Rheinhafen: Alte Drehbrücke bald ferngesteuert

Hafen : Alte Drehbrücke bald ferngesteuert

Rund 800 000 Euro investiert der Rheinhafen in das Denkmal und berücksichtigt dabei auch die Digitalisierung.

Die schweren Holzdielen klappern bei jedem Schritt. An der ein oder anderen Stelle platzt der Lack ab. Und ganz geräuschlos lässt sich die Alte Drehbrücke im Rheinhafen in Linn auch nicht mehr bewegen. „Sie ist halt eine alte Dame“, sagt Hafenleiter Ralf Schopp mit einer gehörigen Portion Wertschätzung für das 1905 errichtete Bauwerk.

Eine Dame, der nun besondere Aufmerksamkeit zu teil wird. Denn das technische Denkmal muss saniert werden. Als Zufahrt zum Hafengelände passieren täglich hunderte Fahrzeuge, Radfahrer und Fußgänger die Verbindung zwischen der Hafen- und der Hentrichstraße. Die Verkehrssicherheit muss gewährleistet sein. „Aktuell sind drei Maßnahmenpakete vorgesehen“, sagt Schopp. Neben den turnusmäßigen Sanierungs- und Instandhaltungsmaßnahmen (vor allem Schutz des Denkmals gegen Korrosion) ist die Installation einer neuen Schranken- und Lichtzeichenanlage geplant.

Neue Licht- und Schrankenanlage kostet rund 150 000 Euro

Die neue Technik soll dabei helfen, dass zukünftig weniger Personal während der Drehvorgangs an der Brücke anwesend sein muss. „Wenn wir die Brücke derzeit anheben und drehen, beispielsweise weil ein Gastanker der Klasse Küstenmotorschiff den Flußweg passieren will, müssen wir drei Leute abstellen“, berichtet der Hafenleiter. Zu viel Aufwand, zu hohe Kosten. Zukünftig sollen zwei fernsteuerbare Schranken- und Lichtzeichenanlagen auf beiden Seiten der Brücke die Sicherheit für die Verkehrsteilnehmer auf der Straße gewährleisten. Der Kostenrahmen liegt bei rund 150 000 Euro, und die Baumaßnahme soll in diesem Jahr abgeschlossen werden.

An der Brücke selbst müssen in Abstimmung mit der Denkmalbehörde regelmäßig Veränderungen aufgrund neuer gesetzlicher Sicherheitsanforderungen vorgenommen worden. So entsprechen die Streben im Geländer der Brücke nicht mehr den aktuellen Vorgaben. Auch die Eichenbohlen entsprächen vor allem bei Nässe nicht mehr den Sicherheitsstandards für den öffentlichen Raum. „Hier muss mit den Denkmalschützern zumindest ein Kompromiss bei der Rutschfestigkeit des Belages gefunden werden“, sagt der Hafenleiter.

Schäden in den Spurrillen – Fahrbahn wird erneuert

Die Fahrbahn selbst muss komplett erneuert werden, „da Spurrillen und Schäden an der Fahrbahndecke an den Übergängen zwischen Brücke und Straße zur einer unnötigen Belastung bei der Überfahrt schwerer Lastkraftwagen führen und Risiken für die Verkehrsteilnehmer darstellen können“. Auch die Leitplanken werden erneuert. Zusätzlich sind an den Bauwerken Sanierungsmaßnahmen am Stahlbau und an den Beton-/Steinkonstruktionen des Sockels und der beiden Auflager nötig.

Die Kosten belaufen sich derzeit auf rund 650 000 Euro für die Instandsetzung. Abschließend seien die Schätzungen aber noch nicht. Rund drei Monate soll die Bauzeit mindestens betragen. „Es ist immer eine besondere Herausforderung, wenn wir an der Brücke arbeiten, die gleichzeitig ja auch für den Straßen- und Schiffsverkehr zur Verfügung stehen muss“, erklärt Schopp.

In einem dritten Schritt soll der Drehvorgang der Brücke in Zukunft auch automatisiert werden. „Eine ähnliche Konstruktion wurde bereits in Bremerhaven installiert.“ In Zusammenarbeit mit Bremenports und der Hochschule Niederrhein wurde dazu ein Konzept entwickelt, wie die technische Umsetzung auch in Krefeld möglich wäre, ohne den Denkmalcharakter der Brücke zu beeinträchtigen. Nötig ist dafür laut dem Hafenleiter ein zusätzlicher Antriebsmotor an der Mechanik zum Drehen und Verriegeln der Brücke sowie Sensorik zur exakten Messung der Brückenposition, damit das Einrasten der Verriegelung millimetergenau erfolgen kann. „Ziel ist am Ende dieses Modernisierungsschrittes, die Brücke komplett vom Büro der Hafenmeister am Hafenkopf zu überwachen und zu steuern.“ Die „digitale Aufrüstung“ soll aber erst nach der Sanierung der Brücke starten.

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