Hohenbudberg: Kohleanleger verschandelt Kirche

Hohenbudberg: Kohleanleger verschandelt Kirche

St. Matthias ist ein Kleinod, sagt der Küster. Die Hafenanlage darf den Blick darauf nicht versperren.

Krefeld. Eine Kirche mitten im Industriegebiet? Wer sich auf die Suche nach einem der ältesten Gotteshäuser in Krefeld macht, gewinnt schnell den Eindruck. Vorbei an der Dujardin-Brennerei geht es aus Uerdingen Richtung Friemersheim rund einen Kilometer durch den Chemiepark, ehe dann doch noch auf der rechten Seite in unmittelbarer Rheinnähe ein Kleinod auftaucht: der erstmals 1150 erwähnte Kirchbau St. Matthias Hohenbudberg.

"Ist das nicht schön hier?", fragt Küster Wolfgang Hermanns gerne Besucher, die das erste Mal den Weg zu ihm gefunden haben. Widersprechen wird ihm kaum jemand.

Lange Zeit, wie sich der 74-Jährige erinnert, "schwebte das Damoklesschwert der Schließung" über St. Matthias, der mit sieben Mitgliedern kleinsten Pfarre im Bistum Aachen.

Das ist zwar Jahre her, doch Hermanns erzählt immer wieder gerne, wie sich Bischof Hemmerle damals für St. Matthias einsetzte. "Und mit der Zusammenlegung zur Großgemeinde St.Nikolaus Anfang dieses Jahres ist das Thema jetzt endgültig vom Tisch."

Wer Hermanns über "seine" Kirche erzählen hört, kann nachvollziehen, wie sehr ihn die damalige Diskussion mitgenommen haben muss. St. Matthias ist zur Lebensaufgabe geworden für den ehemaligen "Liewerbaas", wie die Warenkontrolleure in der Samtweberei genannt wurden.

Kein Wunder, dass der "Hohenbudberger Jong" beim Thema Kohleanleger nur den Kopf schütteln kann. "Das würde doch nur die Sicht verschandeln."

Ein Kohlekraftwerk, da ist er sich sicher, "brauchen wir hier nicht". Gegen die Industrie in der Nachbarschaft habe er aber nichts, betont er schnell, mit Blick auf die Fabrik auf der anderen Straßenseite.

Als in den 50er-Jahren das Dorf Hohenbudberg, in dem einst 1500 Menschen lebten, abgebaut wurde, "waren das ja nicht die bösen Bayer-Werke", sagt Hermanns.

"Viele hier haben gerne verkauft, schließlich wurde auch gut bezahlt." Der Bayer-Werkschutz habe heute auch ein Auge auf St. Matthias. "Wenn mal wirklich was in der Kirche passieren sollte, sind die einfach schneller da."

Fans habe St. Matthias jedenfalls genug, erzählt Hermanns stolz. Hochzeitspaare etwa liebten das Ambiente. "Ob Pfarrer oder Musik, die dürfen auch alles mitbringen - nur den Küster nicht."

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