Rittes gehen auf Rekordjagd

Bei dieser Familie dreht sich alles um den Stabhochsprung: Selbst der einjährige Tim trainiert bereits fleißig im Garten.

Uerdingen. Fast alles, was bei Familie Ritte passiert, hat irgendwie mit Stabhochsprung zu tun. Selbst der einjährige Tim übt im Garten bereits mit seinem eigenen kleinen Stab. Den hat Tim von seinem Großvater Wolfgang Ritte (61) bekommen, der sich alle Mühe gibt, die Freude am Sport weiterzugeben. „Durch die horizontale Kraft, die im Stab gespeichert wird, wird man wie ein Pfeil vom Boden in die Luft geschossen. Da hat man ein Gefühl von Schwerelosigkeit“, erklärt er seine Faszination für den Stabhochsprung.

Wolfgang Ritte selbst war 1971 deutscher Jugendmeister. Einen nicht geringen Anteil an diesem frühen Erfolg hatte sein eigener Großvater, der ihm seinen ersten Glasfieberstab geschenkt hatte. Diese wurden 1964 zum ersten Mal bei Olympia eingesetzt und waren dementsprechend teuer.

Noch heute geht Wolfgang Ritte auf Rekordjagd — und das erfolgreicher denn je. Im Mai vergangenen Jahres stellte er den Freiluft-Seniorenweltrekord von 4,32 Meter auf. Den Hallenweltrekord brach er Ende vergangenen Jahres mit 4,10 Meter. Nur, um diesen im laufenden Jahr gleich dreimal selber zu überspringen. Seitdem liegt der Senioren-Weltrekord in der Halle bei 4,13 Meter.

„Ich wollte die Bestmarke von Bubka überbieten“, verrät Ritte. Heißt: Ritte hat jetzt insgesamt drei Rekorde mehr aufgestellt als der legendäre ukrainische Stabhochspringer Sergej Bubka. „Irgendwo muss man sich ja als Oldie die Ziele setzen“, sagt der 61-Jährige, der 2008 in Monaco zum Weltseniorensportler des Jahres gewählt wurde. „Dort waren 100 lebende Legenden und ich war eine von ihnen“, beschreibt Ritte ein Highlight seiner Karriere, bei dem auch Vorbild Sergej Bubka anwesend war.

Dem Stabhochsprung hat Wolfgang Ritte aber nicht nur Rekorde zu verdanken. Auch seine Frau lernte er durch den Sport kennen, 1972 bei den Westdeutschen Meisterschaften in Dortmund. „Das war Liebe auf den ersten Blick“, verrät Ute Ritte, die damals im Mehrkampf aktiv war. Ute Ritte genießt es, dass die Familie durch die gemeinsame Passion für den Sport viel Zeit miteinander verbringt. „Als ich zum Beispiel dieses Jahr in Erfurt beim Weitsprung stand, waren alle Enkelkinder da und riefen ,Oma!’“, erzählt sie. Mit Unterstützung des Nachwuchses holte sie beim Weitsprung in Erfurt Bronze.

Tochter Tina Ritte und Sohn Thomas Ritte nehmen mit ihren Partnern ebenfalls erfolgreich an Wettkämpfen teil. „Ich war, wie mein Sohn Timmi jetzt, schon immer mit auf dem Sportplatz“, erinnert sich Tina Ritte an ihre Kindheit. Bei Bayer Uerdingen hält sie den Vereinsrekord der Frauen mit 3,80 Meter.

Den Vater ihres Sohnes Tim lernte auch sie in einer Sporthalle kennen. „Vor zehn Jahren habe ich ihr den Stab aufgehoben und sie hat mich angelächelt“, erzählt Mehrkämpfer Timo Ritte. Das Stabhochspringen lernte er von Wolfgang Ritte. „Wolfgang hat mich so lange trainiert, bis ich die 3,80 Meter von Tina gepackt habe.“

Der einjährige Sohn von Tina und Timo Ritte hat jetzt genug vom Erzählen. Er möchte jetzt in der Traglufthalle toben. „Halle“, sagt Tim knapp und deutlich. Wenn er zu Hause im Garten tobt, sagt er öfters: „Opa, guck mal.“ Und dann macht er einen Satz mit dem Stab, den sein Großvater ihm geschenkt hat.

Mehr von Westdeutsche Zeitung