Krefelder Therapiehund macht Senioren froh

Projekt : Therapiehund macht Senioren froh

Altenheim-Bewohner freuen sich über das Alexianer-Projekt „4 Pfoten für Sie“.

Meistens sitzt der 79-Jährige regungslos am Tisch des Uerdinger Altenheims Haus im Park, bewegt sich kaum und hält den Kopf gesenkt. Wenn Emma kommt, ist alles ganz anders: Die siebenjährige Golden-Retriever-Hündin zaubert ihm ein Lächeln auf die Lippen, er streichelt den Hund ausgiebig und ist lebendig.

Emma ist einer von zwei Therapiehunden von Pflegefachkraft Dana Kolatka. „Sie gehören zum Alexianer-Projekt ,4 Pfoten für Sie’. Ich bringe sie täglich mit ins Haus. Die ehrenamtliche Therapiestunde ist zweimal im Monat.“ So auch jetzt.

Drei Senioren sitzen draußen in der Sonne und geben Emma Leckerchen in Form von Knackwurst-Stückchen. „Alle haben schon früher Haustiere besessen, darauf haben wir geachtet“, erklärt Karin Grunenberg vom sozialen Dienst.

Emma hält still und genießt
die Knackwurst

Liselotte Mannke (91) ist auf einem Gut groß geworden. „Ich kenne mich mit Tieren aus. Meine zwölf Geschwister und ich hatten ganz viele Hunde. Du bist eine Süße“, sagt sie zu Emma. Die hält still und genießt die Knackwurst.

Hochspringen, an der Leine ziehen oder sonstige schlechte Manieren kann sich Emma als Therapiehund nicht erlauben. Sie muss gut auf ihren Halter hören und sich nicht von fremden Gerüchen, Geräuschen und anderen Eindrücken verunsichern lassen. Emma ist vorbildlich. „Sie hat eine gute Ausbildung hinter sich. Wesen und Gehorsam wurden zuvor getestet. Sie ist toll“, sagt die Besitzerin.

Wenn die Hunde dabei sind, verhalten sich die Bewohner des Altenheimes entspannter. Dana Kolatka: „Sie essen besser, lassen sich leichter pflegen, sind wacher, fröhlicher und sprechen mehr. Es gibt keine Konflikte, eher strahlen die Gesichter der Senioren.“ Ältere Menschen, die sich sonst kaum bücken mögen, beugen sich plötzlich zu dem Hund herunter und streicheln ihn. Emma wiederum bekomme Aufmerksamkeit und Leckerchen, berichtet sie weiter. „Der Vierbeiner bellt nicht, hat keine Angst vor Rollator oder Rollstuhl und hört auf Zeichensprache. Er befolgt das kleinste Kommando, kann Pfote geben und Vieles mehr.“ Die Fachleute wissen: „Hunde vermitteln Mitgefühl, Wärme, Geborgenheit und Sicherheit. Außerdem wird das ,Kuschelhormon’ Oxytocin ausgeschüttet, wenn Hunde gestreichelt werden. Ganz unvoreingenommen nehmen die Vierbeiner Kontakt zu den Menschen auf, spielen mit ihnen und geben ihnen liebevolle Zuwendung.“

Sitzungen dauern
rund eine Stunde

Kolatka weiß: „Die Hunde müssen sich auch wohlfühlen. So dürfen Therapiehunde zum Beispiel in der Regel nur Sitzungen von rund einer Stunde begleiten. Die Vierbeiner wohnen nicht fest in einer bestimmten Einrichtung, sondern bei mir zu Hause. Wenn sie den ganzen Tag mit mir im Heim sind, haben sie die Möglichkeit, sich ins Schwesternzimmer zurückzuziehen.“

Die 92-jährige Eva Loose findet Emma ganz lieb. „Schmeckt es?“, fragt sie den Hund, der brav ist und sich beim Fressen vor sie setzt. Streicheleinheiten begleiten die kleine tierisch gute Zusammenkunft. Manfred Bindemann (79) findet: „Wenn ich den Hund anspreche, kommt er. Er hat immer zwei offene Ohren. In ihn passt viel Futter rein“, erklärt der Senior und lächelt. Emma ist total verschmust, konzentriert sich aber dennoch auf die Patienten. Sie freuen sich auf die nächste Stunde mit Emma, die dann nur für sie da ist.

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