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Die einzigartige Herbertz-Bibliothek soll der Nachwelt erhalten bleiben.

Heimatbund Uerdingen : Als Bettlektüre völlig ungeeignet

Die 1600 Bände der Herbertz-Bibliothek sollen aufgearbeitet und digitalisiert werden.

. Vor etwa drei Jahren wurden die rund 1600 Bände der wertvollen Herbertz-Bibliothek das letzte Mal einzeln abgestaubt und die ledernen Buchrücken eingefettet. Das war beim Umzug vom Brempter Hof in die neue Bleibe des Uerdinger Heimatbundes, dem Bügeleisen Am Zollhof. Seitdem steht die in dieser Geschlossenheit am Niederrhein wohl einzigartige Hausbibliothek in mehreren Vitrinen. Jetzt soll die Kostbarkeit fachgerecht aufgearbeitet und digitalisiert für die Nachwelt erhalten werden – eine Mammutaufgabe.

„Wir haben uns bei den Fachleuten der Universitätsbibliothek Göttingen Rat geholt“, berichtet Heimatbund-Vorsitzender Elmar Jakubowski. „Es ist Zeit, unsere Bände nicht nur zu hüten, sondern wissenschaftlich zu betrachten.“ Die Bibliothek umfasst einen ganzen Kosmos des Wissens. Sie ist ein literarisches Kleinod. Die Erscheinungsjahre liegen zwischen 1513 und Ende des 19. Jahrhunderts. Dem Inhalt nach reichen die Bücher aber bis ins Alte Testament und zu den Griechen und Römern. Fast alle sind Leder auf Holz gebunden.

Band für Band scheint
für die Ewigkeit gebunden

Da ist beispielsweise der mehrere Kilo schwere, über zehn Zentimeter dicke und für eine Bettlektüre völlig ungeeignete Band des „Corpus Iuris Canonici“, der Sammlung von römisch-katholischem Kirchenrecht von 1614, die ab dem Mittelalter nach und nach geschaffen wurde.

Von 1753 ist das kleine Buch, das über den „Koophandel von Amsterdam“ erzählt. „Met Privilegie van de Heeren Staaten von Hollandt en West-Vriestlandt“. Das zeugt von den Handelsbeziehungen der Familie Herbertz. In deutscher Schrift ist die „Religionsgeschichte der Kölnischen Kirche“ unter dem „Erzbischöflichen und Churfürsten Herman Grafen von Wied“ verfasst.

Band für Band scheint für die Ewigkeit gebunden. „So soll es bleiben“, sagt der Vorsitzende. „Der Wert ist unschätzbar.“ Alte Bibeln, Brevire, Lexika, Atlanten und das viel geachtete Goethe-Werk „Ausgabe letzter Hand“ stehen Seite an Seite. Außerdem gibt es den in Pergament gebundenen Band eines römischen Schriftstellers, 1660 in Amsterdam gedruckt. Aus dem Jahr 1523 stammt der mächtige Band „Jüdischer Altertümer“ des Flavius Josephus, ein Regal weiter befindet sich das älteste Buch der Sammlung, der aus dem Jahre 1513 stammende „Catalogus Sanctorium“ von Natalikus.

Eine Besonderheit für Literaturliebhaber dürften sicherlich die beiden handschriftlichen Exemplare von 1783 sein, die „Scripta Philosophica“ des Adamo Contzen.

Alle Bücher tragen auf einer der vorderen Seiten den kleinen gedruckten Vermerk „Stadt Uerdingen am Rhein“. Heimatbund-Vorsitzender Jakubowski sagt: „Das stammt noch aus der Zeit, als Uerdingen selbstständig war. Damals hat die Stadt die beiden äußeren Herbertz-Häuser am Marktplatz gekauft und die darin enthaltene Bücherei der Familie von Peter Martin Ignatz Herbertz an den Heimatbund gegeben.“