Das Denkmal Klärwerk ist ein Bild des Jammers

Das Denkmal Klärwerk ist ein Bild des Jammers

Das alte Uerdinger Klärwerk verrottet zunehmend im hundertsten Jahr seines Bestehens.

Uerdingen. Es ist ein Bild des Jammers: Die einst vorbildliche Architektur des alten Klärwerks am Rundweg, seit 1984 unter Denkmalschutz, vergammelt. Der Beton bröckelt, Putz und Farbe blättern, die Eisenkonstruktionen korrodieren. Einige Fenster sind eingeworfen, der Boden ist übersäht mit Glasscherben und Taubenkot. Die unteren Fenster sind von außen mit großen Blechen verrammelt, gelocht, damit Luft durchzieht.

Durch das jetzt hundert Jahre alte Klärwerk am Ende des Rundwegs, direkt zwischen Bahn und Hundesübungsplatz, vom Sträucher-Urwald notdürftig freigeschnitten, führt Denkmalpfleger Gerhard Hanisch eine Gruppe der Volkshochschule. Neben der Architektur von Jörg Bruggaier, der später auch das Stadtwaldhaus und den Schirrhof gebaut hat, ordnet er den Bau der Anlage in die deutsche Hygiene-Geschichte des 19. Jahrhunderts ein.

Der alte Haupteingang in Bogenform ist geschlossen. Darüber prangt ein Wappen mit der Jahreszahl 1909 und einer Figur, die auch vom Denkmalpfleger nicht zu identifizieren ist: Dionysius, Petrus, ein anderer Heiliger?

Durch einen Seiteneingang gekommen, staunt die Gruppe der Besucher über die 17 Meter hohe Halle mit parabelförmigen Stahlbetonträgern und den Resten der Technik. Gerhard Hanisch ist erschrocken darüber, wie der Verfall des Gebäudes voranschreitet, auch durch Sachbeschädigung.

Im nicht ganz so hohen Pumpenhaus haben ab 1982 Keramiker gearbeitet, zwischenzeitlich ein Glasbläser, dann bis vor zehn Jahren die Töpferinnen der Gruppe "Feuerfest", die zum Inrath abwanderte. Seitdem ist das alte Klärwerk tot - bis auf den Ventilator. Was könnte man damit alles machen? Gerhard Hanisch dämpft die Euphorie der spontanen Vorschläge: abgelegen, keine Parkplätze, Eisenbahnlärm, an der Zufahrt Nachbarn, die keine Ruhestörung wollen.

Das Denkmal kann man kaufen, aber nur mit einem schlüssigen Nutzungskonzept. Gerade ist die Stadt wieder mal im Gespräch mit einem Interessenten aus Krefeld. Dessen Pläne sind allerdings in keinster Weise ausgegoren.