Elfrath: Ein unscheinbarer Tempel

Der historische Fund an der Werner-Voß-Straße findet nur wenig Beachtung.

Krefeld-Elfrath. Wenn in Krefeld einer einen Bagger anwirft, werden meist Archäologen eingebunden. So war es auch vor mehr als 20 Jahren in Elfrath. 1988 sollte an der Werner-Voß-Straße der Sportplatz entstehen, und als erstes fand man Scherben. "Es waren römische Scherben aus dem zweiten Jahrhundert", sagt Christoph Reichmann, Direktor des Archäologischen Museums Linn.

Dann stieß man auch auf ein Fundament und hielt die Funde für die Reste einer römischen Villa auf einem römischen Siedlungsplatz. Die Grundrisse der Villa entsprachen einem Tempel im Xantener Hafen, in verkleinerter Form. Doch die Wissenschaftler gruben noch tiefer: Sie fanden an dieser Stelle einen Brunnen, einen Brandopferaltar und Reste von Wandmalereien.

Fünf Blätter waren es, die Aufschluss über die Vergangenheit gaben, da es Blätter der Esche waren. Die Esche war den Germanen heilig, denn in der nordischen Mythologie ist Yggdrasil die Weltenesche, der Baum, aus dem alles Leben erwächst. "Die Blätter waren in den Mörtel eingearbeitet", sagt Reichmann. "Sie wurden im Abbruchschutt gefunden. Es ist eine Besonderheit, dass es sich gerade um Eschenblätter handelt." An der Art des Fundes ist für die Archäologen jedenfalls klar, dass hier auch ein Heiligtum der Kelten stand.

Für Besucher der Stätte ist das nicht so klar, denn kein Schild kündet von der vielschichtigen Vergangenheit Krefelds an dieser Stelle. Zwei Schilder wurden schon aufgestellt, aber anschließend zerstört oder gestohlen. Auch die Mauern leiden unter der Langeweile einiger Leute: Es gibt Graffitis, einige Mauerstücke wurden abgebrochen. "Kämen mehr Leute hierher, wäre die Anlage auch nicht so gefährdet", sagt Reichmann. Eine entsprechende Beschilderung ziehe möglicherweise auch Besucher an. Der Förderverein der Museen Burg Linn aber kann nicht wieder dafür aufkommen. "Die Stadt ist hier in der Pflicht", sagt Reichmann.

Mehr von Westdeutsche Zeitung