Beim WZ-Mobil in Uerdingen: „Wir brauchen die Bücherei“

Beim WZ-Mobil in Uerdingen: „Wir brauchen die Bücherei“

Am WZ-Mobil sind die Meinungen eindeutig: Eine Schließung der Bücherei kommt nicht in Frage.

Krefeld-Uerdingen. "Mich berührt die mögliche Schließung sehr", sagt Ursula Mende. "Es ist wichtig, vor allem junge Menschen mit Büchern in Berührung zu bringen. Und die mögliche Ersparnis erscheint mir doch sehr gering."

Helmut Jansen nutzt die Bücherei regelmäßig. "In die Mediothek würde ich bestimmt nicht so oft fahren." Er findet es unzumutbar, dass viele gezwungen wären, eine Fahrkarte zu kaufen. "Ich wäre aber bereit, eine höhere Ausleihgebühr zu bezahlen." Für Kinder und sozial Schwache dürfte es allerdings nicht teurer werden.

Entsetzt über den Plan ist Anja, die mit Sohn Vincent gekommen ist: "Soll die Schließung im Rahmen der Bildungsoffensive erfolgen?", fragt sie. "Sollte es so weit kommen, werden wir garantiert in die Nachbarstädte und nicht nach Krefeld ausweichen."

Beim WZ-Mobil haben sich auch viele Kinder und Jugendliche zu Wort gemeldet. "Das ist einfach nicht fair", sagt Michael (10). "Ich kann nicht zu Fuß zur Mediothek gehen, aber ich brauche die Bücher oft für Hausaufgaben." Alexandra (13) und Lea (14) finden die Bücherei "um die Ecke" einfach praktisch. "Zur Mediothek ist es zu weit." Deutliche Worte findet auch Tobias (10): "In der Schule habe wir Kinderrechte durchgenommen", erzählt er. "Und der Zugang zu Büchern gehört dazu." Er geht vor allem zu den Bastelaktionen in die Bücherei "und wenn etwas vorgelesen wird". Das macht auch Nadine (8) am meisten Spaß. "Es ist schade", sagt ihre Mutter Monika Zimmermann. "Kinder lernen das Zuhören, wenn man ihnen etwas vorliest."

Auch die regelmäßige Bücherei-Nutzerin Waltraud Mertenschledde ärgert sich: "An den kleinsten Dingen wird gespart", sagt sie. "Man sollte lieber gucken, was von den wirklich teuren Sachen vielleicht überflüssig ist."

Erna Sander hat sogar einen Sparvorschlag: "Man sollte lieber den König-Palast abreißen, der verschlingt Millionen", sagt sie. "Der Staat kann nicht dauernd bessere Bildung fordern und dann ausgerechnet eine Bücherei schließen, die im Verhältnis fast nichts kostet."

"Die Politik muss sich genau überlegen, wie sie es in der Frage mit der Bürgernähe hält", sagt Wolfgang Hermanns. "Der Oberbürgermeister ist Lehrer. Gerade ihm müsste klar sein, wie wichtig der Zugang zu einer Bücherei ist." Sie müsse erhalten bleiben, daran führe kein Weg vorbei.

Für Ursula Zapfe wäre die Schließung ein großer Verlust für Uerdingen. "Ich bin sicher, dass viele Leute nicht zur Mediothek fahren werden, weil es auch zu teuer ist." "Für das Geld, was eingespart würde, ist die Idee der Schließung ein Witz", findet Herbert Böhmer. "Schade, dass so auch noch das letzte bisschen Kultur in Uerdingen verschwindet", sagt Gabriele Schommer.

Brigitte Küppers ist im Förderverein der Heinrichschule und seit ihrer Kindheit Nutzerin der Bücherei. "Lesen ist etwas zum Anfassen. Das ist ein Erlebnis, das man nicht vergisst. Wenn wir mit den Kindern hier sind, findet das einen Riesenanklang." Auch Sohn Johannes (7) geht gerne in die Bücherei. Sabine Alofs ist Lesemutter an der Heinrichschule. "Dabei erfährt man, dass viele Kinder zu Hause gar keine Bücher haben." Ohne die Bücherei hätten sie überhaupt keinen Zugang zu Medien.

"Ich sehe so viele Kinder, die mit Stapeln von Büchern aus der Bibliothek kommen. Wie sollen die Kinder denn zur Mediothek kommen?", fragt Ilse Damsky. "Der Einzugsbereich ist doch so groß hier", sagt Käthe Sieberath. "Warum soll man die Bücherei schließen?"

"Die müssen ja die Bücherei nicht komplett schließen, wenn die Stadt sparen muss", schlägt Uschi Boeker vor. Vielleicht reiche es ja, wenn sie nur einmal die Woche, dafür aber einen ganzen Tag geöffnet habe.

"Wenn wir in die Krefelder Innenstadt müssten, wäre das ungünstig. Viele ältere Leute können die Bücher nicht so weit tragen", sagt Ingrid Naeder. Sie lobt die Mitarbeiterinnen in Uerdingen. "Wenn ein Buch hier einmal nicht erhältlich ist, wird es sofort bestellt."

"Man sollte die momentane Empörung nutzen: Der beste Protest ist einfach, jetzt noch mehr auszuleihen", findet Uwe Rutkowski.