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Gellep-Stratum: Der Standstreifen der Datenautobahn

Gellep-Stratum: Der Standstreifen der Datenautobahn

Eine Initiative aus Anwohnern und Firmen versucht, trotz der Randlage im Stadtteil einen Internetzugang über VDSL zu erhalten.

Krefeld-Gellep-Stratum. Zwischen Gellep-Stratum und der Krefelder Innenstadt liegen Welten. Zumindest, wenn man die Geschwindigkeit als Maßstab nimmt, mit der in den beiden Stadtbezirken im Internet gesurft werden kann. Während im Zentrum flächendeckend der Zugang zum VDSL-Netz der Telekom verfügbar ist, wurde der östliche Stadtteil beim Ausbau der modernen Leitungen nicht berücksichtigt.

VDSL ist die Bezeichnung für die derzeit schnellste Form der Datenübertragung mittels moderner Glasfaserkabel (siehe Infobox). Mehrere Gewerbetreibende sowie Gellep-Stratumer Privathaushalte hätten künftig allerdings gerne einen Anschluss an diese Datenautobahn.

„Es gibt eine Initiative die versucht, VDSL für unseren Stadtteil verfügbar zu machen“, sagt Klaus Jagusch, Vorsitzender des Bürgervereins Gellep-Stratum. Er weiß von etwa 200 Personen, die Interesse hätten — darunter auch mehrere Firmen aus dem Hafenbereich.

Man habe bereits Kontakt zu Oberbürgermeister Gregor Kathstede aufgenommen und bei der Telekom als möglichem Anbieter nachgefragt. Der Konzern wirbt damit, bereits 55 Großstädte in Deutschland mit VDSL zu versorgen. Auch Krefeld findet sich darunter — nur eben nicht flächendeckend.

Die Chancen für den Zugang zum High-Speed-Netz stehen für die Gellep-Stratumer indes schlecht: Wirtschaftlichkeit in Form vieler Kunden ist Voraussetzung dafür, dass Anbieter wie die Telekom die teuren Leitungen verlegen. „In der Regel werden Stadtbezirke abseits des Zentrums nur dann erschlossen, wenn die Gemeinde einen Zuschuss gewährt“, sagt Telekom-Sprecher André Hofmann der WZ. Das Risiko ungedeckter Kosten will man so umgehen. In der Praxis hänge die Beteiligung an öffentlichen Ausschreibungen ab von der Anwohnerdichte eines Gebietes.

Ärgerlich ist das für Firmen und Personen, die am Rand einer solchen Zone liegen, wie Dirk Lenz berichtet. Seit sechs Jahren befindet sich das zentrale Büro des Versicherungsmaklers in Gellep-Stratum. „Ich habe alle Anbieter und Varianten durch — eine Verbesserung gab es nie“, sagt er. Seine Nachbarn auf Sichtweite an der Düsseldorfer Straße würden bereits mit der schnellen Verbindung versorgt.

Auch die im Hafen ansässigen Firmen der Industrie-Vereinigung Krefeld-Uerdingen und Rheinhafen würden das schnelle VDSL gern nutzen. „Unsere Mitgliedsfirmen halten die Versorgung nicht für perfekt“, fasst Geschäftsführer Christian Schmidt zusammen. Man unterschreibe daher die Anfragen des Bürgervereins bei Verwaltung und Telekom.

Dort verweist man auf die fehlende öffentliche Ausschreibung der Stadt. Eigens für solche Zwecke hat die Telekom eine „Bürgermeister-Hotline“ eingerichtet. Gregor Kathstede plant nicht anzurufen: Das Presseamt verweist auf leere Kassen: „Es stehen keine Haushaltsmittel bereit, um perspektivische Maßnahmen der Telekom zu unterstützen“. Die Initiative aus Gellep-Stratum ist enttäuscht. „In der Nachbargemeinde Meerbusch-Nierst kam das Geld aus dem Konjunkturpaket II“, sagt Jagusch.

Die Stadt kontert mit dem Argument, auf dem gesamten Krefelder Gebiet seien für VDSL keine Mittel des Konjunkturpakets verwendet worden. Dies gelte somit auch für Gellep-Stratum.

So wird für die Randbezirke der Stadt das Surfen im Internet in maximaler Geschwindigkeit — zumindest was VDSL angeht — wohl ein unerfüllter Wunsch bleiben.