"Die Deichsanierung ist nur eine halbe Sache"

"Die Deichsanierung ist nur eine halbe Sache"

Die Uerdinger fühlen sich vernachlässigt. Auf ihrer Seite des Walls verändert sich nichts zum Schöneren.

Krefeld. Der Uerdinger Rheindeich wird erneuert. Nach zehn Jahre langer Planung haben die Bauarbeiten jetzt begonnen. Im Moment ist der Deich eingezäunt und nicht mehr begehbar. Promenieren können sollen die Uerdinger und andere künftig auf einer neuen, auf fünf Meter verbreiterten und einen Meter höheren Deichkrone. Auf 630 Metern wird der Flutschutz umgebaut. Kosten: 3,13 Millionen Euro. 80 Prozent der Kosten übernimmt das Land, den Rest, immerhin 626 000 Euro, zahlt die Stadt. Aber einen Schönheitsfehler hat die Sanierung, der vielen Uerdingen beim WZ-Mobil am Mittwoch am Marktplatz quer im Magen liegt. Der Park zur Altstadt hin wird nicht mitgestaltet, die Landseite des Deiches profitiert optisch nicht vom Umbau. Bekommen die Uerdinger also trotz jahrelanger Planungsphase nur einen halb sanierten Deich?

Waltraud Mertenschledde ist gebürtige Uerdingerin, hat hier ihr ganzes Leben verbracht. „Als ich Kind war standen hier riesige Bäume auf dem Deich“, erinnert sie sich. „Aber jetzt sind hier so viele Bäume weggekommen, ich weiß gar nicht, wie das hier wieder grün werden soll“, sagt sie.

Sorgen macht sich Mertenschledde auch um die Luftqualität in Uerdingen, für die die Bäume ihrer Meinung nach eine wichtige Rolle gespielt haben. „Wir haben durch die Fabriken nicht unbedingt die beste Luft“, sagt sie. Das Sanierungsvorhaben findet sie wichtig, enttäuscht ist sie aber vom relativ geringen Umfang der Arbeiten. Sie fragt sich: „Was wird in Krefeld eigentlich mal von vorne bis hinten richtig gemacht?“

„Es fehlt ein Gesamtkonzept“, schimpft Hans-Joachim Kreymann. „Vor sieben Jahren hätte man das noch gescheit hinbekommen.“ Der Deich sei immer ein beliebtes Ausflugsziel für alle Krefelder, gibt der Uerdinger zu bedenken.

Eine Passantin, die ihren Namen nicht nennen möchte, fordert vor allem einen Radweg auf dem Deich ein. „Dann könnte man fast von Linn bis nach Duisburg über den Deich fahren.“ Als Vorbild nennt sie die vor kurzem abgeschlossene Deichsanierung in Meerbusch. Von dort könne man bereits jetzt bis Düsseldorf durchradeln.

Walter Plücken bedauert vor allem, dass die Deichkrone jetzt bis zum Abschluss der Umbauarbeiten im Dezember eingezäunt sein wird. „Es ist schade, dass ich jetzt den ganzen Sommer keine Schiffe mehr gucken kann“, sagt er. „Die Promenade ist mein zweites Wohnzimmer.“ Aber nicht allen ist der Deich so ans Herz gewachsen. „Ich war schon 20 Jahre nicht mehr am Rhein“, sagt Karin Curtis. Die halbe Deichsanierung hält sie typisch für Krefeld. „Ist wie immer“, lautet ihr knapper Kommentar .Einen versöhnlichen Vorschlag macht der Schüler Eric Rudolph. „Die Stadt könnte woanders sparen und die Bürger sollten für den Park spenden.

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