Die MS Wissenschaft liegt in Uerdingen vor Anker

Forschung : Die MS Wissenschaft liegt in Uerdingen vor Anker

Bis Donnerstag bietet das Ausstellungsschiff von 10 bis 19 Uhr Informationen zur Künstlichen Intelligenz.

Am 16. Mai startete das Ausstellungsschiff MS Wissenschaft von Berlin aus seine Reise durch Deutschland und Österreich. Früher als Frachtschiff mit Kohle und Containern beladen, beherbergt es heute wissenschaftliche Exponaten zur Künstlichen Intelligenz (KI) und ein schwimmendes Science Center.

2017 wurde einem Roboter in Saudi-Arabien die Staatsbürgerschaft verliehen. Die KI mit dem Namen Sophia sieht aus wie ein Mensch, spricht wie ein Mensch und erkennt Gesichter. Dieses Beispiel macht deutlich, wie weit sich die KI seit ihren Anfängen entwickelt hat und wie sehr sie mittlerweile in unseren Alltag integriert ist. Auf der MS Wissenschaft erfährt man einiges zum Entwicklungsstand. So zum Beispiel, dass in den Jahren 1822 bis 1837 die erste Rechenmaschine entwickelt wurde: Die Geburtsstunde der KI.

Die KI fing 1822 mit einer Rechenmaschine an

Ein Topseller an Bord ist unter anderem die Station „Hey KI, wie siehst du denn aus?“. In einem einfachen Computerspiel sollen KI-Charaktere dargestellt werden. Die Besucher setzen sich dafür VR-Brillen auf und sind dadurch in direktem Kontakt mit den Avataren. „In dem recht simplen Computerspiel soll verdeutlicht werden, wie das Erscheinungsbild der KI unseren Umgang mit ihr beeinflusst“, erzählt die studierte Neurolinguistin Lena Adel. Sie selbst lernt während der Tour so einiges über die Formen und Möglichkeiten der KI. Ebenfalls mit der VR-Brille ausgestattet ist die Station mit einem autonomen Auto. Der Teilnehmer sieht sich verschiedene virtuelle Szenarien an und erlebt, wie das Auto reagieren würde. Dadurch  soll sich zeigen, inwieweit die Menschen dem neuartigen System Vertrauen entgegenbringen. Der Besucher Wolfram Dürr sieht hier eine Gefahr: „Wenn ein Auto auf einen jungen Mann und einen Rentner zusteuert, woher soll es wissen, wem es eher ausweichen muss?“ Dennoch beeindrucken ihn „die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der KI“. Und diese können auf dem 100 Meter langen Binnenfrachtschiff greifbar gemacht werden – doch soll auch zum Nachdenken angeregt werden.

An der hinteren Innenwand des Schiffes können die Besucher im Nachgang zur Ausstellung aufschreiben, wie sie die Künstliche Intelligenz einschätzen und erleben. Und was ist der erste Gedanke zum Thema? „Abhängigkeit“, „Verdummung“ und vor allem „Roboter“ sind zu lesen. Auf vielen der aufgehängten Zettel sind Fragezeichen aufgemalt — soll hiermit eine bestehende Unsicherheit in Bezug zur KI sichtbar gemacht werden? Dass viele Fragen zu klären sind, zeigen auch die Aktionspostkarten. Hier sind Fragen aufgedruckt: „Wo kommen wir denn da hin, wenn Maschinen Forschungsfragen beantworten?“, „. . ., wenn Computer unsere Autos fahren?“ oder „. . ., wenn Roboter uns operieren?“

Roboter werden den Menschen immer ähnlicher

Initiiert von der Initiative „Wissenschaft im Dialog“ und im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, sind auf der MS Wissenschaft Exponate von Instituten, Hochschulen und anderen Partnern versammelt, um den aktuellen Stand der KI zu präsentieren. Dazu gehört, neben den benannten, auch der „Roboter NAO“. In Krefeld war er aus technischen Gründen nicht aktiv. Er könnte jedoch vor Ort programmiert werden. Der Roboter trat 2006 das erste mal an die Öffentlichkeit und war bereits bei der Weltmeisterschaft des Roboterfußballs dabei.

36 Prozent der Aktionsteilnehmer sehen die Zukunft optimistisch

Es finden sich neben interaktiven Mitmachmöglichkeiten, zudem auch textbasierte Informationen zu verschiedenen Aspekten. Eindrucksvoll sind die aufgeführten Schlagzeilen aus Zeitungen, die mit Erläuterung an einer Stellwand hängen. Dazu gehört diese: „Wenn Waffen selbst über Leben und Tod entscheiden.“ Interessant sind jedoch auch die Schlagzeilen, die Besucher (vor allem Schulgruppen) selbst an eine Tafel schreiben konnten. Diese würden sie gerne lesen: „KI kann Musikstile vorhersagen“ oder auch „Durchbruch der KI-Forschung gelungen?“ Wie auch immer hier die Antwort lautet, eines ist nach einem Rundgang auf dem Schiff klar: Die KI entwickelt sich immer weiter und findet immer mehr Einsatzmöglichkeiten.

Im Zuge der Aktion werden die Eindrücke der Besucher gesammelt. 36 Prozent gaben bisher an, dass sie der Zukunft mit KI-Technologien optimistisch gegenüberstehen. Doch wollen 75 Prozent von ihnen darüber im klaren sein, wo KI eingesetzt wird.

Mehr von Westdeutsche Zeitung