Das Rathaus in Traar wird 100

Das imposante Gebäude wird heute als Bürgerbüro genutzt. Durch den Sanierungsstau hat es erhebliche Mängel.

Krefeld. Das Rathaus in Traar erinnert ein wenig an einen schlafenden Riesen. Vor 100 Jahren als mächtiges Verwaltungsgebäude der damals selbständigen Bürgermeisterei errichtet, werden dort schon lange keine politischen Entscheidungen mehr getroffen. Für die Traarer ist es dennoch Mittelpunkt des Ortes.

Foto: Axel Gayk

Durch das Bürgerbüro sowie die Polizeidienststelle können die etwa 4800 Einwohner Behördengänge erledigen, ohne dafür in die Innenstadt fahren zu müssen. „Das Gebäude hat zwar viel Potenzial, aber um das zu nutzen, müsste auch in die Sanierung des Denkmals investiert werden“, sagt Marc Blondin, erster Vorsitzender des Bürgervereins.

Foto: Axel Gayk

Als die Traarer 1908 entschieden hatten, dass die Zeit für ein neues Rathaus gekommen war, stand dessen heutige Funktion als Bezirksverwaltungsstelle noch nicht zur Debatte. Erst ein Jahr zuvor, 1907, war die Gemeinde zur selbstständigen Bürgermeisterei ernannt worden. Das war für die 1903 Einwohner Anlass, ein neues Rathaus als Verwaltungssitz an die Moerser Landstraße zu bauen. Fünf Jahre lang beschäftigten sich die Traarer mit der Grundstückssuche und den Baufragen. 1913 wurde dann entschieden, dass im Frühjahr 1914 begonnen werden soll — trotz Ausbruchs des Ersten Weltkrieges wurde das Rathaus 1915 fertiggestellt.

1929 wurde die politische Selbstständigkeit wieder aufgehoben, als Traar im Zuge der kommunalen Neuordnung am Niederrhein nach Krefeld eingemeindet wurde. In den 1950er und 1960er Jahren wurde das Rathaus einige Zeit als Schule genutzt. Seit 1978 ist es Sitz der Bezirksverwaltungsstelle. Das soll auch erst mal so bleiben. Die städtische Musikschule nutzt den ersten Stock als Außenstelle und will dort auch weiterhin Unterricht anbieten.

Die Wohnung im zweiten Stock hingegen ist seit Jahren ungenutzt. Eine Vermietung wäre laut Bürgerverein erst nach einer Sanierung möglich. Fenster, Simse, Abdichtungen, Beseitigung von Feuchtigkeitsschäden und Renovierungen müssten im ganzen Haus angegangen werden. „Eine Sanierung wird sachlich von der Stadt unterstützt, ist aber unrealistisch. Grund dafür ist die prekäre Haushaltssituation“, erklärt Walter Kienen, der zweite Vorsitzende des Bürgervereins. Mit einem Festakt soll der Geburtstag des Rathauses erst im kommenden Jahr gefeiert werden. Dass sich bis dahin die Lage des einst mächtigen Gebäudes gebessert hat, ist allerdings unwahrscheinlich.