Für die Gags geht’s ins Kloster

Für die Gags geht’s ins Kloster

Seit zehn Jahren bilden zwei Frauen das Frauen-Kabarett Krefeld. Die meisten Fans gibt es in Oppum.

Oppum. Frivol, kompetent, katholisch - auch dafür stehen die Initialien FKK, dem Frauen-Kabarett Krefeld. Seit zehn Jahren nimmt das Duo Ute Lindemann-Degen und Helga Klingbeil-Weber die Beziehung zwischen Mann und Frau aufs Korn.

Kinder, Küche und Kirche bieten genug Potential für ihre Anekdoten: Die intelligente Waschmaschine mit "Fuzzylogic"-Funktion kann fast alles, auch die Libido stimulieren und im letzten Waschgang mit Weihwasser spülen.

Bei "Rent-a-man", dem Kaufhaus mit besonderem Service, zeigt frau auf einen schönen Kerl und nimmt ihn mit nach Hause. Wer es nötig hat, kann beichten, ganz bequem vom Sofa aus, dank Beicht-Hotline. "Dieser Gag war ursprünglich als Satire gedacht", erzählt Ute Lindemann-Degen. "Er ist von der Realität eingeholt worden."

Doppeldeutigkeit und Sprachwitz seien ihre Stärken, sagt Klingbeil-Weber. Lindemann-Degen fügt hinzu: "Wir gehen nicht an die Comedygrenze." Eher verlege man sich auf Texte, bei denen das Lachen im Hals stecken bleibt, so auch bei dem Programm "Je länger, je lieber".

Zum dritten Mal spielt das Duo in der Auferstehungskirche an der Buschdonk. "In Oppum haben wir eine richtige Fangemeinde." Deshalb wird es ein "Best of" aus früheren Aufführungen geben. Lindemann-Degen, die in Oppum wohnt, ist eigentlich Lehrerin, Klingbeil-Weber diplomierte Ernährungswissenschaftlerin. Als vor zehn Jahren ein Finanzschock das Bistum Aachen erschütterte, waren sie Kolleginnen und arbeiteten als Fachbereichsleiterinnen in der Erwachsenenbildung der katholischen Kirche. "Für uns gab es verschiedene Möglichkeiten, mit der Situation umzugehen: Kündigen, Alkohol oder Humor", erinnert sich Lindemann-Degen. "Wir entschieden uns für Humor." Also schrieben sie ein Stück, brachten es auf die Bühne und waren überrascht, als sie von Anfragen überschüttet wurden.

Was ursprünglich als Eintagsfliege angelegt war, entwickelte sich zum Dauerbrenner. Für 2010 haben sie bereits jetzt "ganzjährig jede dritte Woche einen gebuchten Auftritt". Alle zwei Jahre bringen sie ein völlig neues Programm auf die Bühne. Ihre Ideen finden sie im täglichen Leben. Ständiger Begleiter ist ein Notizbuch, in das die Frauen ihre Ideen und Gedanken notieren.

Viel Zeit für gemeinsames Ausarbeiten haben die Frauen nicht. Beruflich sind beide der Erwachsenenbildung treu geblieben. In ihrer Freizeit spielt Lindemann-Degen Saxofon und liebt lange Spaziergänge zusammen mit ihrem Mann und dem Hund am Rhein. Klingbeil-Weber ist Bildungsreferentin auf Bundesebene und ist viel auf Reisen. Einmal im Jahr gehen die Kabarettistinnen in Klausur, um an ihrem nächsten Programm zu arbeiten. Dafür suchen sie die Stille im Kloster.

"Ute ist punktgenau und sprachgewandt", sagt Helga Klingbeil-Weber. "Helga ist extrovertiert und knüpft für uns die Kontakte", beschreibt Ute Lindemann-Degen ihre Bühnen-Partnerin. Beide sind verheiratet und haben erwachsene Kinder. Über ihre Männer sagen sie: "Sie sind unsere größten Fans und Kritiker zugleich."