WZ-Mobil zur Uerdinger Bücherei: „Kinder brauchen Bücher“

WZ-Mobil zur Uerdinger Bücherei: „Kinder brauchen Bücher“

Eine Schließung wollen die Uerdinger nicht hinnehmen. Das wurde am WZ-Mobil deutlich.

Krefeld. Dass ihre Bücherei schon wieder von der Schließung bedroht ist, verärgert die Uerdinger Bürger. Jung und Alt finden sich am WZ-Mobil ein, generationenübergreifend sprechen sich alle für den Erhalt der Stadtteilbücherei aus.

Mara Schiffer (7) spricht für viele Grundschüler, die „sehr traurig“ sind, wenn „ihre Bücherei“ wirklich schließen muss. Ebenso geht es Anke Brock: „Meine Familie und ich sind schon immer in die Uerdinger Bücherei gegangen und wären sehr, sehr traurig, wenn diese schließen müsste“, sagt sie. Für Hanni van den Boom (92) prägt die Bücherei mitten in Uerdingen maßgeblich das Stadtbild und ist „absolut unverzichtbar“. Autor Bernhard Hennen pflichtet ihr bei: „Meine Kinder sind entsetzt. Vor zwei Jahren haben sie mit für den Erhalt der Bücherei gekämpft und waren stolz, als es für die Bücherei weiterging. Marie und Pascal fragen mich jetzt, warum ein Verantwortlicher damals gelogen hat, als er den Erhalt der Bücherei versprach.“

Andrea Theveßen schäumt förmlich vor Wut. „Die Bücherei ist ein lebendiger Ort, aber die Politiker stecken das Geld lieber in ein totes Museum. Gerade im Zeitalter von eBooks sind echte Bücher zum Anfassen sehr wichtig.“ Für Hans-Peter Heiße (67) ist die Bücherei ein „kulturelles Opfer politischer Querelen“. „Es ist eine Schande, wenn die letzte Stadtteilbibliothek schließt“, schimpft Achim Gehring (58). „Den Bücherbus hat man auch aus Kostengründen abgeschafft. Der fährt jetzt munter in Aachen.“

„Die Fahrt zur Mediothek am Theaterplatz dauert eine Stunde hin und zurück. Hinzu kommt noch der Kostenpunkt“, gibt Edeltraut Bartels (74) zu bedenken. Gerade Büchereien sollten sozial sein. „Reiche Menschen kaufen sich ihre Bücher.“ Das sieht Barbara Rühl ähnlich: „Denken die Politiker an die Senioren, die keine Möglichkeit haben, regelmäßig nach Krefeld zu fahren?“ „Gerade als älterer Mensch wäre eine Fahrt nach Krefeld zur Hauptstelle sehr aufwendig“, findet auch Regina Hellmann.

„Wir fragen uns, warum wieder an der Bildung und in dem Bereich Kinder gespart werden muss“, pflichtet Bianca Ista bei. Und Jana Heyer sagt: „Für meine Kinder wäre ein Wegfall schlimm, da sie Bücher und Gesellschaftsspiele lieben und ich nicht ständig ihren Lesehunger durch Bücherkäufe stillen kann.“

„In Uerdingen fällt so viel Gewerbesteuer an. Wieso fließt das ganze Geld eigentlich nach Krefeld?“, fragt sich Wolfgang Nilkens (57). Uerdingen sei so groß wie eine Kleinstadt, „da muss doch etwas für uns übrig bleiben.“ Auch Heinz Vermaeten (73) wundert sich, dass „Krefelds Ratsherren nicht in der Lage sind, eine alteingesessene Bücherei zu erhalten.“ Und Beate Themanns schlägt vor, auf das teure Glasdach am Ostwall verzichten: „So könnten gute Projekte weiter finanziert werden.

„Man muss den Lokalpolitikern viel mehr auf die Finger gucken“, meint Heribert Köffers (51). „Kinder brauchen Bücher für ihre Phantasie und um Eigenständigkeit zu entwickeln“, sagt Antje Nouvertne (71). Viele Eltern hätten weder Geld noch Zeit für Bücher. Die Stadtteilbücherei ist Teil der Lebensqualität unserer Stadt am Rhein; sie ist Anlaufstelle und Ort der Kommunikation“, plädiert auch Helmut Mews für den Erhalt.

Renate Heisters (72) stören die späten Öffnungszeiten der Mediothek. „Ich verbinde gerne meine Einkäufe mit einem Besuch der Bibliothek. Das geht in Uerdingen sehr gut.“ Gerüchte gehen um. „Der Heimatbund sucht neue Räume. Aufmerksame Bürger haben gesehen, dass schon Maß genommen wurde“, erzählt Sabine Alofs (45).

„Alle Jahre wieder?“, fragt Norbert Sinofzik vom Arbeitskreis zum Erhalt der Bücherei. Vor zwei Jahren sammelte der Arbeitskreis 3500 Unterschriften ein. „Das werden wir dieses Mal toppen.“ Sinofzik kündigt eine Reihe Aktionen an. Auch Susanne Tyll vom Aktionsbündnis will weiterkämpfen: „Die Bücherei Uerdingen ist ein wichtiger Baustein für ein lebenswertes Uerdingen für alle Generationen und zudem die letzte Zweigstelle außerhalb der Innenstadt.“

Simone (11) und Anne (13) Bresser: "Vielleicht ist die Auswahl hier in Uerdingen nicht riesig, aber man kann als Schüler auch mal schnell recherchieren. In die Krefelder Innenstadt kommen wir nur mit dem Bus oder Mama muss uns fahren.

Ute Bresser: "Meine Kinder nutzen die Bücherei. Das ist außerdem auch ein zentraler Punkt in Uerdingen und Kinder treffen sich dort. Eine Schließung trifft alle Generationen und hinterlässtz eine Lücke, die sich nie wieder schließen lässt. Uerdingen stirbt."

Angelika Stört: "Schade, dann finden in der Bücherei auch keine Krimilesungen mehr statt. Mein Mann und ich gehen sehr gerne zu Lesungen, vor allem von Ina Coelen. Außerdem ist es furchtbar, dass nach und nach alle Uerdinger Wahrzeichen verschwinden."

Lesepatin an der Paul-Gerhardt-Grundschule, Christina Passeck-Dornoff: "Ich gehe in die Grundschule und möchte den Kindern Freude am Lesen vermitteln. Die Lust, Bücher in die Hand zu nehmen und in der Uerdinger Bücherei zu leihen."

Gisela Krahnen: "Innerhalb der vier Wälle ist doch finanziell alles möglich. Aber in Uerdingen? Die Bücherei ist das Einzige, was wir noch haben. Ältere Leute haben kein Auto, um in die Stadt zu fahren und Bus fahren ist sehr teuer."

Gebürtige Uerdingerin Waltraud Mertenschlederer: "Ich habe seit ich denken kann einen Leseausweis und bin unendlich traurig über diese Diskussion. Man sollte doch in Uerdingen Altes erhalten. Und die Bücherei ist in einem wunderschönen Gebäude und auch innen ist alles wunderschön."

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