aber genau aufs Mauerwerk, das ebenso wie der Schutzanstrich nicht in der Lage ist, Feuchtigkeit weiter abzuleiten.

„Das hat zur Folge, dass wir mit der Sanierung an oberster Stelle anfangen müssen“, sagt Kienen. Das Balkenwerk in der Mühle sei durch die langanhaltende Feuchtigkeit bis hinab in den ersten Stock in Mitleidenschaft gezogen, obwohl es Eiche ist. Die schweren Balkenköpfe müssten erneuert oder instandgesetzt werden.

Neben dem beauftragten Fachinstitut hat sich auch ein Mühlenbauer das Gebäude angesehen. Vor allem die Mühlenflügel hat er unter die Lupe genommen. „Wir können derzeit nicht sagen, ob sie wieder zu 100 Prozent funktionstüchtig werden“, zitiert Kienen den Mühlenbauer. Um das beurteilen zu können, bräuchte der Verein einen Kran, um die Flügel von der Welle zu nehmen und sie genau untersuchen zu können. „Das Holzwerk muss auf alle Fälle erneuert werden“, meint der stellvertretende Vorsitzende des Bürgervereins. Derzeit gehen er und seine Vorstandskollegen noch von einer möglichen Sanierung aus.

Der Bürgerverein hat mit der Stadt einen Mietvertrag auf 15 Jahre geschlossen. Die Miete von jährlich 3000 Euro ist laut Verein durch einen Mietbeitrag und einen jährlichen festen Beitrag für Instandhaltungen vertraglich abgedeckt. Doch mit diesem Sanierungsaufwand hatte niemand gerechnet — auch nicht die Stadt. Die hatte im Jahr 2003 einen Verkauf geprüft — und die Idee wieder verworfen.

Inzwischen ist die Stadt laut Kienen informiert. Verabredet sei, dass der Bürgerverein eine Rangordnung für die Sanierung mit einem Architekten erstellt und mit der Stadt abstimmt. Dann soll als erstes der Kran kommen.