Uerdinger Deich: Dicke Betonmauer reicht nicht

Uerdinger Deich: Dicke Betonmauer reicht nicht

Bei der Deichschau war der Hochwasserschutz ein spezielles Thema.

Uerdingen. Ob der Deich am Uerdinger Rheinufer allen Anforderungen entspricht, das prüft die Bezirksregierung Düsseldorf einmal jährlich. Insofern durfte die Deichschau am vergangenen Mittwoch morgen ruhig als Routine angesehen werden. Sie war es aber nicht. Immerhin wurden erstmals auch die Rhein-Abschnitte inspiziert, die unter dem Bereich Uerdingen II oder auch "Rheinblick" zusammengefasst sind: vom ehemaligen Ausflugslokal "Rheinlust" bis zum Pumpwerk. "Für dieses zukünftige Sanierungsgebiet muss der Hochwasserschutz etabliert werden", sagt Jürgen Mobis von der Bezirksregierung Düsseldorf. "Wie, wissen wir noch nicht. Es geht zunächst einmal um eine erste Bestandsaufnahme."

Dazu sei der Kontakt zu den Eigentümern der rheinwärts gelegenen Grundstücke wichtig, betont Petra Weber vom zuständigen Fachbereich Tiefbau. Die haben sich zum Teil auch der Deichschau angeschlossen, gewähren Einblicke in die alten Gemäuer. "Wir wollen ja schließlich, dass es hier weiter und dass alles möglichst schnell über Bühne geht", sagt Carl Gustav Cremer, Miteigentümer des Müncker-Geländes. Auch Vertreter der 1830 in Uerdingen gegründeten Erlenwein-Spedition sind vor Ort, öffnen Tore, beantworten Fragen der Fachleute.

Und die interessieren sich hauptsächlich dafür, ob Kellerräume oder so genannte Kasematten unterhalb der Werft-Linie vorhanden sind, die im Falle eines Hochwassers volllaufen könnten. Zusätzliches Problem: Das teilweise verfallene und bewachsenen Mauerwerk allein stellt keinen effizienten Hochwasserschutz dar. "Nach einer halben Stunde Hochwasser wäre die Mauer möglicherweise weg", sagt Mobis. Vorhandene Fenster einfach zuzumauern, reiche ebenso wenig aus.

Doch die erste Bestandsaufnahme fällt zur Erleichterung der Eigentümer glimpflich aus. "Das wird einfacher als zunächst gedacht, da keine Keller oder Kasematten bestehen", sagt Mobis. Für die nun anstehende Planung sei die Stadt Krefeld zuständig. Auch wenn zu möglichen Sicherungsmaßnahmen noch keine Angaben gemacht werden können, so viel steht nach der Deichschau fest: Im Bereich Uerdingen II wird als Hochwasserschutz etwas Spezielles zum Tragen kommen.

"Eine durchgängige ein Meter dicke Betonmauer ist hier nicht angebracht. Dazu sind die Begebenheiten zu unterschiedlich", sagt Petra Weber. "Außerdem ist ja noch nicht klar, in welchem Umfang neue Gebäude entstehen werden, und welche vorhandenen Gebäudeteile verwendet werden können." Die Befürchtung von Carl Gustav Cremer, dass Hochwasserschutzanlagen möglicherweise die Optik des denkmalgeschützten Müncker-Parks zerstören könnten, zerstreut Petra Weber: "Die muss man nicht unbedingt sehen."

Von den Eigentümern auf möglichen Kosten angesprochen, erklärt Jürgen Mobis, dass im Regelfall das Land 80 Prozent übernimmt. Er betont aber ausdrücklich: "Dabei handelt es sich um eine freiwillige Leistung des Landes, die nicht einklagbar ist."

Die restliche Deichschau, also den Erddeich zwischen "Rheinlust" und "Rheinschlösschen" betreffend, ist dann wieder Routine. Zumal die bereits beschlossene Deichsanierung bestenfalls im Frühjahr 2010 beginnen wird - die vorhandenen Mängel (zu steile Böschung, teilweise mit Baumbewuchs) also bekannt sind.

Dennoch bescheinigen Mobis und sein Kollege Wolfgang Manthei dem Uerdinger Deich, grundsätzlich "gut unterhalten" zu sein. Das fast fertig sanierte Rheintor wird voraussichtlich in den kommenden Wochen fertig. "Die Unterseite muss aus statischen Gründen verstärkt werden", erklärt Petra Weber.