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Uerdinger Bahnhof: Der erste Blick in die Röhre

Uerdinger Bahnhof: Der erste Blick in die Röhre

Das zweite Betonstück ist an seinem Platz. Ab Mittwoch fahren Züge erstmals über den Tunnel am Uerdinger Bahnhof.

Krefeld. Die Uerdinger schauen erstmals in die Röhre - und zwar vom Bahnhofsvorplatz in Richtung Lange Straße. Dienstag konnte ein erster Blick durch den künftigen Tunnel am Uerdinger Bahnhof riskiert werden. Bis die sechs Meter breite Röhre zu Fuß durchquert werden kann, vergehen aber noch Monate.

Früher als angekündigt ist immerhin mit dem Einschub des 23,68 Meter langen zweiten Tunnelteils begonnen worden. Lange vor Sonnenuntergang sitzt der Betonklotz da, wo er hin soll. Vor zehn Tagen ist der kürzere Tunnel von der Lange Straße aus eingeschoben worden.

Auf beiden Längsseiten verlegen vier Bagger rund 40 Meter lange Verschubbahnen aus Stahl, auf denen das Tunnelteil schließlich auf einer Schicht von Stickstoff gezogen wird. Große Pressen sind an acht an das Tunnelteil angegossene Betongriffe geschraubt worden. Meter um Meter zieht die Hydraulik das riesige Bauteil an den Verschubbahnen. Es dockt an, wo bereits Treppen und Rampen der Aufgänge zu den Bahnsteigen gegossen werden.

Am Montag um 23 Uhr hatte die Baufirma THG aus Dahlem-Baasem in der Eifel mit dem Schneiden der drei Schienenstränge begonnen und über Nacht den Damm abgetragen. Der gesamte Verkehr läuft seitdem über Gleis 1. Die Züge werden zwischen Linn und Uerdingen darauf geleitet und 500 Meter hinter dem Bahnhof Uerdingen über das dortige Weichensystem wieder auf die zwei Personenzug- und zwei Güterzuggleise verteilt.

Direkt nach dem Einschub des zweiten Tunnelteils wird mit dem Anschütten des Damms begonnen. In der Nacht zu Morgen werden die Schienen neu verlegt und verschweißt. Punkt 5 Uhr am morgigen Donnerstag muss der Verkehr wieder fließen.

Die Kolonnen der Firma THG kommen täglich aus der Eifel angereist. Die jeweils zwölf Mitarbeiter bilden eingespielte Teams. Hier kann jeder jeden Handgriff aus dem Effeff.

"Für viele Uerdinger, vor allem im Nordosten, ist der Tunnel eine enorme Erleichterung", sagt Hermann Hirschberg, von 1965 bis 1992 Mitglied der Uerdinger Bezirksvertretung, der sich unter die zahlreichen Zuschauer gemischt hat. "Und die Geschäfte in der Uerdinger Innenstadt werden das auch merken", meint er.

Bis die Auf- und Abgänge, die Tunnelverkleidung und die Eingangsbereiche fertig und für das Publikum nutzbar sind, wird es Frühjahr 2009 sein. Dann wird für die Uerdinger wahr, was mit dem Vertrag zum Zusammenschluss vor 80 Jahren schon vereinbart wurde - ein Durchgang zwischen Uerdingen-Mitte und dem nordwestlichen Stadtteil mit gut 12000 Einwohnern.