Schüler forschen sich wach

Drei Biologie-Fans der Gesamtschule Uerdingen bissen in die saure Zitrone — alles für die Wissenschaft.

Krefeld. Gähnen über dem Mathebuch, Augenreiben in der ersten Reihe, Konzentrations-Schwierigkeiten beim Test — gerade in den ersten Unterrichtsstunden gehört das in Deutschlands Klassenzimmern dazu. Und selbstverständlich nicht nur dort. Ob in der Schule oder bei der Arbeit, das Gefühl totaler Müdigkeit kennt jeder. Ihm sagten David Greck (11), Celine Borth (11) und Pia Priedigkeit (10) jetzt für den Regionalwettbewerb „Schüler experimentieren“ den Kampf an. Die drei Gesamtschüler aus Uerdingen überlegten sich verschiedene Wachmacher und probierten sie mit ihren Mitschülern durch.

Eine Klasse voller müder Schüler, das kann Bio- und Englischlehrerin Claudia Gras, die das Trio bei seinem Projekt betreut hat, jetzt eigentlich nicht mehr passieren. Denn ihre Schüler wissen, wie es morgens besser läuft. Sie probierten den Biss in die Vitamin-C-Bombe Zitrone, Musik, Turnen und Boxen aus.

Alles für die Forschung: Ein Dutzend Schüler machte morgens eine Viertelstunde vor der ersten Schulstunde zehn Hampelmänner oder „den Stern“, eine Übung mit Sprung, Armeauseinanderreißen und dem Ruf „Ich bin ein Stern“. Die Idee, auch das Boxen auszuprobieren, kam von David, der „morgens zu Hause auch auf einen Sandsack schlägt“.

Alle Wachmacher-Ideen probierten die drei Schüler in ihrem Bio-Förderband aus. Das ist ein zusätzliches Kurs-Angebot, um die Stärken von Mädchen und Jungen in diesen Fächern zu fördern. Und da die Gesamtschule einen Schwerpunkt auf die Mint-Fächer legt (also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik), gehören neben Deutsch noch Physik, Chemie, Biologie und Mathematik zu den Förderband-Fächern.

Nach Zitronen-Geschmack, ein bisschen Schwitzen mit beispielsweise drei Minuten Boxen in Kissen oder Musikhören gab es dann zum Festhalten der Wachmacher-Qualitäten einen Mathe-Test. Um die Konzentrations-Fähigkeiten zu testen, wurde „plus und minus gerechnet im Tausender-Bereich“, erzählt David. Fünf Minuten hatten alle Teilnehmer für das Dutzend Fragen Zeit. „Dann mussten sie abgeben.“

An den anderen Tagen wurde zum Vergleich zur gleichen Uhrzeit, genauso lang und mit vergleichbaren Aufgaben gerechnet, aber ohne dass vorher Wachmacher zum Einsatz gekommen waren. Das Ergebnis war eindeutig: Deutlich weniger Fehler passierten, wenn die Probanden vor dem Test Musik gehört oder Hampelmänner gemacht hatten. Beim Boxen war das Additions- oder Subtraktions-Ergebnis eine Katastrophe.

David, Celine und Pia haben deshalb morgens ein ganz klares Programm. „Ich höre beim Aufstehen und Anziehen Musik, was schnelles“, sagt Pia. Und David, der morgens eh schon boxt, hört auf jeden Fall auf dem Schulweg im Bus Musik. Und wenn Celine merkt, dass die Lieder nicht helfen, beißt sie in eine Zitrone.

So viel an guter Laune und Energie am frühen Morgen werden die drei voraussichtlich in den kommenden zwölf Monaten für ein neues Projekt einsetzen. „Wir wollen auf jeden Fall wieder mitmachen“, sagen die drei über „Schüler experimentieren“. Die ersten Ideen gibt es auch schon. Es sei nur so viel verraten: Es könnte etwas mit Spielzeugautos, Kartoffeln oder Gummibärchen zu tun haben. „Ich habe sogar schon nachgesehen, an welchem Tag der Wettbewerb ist“, ist David ganz motiviert.

Claudia Gras, die seit August an der Schule ist, freut sich: „Alle Schüler, die mitgemacht haben, wollen es wieder tun.“ Und auch Schulleiterin Brigitte Munsch ist begeistert, „wie wettbewerbsfreudig die Schüler der Gesamtschule sind“. 100 Teilnehmer beim Mathewettbewerb, 80 bei „Heureka“, dem Weltkunde-Wettbewerb, und 140 beim Englisch-Wettbewerb. „Das habe ich an anderen Schulen nicht so erlebt.“