Theaterstück hat an der Maria-Montessori-Gesamtschule Premiere

Schultheater : Wie egoistisch ist die Gesellschaft?

Lehrer und Schülerin schreiben das Theaterstück „Zweiter Kreis der Hölle“. Am Freitag, 29. März, ist Premiere.

. Der rote Vorhang geht auf. Plötzlich ertönt der Song „Hells Bells“ von der Hard-Rock Band AC/DC und die Scheinwerfer richten sich auf die Bühne. Neun Leichen im weißen Gewand liegen barfuß in Reih und Glied. Zwischen ihnen steht Lilith, die Herrin der Hölle (Aurora Aloisio), und trägt ein feuerrotes Kleid. Ein paar Mal spaziert sie hin und her und begutachtet die Leichname. Unter ihnen befinden sich ein Model, ein Geschäftsmann sowie ein Pärchen. Ihr Todestag ist derselbe, doch die Art und Weise, wie sie starben, könnte nicht unterschiedlicher sein.

Mord, verhungert oder etwa doch ein blöder Zufall, der mit dem Tod endete? Sind die Protagonisten wirklich unschuldig oder hat jeder ein dunkles Geheimnis, gar eine Todsünde begangen? Und was passiert eigentlich, wenn sich neun von Grund auf verschiedene Persönlichkeiten zusammen in einem Raum wiederfinden, der die Hölle zu sein scheint? All diese Fragen werden am Freitag, 29. März, bei der Premiere des Stückes „Der zweite Kreis der Hölle“ in der Aula der Bischöflichen Maria-Montessori-Gesamtschule beantwortet.

Das moderne Stück
spielt im Jahr 2016

56 Schülerinnen und Schüler des Literaturkurses arbeiten seit Anfang des Schuljahres an dem Theaterstück. Raimund Schücker-Hermanns, Lehrer des Literaturkurses, und die 18-jährigen Schülerin Elena Gehlings haben das moderne Stück, welches im Jahr 2016 spielt, geschrieben. Es sei eine Abwandlung von Jean-Paul Sartres „Geschlossene Gesellschaft“ und Dantes „Göttliche Komödie“. Im Theaterstück soll vor allem das egoistische Denken der Gesellschaft verdeutlicht werden. „Die Spieldauer beträgt zwei Stunden und 20 Minuten“, erklärt die Gehlings, „Das alltägliche Geschehen und das Make-up der Schauspieler konnten mich beim Schreiben der kleineren Szenen immer wieder inspirieren.“

Die Masken und
Kostüme sind aufwändig

Laura Peters ist im Kostüm- und Masken-Team. Das Theaterstück ist bereits ihr zweites, bei dem sie mitwirkt. „Am aufwendigsten sind die Masken der sieben Dämonen, weil im Gesicht viel schattiert werden muss“, erzählt die Hobbynäherin. „Auch die Kostüme waren sehr aufwendig, da wir die Charakteristika der Darsteller mithilfe von Farben und Stoffen umgesetzt haben. Das anschließende Nähen eines Kleides dauert circa drei Monate.“ Jan Mayerhofer ist einer der zehn Hauptdarsteller. Sein Kostüm ist ein dunkler Anzug. „Ich spiele den Mitte 40-jährigen Garcin Lacroix. Im Stück bin ich durch Gift umgekommen“, erklärt der 19-Jährige. „Ich bin ein Geschäftsmann und versuche ein Geschäft aus der Hölle zu machen. Da mich meine Ehefrau Estelle betrogen und verlassen hat, lege ich alles drauf an, mich in der Hölle an ihr zu rächen.“

Hölle mit Bar, Spiegel
und weißer Ledercouch

Aber wie sieht die Hölle eigentlich aus? Der Literaturkurs hat sich die Hölle hell vorgestellt. Es gibt eine Bar, einen Ganzkörperspiegel und eine weiße Ledercouch. Über der Bar hängen quadratische, schief angebrachte Regale an der weißen Wand. „Alles hat mit Zeichnungen, Plänen und verschiedenen Entwürfen angefangen“, weiß Max Osterfeld aus dem Team der Bühnengestaltung. Besonders an der Gestaltung ist, dass es zwei Teile gibt. Die vergangenen Szenen spielen auf der Erde, die gegenwärtigen in der Hölle. Getrennt werden beide Teile durch Säulen auf der Bühne.

Schücker-Hermanns ist von seinem Literaturkurs schlichtweg begeistert: „Theater ist Denken. Jeder hat unterschiedliche Bilder und Vorstellungen im Kopf“, erzählt er. „Wichtig ist, dass die Schüler diese Fantasien nach Außen tragen und das haben alle hervorragend gemeistert.“

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