Backstein-Villa wird zum Denkmal

Das Gebäude an der Schönwasserstraße entstand um 1929. Der Name des Architekten ist unbekannt.

Krefeld. Etwa zur gleichen Zeit als Ludwig Mies van der Rohe die Villen Haus Lange und Haus Esters entwarf, griff ein weiterer Architekt zum Zeichenstift. Wie dieser Architekt hieß, ist nicht bekannt — im Gegensatz zum Kollegen van der Rohe konnte er sich keinen Namen machen. Nichtsdestotrotz wird das Einfamilienhaus, das nach seinen Plänen 1928/29, mitten in der Weltwirtschaftskrise, an der Schönwasserstraße entstand, bald in die Denkmalliste der Stadt aufgenommen.

Das jedenfalls haben die Mitglieder des Denkmalausschusses der Bezirksvertretung Ost empfohlen. Auch der Eigentümer hat dazu sein Einverständnis gegeben. Denn das Wohnhaus „gehört zu den Gebäuden, die das Erscheinungsbild der Schönwasserstraße zwischen der Uerdinger Straße und der Glockenspitz prägen“, heißt es in der Begründung der Denkmalbehörde.

Gemeint sind die repräsentativen, zum Teil villenartigen Einfamilienhäuser entlang der Straße. In ihr hatte sich seit Ende des 19. Jahrhunderts bevorzugt das reiche Bürgertum niedergelassen. Bis 1906 zählte das Wohnviertel zur selbständigen Gemeinde Bockum.

Die locker gereihten Villen und Halbvillen sind durch großzügige, bis zehn Meter breite Vorgärten von der Straße abgesetzt. Das Grundstück Nr. 50 misst fast 1000 Quadratmeter.

Das in der Weimarer Republik erbaute Haus besticht in der Außenansicht mit seiner Asymmetrie der Fenster und der Gesimsbänder. Den Kontrast dazu liefern die beiden halbrunden Ausbuchtungen an der Nord- und veranda-artig an der Südseite, welche die lineare Gestaltung durchbrechen. Das Haus ist ein charakteristisches Beispiel des sogenannten Backstein-Expressionismus: Die Gliederungs- und Zierelemente seiner Fassaden sind fast ausschließlich mit Hilfe der normalen Ziegelformate gebildet.

Im Inneren haben sich Raumaufteilung und zahlreiche Elemente der ursprünglichen Ausstattung aus der Bauzeit erhalten. Die Räume im Erd- und Obergeschoss werden von einem großen zentralen Flur aus erschlossen.

Eine einfache Wendeltreppe verbindet die beiden Geschosse miteinander. Besonders der Flur, das Treppenhaus und einige der Gesellschaftsräume im Erdgeschoss sind typische Gestaltungselemente des Backstein-Expressionismus.

Im Garten hat sich im Kern das Wasserbecken aus der Bauzeit erhalten. Nachträglich erhielt es eine neue Verkleidung aus unregelmäßigen Natursteinplatten.

Auch das Terrassenpodest vor der gartenseitigen Giebelfassade stammt im Kern noch aus den 30er Jahren. Es wurde allerdings, wahrscheinlich gleichzeitig mit dem Wasserbecken, durch Anschüttungen und durch eine Gestaltung mit unregelmäßigen Natursteinplatten verändert.