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Uerdinger Bahnhof: Im Brauhaus gärt die Wut

Uerdinger Bahnhof: Im Brauhaus gärt die Wut

Eigentlich sind sich alle einig, dass der Bahnhof ein Restaurant werden soll. Doch nun schießt die Bahn quer.

Krefeld-Uerdingen. Das ungute Gefühl griff schon um sich, als die Herren von der Bahn den Raum betraten. Acht bis zehn sollen es gewesen sein, eigentlich viel zu viele für den Anlass. Was sie danach aus ihren Laptops zauberten, sorgte am Runden Tisch zum Thema Uerdinger Bahnhof für Erstaunen und Empörung. „Sauerei“ gehörte noch zu den freundlichen Bemerkungen. Das Treffen wurde ergebnislos abgebrochen.

Was war geschehen? Mit einem überraschenden Vorstoß hatte die Bahn die weit gediehenen Gespräche über die Zukunft des Bahnhofs zurück in die Steinzeit geschossen. Wie mehrfach berichtet, plant eine Investorengruppe in dem Gebäude ein Brauhaus mit Veranstaltungssaal, Kiosk und Biergarten. Bauverwaltung, Lokalpolitik und weite Teile der Bevölkerung finden die Idee klasse.

Das Bahnhofsgebäude haben die Investoren bereits gekauft und teilweise saniert, für einen sechsstelligen Betrag, wie zu hören ist. Schwieriger gestalten sich die Verhandlungen mit der Bahn über das umliegende Areal, wo Parkplatz und Biergarten entstehen sollen. Besagter Runder Tisch soll den Knoten lösen.

Beteiligten zufolge gab es auch schon Fortschritte — bis zu jenem Treffen im Uerdinger Rathaus. Da nämlich enthüllte die Bahn, dass sie gern am jetzigen Park-and-Ride-Gelände selbst ein mehrstöckiges Gebäude mit Café und Kiosk errichten möchte. „Da zaubern sie einfach so eine direkte Konkurrenz zu unserer Planung aus dem Hut“, sagt Roman Becker, designierter Betreiber des Brauhauses.

Überrascht zeigt sich auch der städtische Baudezernent Thomas Visser: „Psychologisch kam der Vorstoß der Bahn sehr befremdlich rüber“, sagt er. „Die Sache ist ärgerlich — wir hatten doch richtig Schwung in dem Thema.“ Von einem möglichen Scheitern mag er noch nicht sprechen: „Die Akteure müssen sich jetzt einigen. Wenn jeder stur bleibt, gewinnt keiner.“

Bezirksvorsteher Elmar Jakubowski (CDU), von Beginn an ein Fürsprecher des Projekts, wittert „die reale Gefahr, dass die Bahn die Sache nun erschwert oder gar verhindert“. Die enthüllten Pläne seien ein Verstoß gegen Verabredungen: „Höflich formuliert, ist das nicht fair.“

Bei der so gescholtenen Bahn blieb die WZ-Anfrage am Donnerstag ohne Antwort. Wer sollte sie auch geben? Offenbar sind fünf verschiedene Gesellschaften des Unternehmens in das Thema Uerdinger Bahnhof einbezogen.