WZ-Mobil : Klatsche für den Weihnachtsmarkt

Am WZ-Mobil machen Krefelder klar, dass sie mehr von ihrem Budendorf erwarten. Aber es gibt auch lobende Worte für die Betreiber.

Krefeld. „Neues Konzept nicht ganz stimmig“ oder „deutlich verbesserter Markt“ — so unterschiedlich waren die Meinungen Krefelder Politiker, als das Thema kürzlich im Verwaltungsausschuss besprochen wurde. Die WZ fragt da nach, wo der Weihnachtsmarkt auch in diesem Jahr wieder um Besucher kämpfen muss: mitten in der Innenstadt auf dem Neumarkt.

Mit dem Slogan „Hüttenzauber für Leib und Seele“ wollte das Betreiberpaar Thomessen in 2015 den Neustart für das Krefelder Budendorf einläuten. Renate Ständer konnte das, was ihr dann tatsächlich geboten wurde, nicht wirklich überzeugen. Sie besuche jedes Jahr den Markt, weil das einfach dazu gehöre. Es sei ihr jedoch ein wenig zu viel „Leib“ und zu wenig „Seele“ gewesen. Es habe zu viele Buden gegeben, die aber wenig weihnachtliche Stimmung versprüht hätten.

„Das Sortiment sollte nicht nur aus Essen oder Händlern bestehen, die beispielsweise Messer verkaufen. Das war mir zu viel Kommerz“, sagt Renate Ständer, die auch einen Tipp hat, an dem sich die Betreiber orientieren könnten: „Es könnte doch ein paar Buden geben, an denen Vereine oder Ehrenamtler Selbstgefertigtes für den guten Zweck verkaufen könnten. Ein bisschen so wie beim Besonderen Weihnachtsmarkt.“ Außerdem sei ihr aufgefallen, dass das Angebot für Kinder zu wünschen übrig lasse.

Das ist auch ein Kritikpunkt von Jennifer Brockob, die einen achtjährigen Sohn hat. „Der hat sehr schnell angefangen zu quengeln, weil er sich gelangweilt hat“, sagt Brockob. Auf großen Weihnachtsmärkten wie in Aachen oder Köln sei das anders, erklärt die Mutter und kommt so gleich zu Kritikpunkt Nummer zwei: „Eine große Stadt wie Krefeld, braucht auch einen größeren Weihnachtsmarkt. So hat man doch in zehn Minuten schon alles gesehen.“ Ihr Vorschlag für einen verbesserten Weihnachtsmarkt sei deswegen relativ simpel: „Es wäre doch schön, wenn sich auch noch Buden bis in die Hochstraße ziehen würden“, sagt Brockob. Ansonsten werde sie weiterhin lieber zu den namhaften Märkte in der Umgebung gehen.

Etwas gnädiger fällt das Weihnachtsmarkt-Urteil von Günter Schneiders aus. „Ich wünsche mir für das nächsteMal dezente Weihnachtsmusik auf dem gesamten Markt und nicht nur an drei Ständen.“ Ansonsten sei er sehr zufrieden gewesen, sagt Schneiders. Besonders das kulinarische Angebot habe ihm gefallen.

Als Beweis zückt Schneiders eine Wertmarke vom Reibekuchenstand. Die Kartoffelspezialität sei „einfach nur lecker“ gewesen. Und die netten Betreiber eines Glühweinstandes habe Schneiders später sogar in Köln beim Karneval wiedergetroffen. Vermisst habe er jedoch eine auffällige Beschilderung, die schon von der Hochstraße aus mit stimmungsvoller Beleuchtung auf den Weihnachtsmarkt aufmerksam macht.

Werner Van Hess aus Willich hat den Krefelder Weihnachtsmarkt im letzten Jahr nur einmal besucht. Der Grund: „Es gab zu viele Freistände und zu wenig Buden insgesamt.“ Da fahre er lieber nach Holland oder Grefrath. Hoffnung auf Besserung habe er eher wenig. „Die Nachfrage sinkt einfach.

Nicht umsonst stehen doch auch viele Geschäfte am Ostwall leer“, sagt Van Hees. Anne Wienen gefällt der Weihnachtsmarkt schon „seit Jahren“ nicht mehr. „Früher gab es viele kleine Händler, die ihre Sachen verkauft haben“, sagt sie. Im letzten Jahr habe es nur ein paar große Stände „zwischen vielen vielen Futter- und Trinkbuden“ gegeben.

Auch Wienen würde eine Vergrößerung des Marktes begrüßen. „Warum lockt man nicht mehr Händler auf den Markt und nutzt die Fläche von der Dionysiuskirche Richtung Volksbank?“, fragt sie. Außerdem könnte sie sich einen fließenden Übergang zum Schwanenmarkt vorstellen, der weniger „abgehackt“ wirkt.

Auch einen kompletten Standortwechsel kann Wienen sich vorstellen: „Eine nette Idee fände ich, einfach mal einen Riesen-Weihnachtsmarkt auf dem Sprödentalplatz zu machen.“ Aber nur wenn der dann nicht zu einer kirmesähnlichen Veranstaltung verkomme. Aber ein Riesenrad? Warum nicht. Im vergangenen Jahr hätten jedenfalls auch die Reibekuchen „leider echt nachgelassen“.

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