Poetry Slam: Trotzhumor gegen den Alltag

Johannes Floehr ist Poetry Slammer und Autor. Er schreibt nächtliche Gedanken auf und belauscht heimlich Dialoge.

Krefeld. Wer eigene Texte schreibt, sich auf die Bühne stellt und sie dort vorträgt, wird allgemein als Poetry Slammer bezeichnet. „Eigentlich mag ich diesen Begriff nicht, aber ich glaube, dass ich einer bin“, sagt Johannes Floehr.

Seit rund vier Jahren schreibt er Kurzgeschichten, Prosa und Satire — Gedichte auch mal, „aber ungern“. Vergangenes Jahr ist in ihm das Bedürfnis gewachsen, seine Werke nicht nur im Internet zu präsentieren, sondern auch live auf der Bühne.

Im September machte der 19-Jährige bei seinem ersten Dichter-Wettstreit in Jules Papp an der Königstraße mit. Mittlerweile reist er durch Nordrhein-Westfalen und absolviert um die zehn Auftritte im Monat.

„Bei Poetry Slams zählen Auftritt und Text gleichermaßen“, erklärt Johannes Floehr und gibt lachend zu: „Ich habe auf eine ausgeklügelte Performance meist keine Lust, weil ich chronisch müde bin. Außerdem sind meine Texte nicht für Slams geschrieben, sondern für mich — und deshalb zünden sie nicht immer.“

Seine Themen findet Johannes Floehr quasi auf der Straße. „Ich schreibe über alles, was mir am Tag so begegnet und durch den Kopf geht oder erfinde mir den Alltag, den ich gerne hätte.“ Meist sind seine literarischen Werke komisch. Den ernsten Dingen des Lebens widmet er sich mit „Trotzhumor“. Und damit handelt er ganz im Geiste seiner drei Lieblingsautoren Heinz Strunk, Max Goldt und Charles Bukowski.

40 seiner Texte hat der frisch gebackene Abiturient jetzt unter dem Titel „Versammelte Werke der Klientelliteratur“ in einem Taschenbuch zusammengestellt. Darin finden sich unter anderem nächtliche Gedanken, heimlich belauschte Dialoge und Zusammenfassungen von Schulhofgesprächen.

Die Werke tragen Titel wie „Geflügelte Worte, oder: Warum gibt es keine Plüschfliegen?“ oder „Die fröstelnde Zellmembran des Erektionsgestörten“. „Reich und berühmt“ will Johannes Floehr als Autor werden.

Bisher seien auch die Reaktionen aus seinem Umfeld und bei seinen Auftritten relativ positiv. „Meine Freunde finden meine Sachen gut, aber sie sind ja auch keine ernstzunehmenden Kritiker“, räumt er ein. „Und meine Oma sagt, dass sie zu geschwurbelt sind.“

Einen Karriereschritt hat Floehr jedenfalls schon gemacht: Die erste kleine Auflage von 30 Buch-Exemplaren ist unters Volk gebracht. Und ab September organisiert er einen Poetry Slam im Theater Hintenlinks.

Da zeigt sich: Der Spruch seines Deutsch-Lehrers, den sich Floehr — völlig selbstironisch — für die Abi-Zeitung ausgesucht hat, stimmt doch nicht so ganz. Der sagte nämlich: „Johannes, du könntest viel mehr aus dir machen. Aber viel schlimmer ist: Du bist zufrieden damit.“

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