Der Schutzmann in Deinem Bezirk (3): Die Stoppsteine im Burgstädtchen

Der Schutzmann in Deinem Bezirk (3): Die Stoppsteine im Burgstädtchen

Im Team der Rheinbabenstraße arbeitet die einzige Frau unter den 35 Bezirksbeamten.

Krefeld-Linn/Oppum. Diese Tür! Gleich rechts hinter dem Eingang der Bezirksverwaltungsstelle an der Rheinbabenstraße im alten Linn: "Polizei" steht auf einem Zettel. Die Tür hat einen Spion, wie Oma einen hatte. So alt wie sie ist nicht nur die Tür: Fenster, Fliesen, das ganze Haus. Als die Tür aufgeht, erscheint das freundliche Gesicht von Peter Kolominski. Der Polizeihauptkommissar ist als Dienstältester Leiter des Bezirksteams Linn/Oppum. Hinter ihm an Schreibtischen: Oberkommissar Klaus-Dieter Spring und Oberkommissarin Sylke Welter-Gräfe, die einzige Frau unter den derzeit 31dienstfähigen Bezirkssheriffs in Krefeld. Eigentlich sind es 35, aber vier sind dauerkrank.

Kolominski - klar, der Mann kommt aus dem "Pott", aus Gelsenkirchen. Seit 1971 arbeitet er in Krefeld. 26 Jahre Wach- und Wechseldienst, und immer noch ist er mit derselben Frau verheiratet. Dem Sohn hat er vom Polizeiberuf abgeraten: "Ich wollte nicht, dass er den ganzen Mist sieht."

Vor acht Jahren ist Peter Kolominski vom Innenstadt-Dienst (Bahnhofsgegend) zum Bezirksteam nach Linn gestoßen. Obwohl er auch für den Oppumer Bahnhof zuständig ist (den teilt er sich mit seinem Kollegen Spring), hat "Kolo" seither wenig "Mist" gesehen: In seinem Bezirk ist die Welt in Ordnung. Gewohnt hat der 62-Jährige ("im Juli 2013 ist Schluss") immer in Moers.

"Bordstein - Stoppstein. Das trichtern wir den Kindern in den Kitas und den Grundschulen immer wieder ein", berichtet Klaus-Dieter Spring von der Präventionsarbeit. "Dann hat ein i-Dötzchen zu mir gesagt: Tach, Herr Stoppstein. Das ging mir runter wie Öl." Für andere Knirpse ist er der "Herr Frühling". "Ich habe mich oft vorgestellt als ,Spring, das ist Englisch und heißt Frühling." Die "Stoppsteine" von der Rheinbabenstraße haben zwölf Kindergärten, aber nur noch drei Grundschulen in ihren Revieren.

Der "Frühling" ist am 6. September 2004 an der Rheinbabenstraße eingezogen, als letzter des aktuellen Bezirksteams. Alsbald musste er lernen, dass die Stadtverwaltung mit der Polizei bisweilen hölzern umgeht. Parkplätze werden den Linner Schutzleuten nicht zugestanden, die Miete für die Polizeidienststellen in den Bürgerservice-Büros kassiert die Stadt aber gerne. "Wir parken alle außerhalb. Im Ortskern ist die Stadt flott mit Knöllchen", weiß der Oberkommissar.

Angefangen hat er beim Bundesgrenzschutz und als Ausbilder in Köln den "Helden von Mogadischu", Ulrich Wegener (BGS-Kommandeur des Sondereinsatzes zur Befreiung der Lufthansa-Maschine "Landshut"), erlebt. Von 1983 bis 1990 sicherte er die deutsch-deutsche Grenze mit der Maschinenpistole. "Es war die Zeit der Pershing II und Friedensdemos." Da begannen in Krefeld, insbesondere auf der "Rhenania-Allee", die Lichter auszugehen. "Die wilden Jahre in Krefeld waren die 70er", erinnert sich Peter Kolominski, der damals in der Innenstadt Streife ging. Bordelle und Zuhälterei, Mord und Totschlag viel häufiger als heute.

Sylke Welter-Gräfe ist seit siebeneinhalb Jahren für Linn und Gellep-Stratum zuständig. Ihr Gebiet ist riesig, das Dienstfahrrad, dass sie sich mit den Kollegen teilt, ist von 1994. "Seit Schließung des Asylbewerberheims an der George-C.-Marshall-Straße ist es ruhig geworden in Linn", sagt sie und fügt hinzu: "Die Bewohner waren aber ganz nett."

Nun zieht wieder St. Martin durch Linn. Das kann einen "Dorfsheriff" herausfordern. Vor zwei Jahren nahm St. Martin auf seinem Pferd am Memeler Platz plötzlich einen anderen Weg als die Kinder mit ihren Laternen. "Er nahm die Abkürzung zum Feuer", erinnert sich die Oberkommissarin mit dem schwarzen Zopf. "Wenden ging nicht mehr. Ich glaube, der wollte auch nicht."

Dann war noch die Geschwindigkeitsmessung auf der Rheinbabenstraße. 20 Stundenkilometer sind auf dem Pflaster erlaubt. Alle Autofahrer hielten sich daran. Ein Radiosender meldete die Kontrolle "blitz"-schnell. Sylke Welter-Gräfe muss jetzt wieder lachen: "Die Sprecherin sagte: "Blitzer auf der Rhabarberstraße."

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